Ein Raub der Flammen

Der Bürgermeister der Nachbarstadt, Stefan Naas, sagte: "Alles war hell erleuchtet. Ich dachte, die ganze Stadt steht in Flammen."
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Steinbach/Eschborn. 

Es ist kurz vor halb zwei. Die fröhliche Feier der närrischen Weiber ist gerade vorbei, da wird es bitterernst. Im Steinbacher Bürgerhaus bricht Feuer aus. An der Bühne schlagen Flammen hoch und breiten sich rasant aus. Die rund 20 Feiernden nehmen den Brandgeruch wahr, verlassen das Gebäude – und müssen von draußen zusehen, wie das Feuer um sich greift und der Kultur- und Veranstaltungstreff unwiederbringlich zerstört wird.

Es ist 1.27 Uhr, als zahlreiche Notrufe bei Rettungsleitstelle und Polizei eingehen. Auch die Brandmeldeanlage löst Alarm aus. Feuerwehrleute aus Steinbach, Oberursel, Kronberg und – später – aus Bad Homburg und Eschborn treffen kurz darauf ein und versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Einer der Ersten am Einsatzort ist Matthias Bergmann von der Steinbacher Wehr. Zunächst sind im Bürgerhaus nur Rauch und Feuerschein zu sehen. Minuten später quetschen sich dichte, schwarze Rauchschwaden durch die Spalten des Gebäudes . "Die Rauchentwicklung wurde stärker, aus den Fenstern brannte es raus, dann stürzte das Dach ein", schildert der Zugführer der Steinbacher Brandschützer die Entwicklung. Außerdem schlagen die Flammen bis zum achten Stock des benachbarten Hauses hoch, so dass dort sogar die Fensterscheiben platzen. Die Hitze ist so stark, dass sich in den benachbarten Einfamilienhäusern Rollläden verbiegen.

Unter der Leitung von Bergmann und von Kreisbrandinspektor Carsten Lauer versuchen 250 Feuerwehrleute, der Flammen Herr zu werden. Die Einsatzkräfte gehen von drei Seiten vor, unter anderem mit Drehleitern. Mehrere Trupps werden – mit Atemschutzgeräten ausgerüstet – ins Gebäude geschickt, weitere Feuerwehrleute angefordert.

Aber auch nebenan ist Gefahr in Verzug. Ein angrenzendes Wohnhaus, in dem sich 63 Bewohner befanden, muss evakuiert werden. Väter tragen Kinderwagen aus dem Haus, Mütter bringen sich mit ihren weinenden Kindern in Sicherheit. Kurzerhand wird das Steinbacher Feuerwehrgerätehaus zu einer warmen Notunterkunft: Sitzbänke werden in der beheizten Fahrzeughalle aufgestellt und Verpflegung bereitgestellt.

Gegen 2.20 Uhr herrscht plötzlich große Aufregung an der Einsatzstelle. Die Fensterscheiben der Saals bersten, die extreme Hitze ist selbst in 50 Metern Entfernung zu spüren. Als sich einige Einsatzkräfte etwas zurückziehen, zündet schließlich das Rauchgasgemisch durch. Meterhohe Flammen schießen nun aus dem Dach. Sofort wird zusätzlich eine Drehleiter in Stellung gebracht und das Feuer mit Hilfe eines Wasserwerfers bekämpft.

Im Laufe der nächsten zwei Stunden werden die Einsatzkräfte der Flammen Herr. Zwar lodert das Feuer immer wieder auf, doch mit vereinten Kräften gelingt es, ein Übergreifen auf das Hochhaus zu verhindern. "Zu Spitzenzeiten haben wir bis zu 5000 Liter Wasser pro Minute gespritzt", sagt Bergmann. Gegen 4.50 Uhr sind die Flammen bis auf einzelne Glutnester gelöscht. Doch die Nachlöscharbeiten ziehen sich noch bis in die Mittagsstunden hin. Es ist kurz vor 14 Uhr, als die letzten Feuerwehrleute abrücken.

Die Ursache für das Inferno ist noch nicht geklärt. Der Saal des Bürgerhauses wurde bis auf die Grundmauern zerstört, einige der Wohnungen im angrenzenden Gebäude sind bis auf Weiteres unbewohnbar. ks/saj

Weitere Berichte stehen auf den Seiten 1 und 25

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