Ein Turm entsteht

Von Niklaus Mehrfeld
Der Architekt des Turms hat das "Vogelnest" in Hochheim geplant. Bald soll es eine neue Attraktion geben.
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Weilbach. 

Allmählich nimmt der Turm Gestalt an. Am Dienstag nach Ostern wurde mit dem Einrichten der Baustelle sowie der Lagerung der vorgefertigten Stahlteile für das Bauwerk begonnen. Tieflader hatten die Bauteile angeliefert. Nun sind Arbeiter damit beschäftigt, das Gerüst für den Aussichtsturm zu installieren. Das Bauwerk wird nach den Plänen von Professor Peter Karle errichtet. Auf einer Höhe von genau 27,6 Meter wird eine Aussichtsplattform für den Blick über das ehemalige Kiesgrubengelände sorgen. Insgesamt sind nach der Fertigstellung 170 Treppenstufen zu erklimmen, um auf die Plattform zu kommen. Wenn das Gerippe samt dem innenliegenden Treppenaufgang fertig montiert ist, wird der Baukörper mit Lärchenholz verkleidet.

Rund 60 Tonnen wiegen die Stahlteile, die für die notwendige Stabilität des Turmes sorgen. Denn das Bauwerk muss auch stürmischen Winden und heftigen Böen Widerstand leisten können. Auffällig an dem Werk werden die charakteristischen "Spitzen" am Turmende sein. Gemeinsam mit der Holzverkleidung sollen sie eine einmalige Kombination eingehen.

Böse Worte

Heftig diskutiert wurde über den "Turmbau zu Weilbach" im vergangenen Jahr. Denn als darüber informiert wurde, dass die Fraport AG den Hauptteil der Kosten in Höhe von 510 000 Euro für den 41 Meter hohen Turm übernimmt, war der Protest groß und laut. Als in einer Ortsbeiratssitzung dann ein Teilnehmer vom "Turm des Bösen" sprach, gab es tosenden Applaus von den Zuhörern. Des einen Leid ist des anderen Glück könnte salopp formuliert werden, wenn es um die Finanzierungsfrage für das Bauwerk geht. Denn für die öffentlich-rechtliche Regionalpark-Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist es natürlich angenehm, einen finanzstarken Partner wie die Fraport im Rücken zu haben. Da der Flughafenbetreiber schon viel Geld in den Regionalpark gesteckt hat, sozusagen als Ausgleich für die Fluglärm- und Schadstoff-Lasten, die er den Anrainerkommunen des Frankfurter Airports zumutet, ist der Turmbau in Weilbach vielleicht auch symbolisch zu betrachten. Er ragt wie die Spitze eines Eisberges aus der Landschaft hervor, die sich größtenteils von Landwirten und später von Landschaftsplanern kultiviert zeigt. Die Diskussion über den geplanten Turmbau im vergangenen Sommer zeigte aber deutlich, dass die Bewohner in der Region sich kritisch mit der Gestaltung ihrer Umgebung sowie den Geldgeschenken der Fraport auseinandersetzen. Unmöglich ist es jedenfalls, es jedem Kritiker recht machen zu wollen. Ein Streitpunkt seit Jahren ist die Frage, ob es moralisch vertretbar ist, von der Fraport AG viel Geld dafür zu bekommen, Landschaftsprojekte zu realisieren, die für erholungssuchende Menschen gedacht sind. Denn die andere Seite der Fraport-Zuschuss-Medaille zeigt die Dauer-Belastung, denen viele Rhein-Main-Bewohner ausgesetzt sind. Jeder muss wohl selbst abwägen, ob sich in diesen Fällen – die Fraport hat fast alle Regionalpark-Projekte mitfinanziert – die Moralfrage stellt oder ob es nur eine theoretische Diskussion ist. Pragmatisch veranlagte Zeitgenossen lassen da wohl ein ganz anderes Motto gelten: "Wer das Ganze zahlt, ist doch egal. Hauptsache, es möchte einer unbedingt bezahlen." So oder ähnlich lautet die Ansicht von denjenigen, die sich für die Landschaftsgestaltung einsetzen.

Neue Landmarke

Doch egal, wie die Antwort auf diese Frage lautet: Das GRKW-Gelände erhält eine weitere Attraktion. Dass das Kleinod, das an der Frankfurter Straße entwickelt wurde, künftig durch den Turm auf sich aufmerksam macht, bedeutet zweifellos ein Fortschritt. "Landmarke" wird diese Form von besonderen Bauwerken oder Projekten heutzutage im besten Neudeutsch bezeichnet. Und diese "Landmarken" sind begehrt in der Region. Verheißen sie doch Popularität oder zumindest – weil unübersehbar – stete Aufmerksamkeit in der Umgebung. Wer also bald einen Panoramablick über große Teile der Region erhaschen möchte, der kann auf den Weilbacher Turm steigen. Lange dauert es nicht mehr, bis er betreten werden kann. Am Sonntag, 17. Juni, soll er mit einem Fest eingeweiht werden. Damit wartet eine weitere Attraktion am Regionalparkhaus auf Besucher aus der Umgebung. Übrigens: Von der Plattform aus können sie auf den Teil des Areals blicken, auf dem noch immer Kiesabbau betrieben wird. Mit Weilbacher Kies wurden viele Autobahnkilometer gebaut. Zu sehen sind sie vom Turm aus. So schließt sich der Kreis.

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