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Sindlinger Friedenseiche wurde entfernt: Ein Wahrzeichen ist gefallen

Von Manchem Sindlinger wurde gestern eng ums Herz: Die Friedenseiche an der Farbenstraße wurde gefällt. Sämtliche Rettungsversuche für den imposanten Baum waren in den vergangenen Jahren gescheitert. Die Stieleiche war von einem Pilz zerfressen und bröselte vor sich hin.
Arbeiter der Sindlinger Gartenbaufirma Krämer haben gestern das Urteil vollstreckt: Die Sindlinger Friedenseiche wurde zersägt und entfernt. Alle Versuche zur Rettung des Baumes waren zuvor gescheitert. Foto: Maik Reuß Arbeiter der Sindlinger Gartenbaufirma Krämer haben gestern das Urteil vollstreckt: Die Sindlinger Friedenseiche wurde zersägt und entfernt. Alle Versuche zur Rettung des Baumes waren zuvor gescheitert.
Sindlingen. 

Alle Hoffnungen sind dahin, das Urteil wurde gesprochen und gestern vollstreckt: Die Sindlinger Friedenseiche, ein Wahrzeichen des Stadtteils, ist nicht mehr. Der Baum, um dessen Erhalt die Stadt seit mehr als vier Jahren gekämpft hatte, war nicht zu retten. Vertreter des Umweltamts und der Unteren Naturschutzbehörde werden die Notwendigkeit der Fällung in der nächsten Ortsbeiratssitzung am Dienstag, 19. Januar, ab 17 Uhr im Bolongaropalast erläutern und für Frage der Bürger zur Verfügung stehen.

„Ich hatte längst damit gerechnet“, sagt der Sindlinger CDU-Ortsbeirat Albrecht Fribolin. Es sei alles getan worden, die Eiche am Leben zu erhalten. „Aber selbst ohne große Sachkenntnis konnte man die Fäule am Stamm sehen und wie das Holzmehl dort herausrieselt“, sagt Fribolin.

Kampf um den Erhalt

Die Eiche war ein Naturdenkmal und stand seit mehr als 100 Jahren an der Ecke Farbenstraße / Allesinastraße. Viele Sindlinger haben sich für ihren Erhalt engagiert. Der Sindlinger Gartenbauunternehmer Bernd Krämer hat 2011 / 12 sogar auf eigene Kosten ein Gutachten eines Sachverständigenbüros erstellen lassen. Schon dieses Gutachten hatte ergeben, dass der Baum nicht mehr zu retten war (wir berichteten). Damals war der Baum noch standsicher, aber von Pilzen befallen und weitestgehend kahl.

Bernd Krämer und Ortsbeirat Albrecht Fribolin 2012 mit dem Gutachten. Bild-Zoom
Bernd Krämer und Ortsbeirat Albrecht Fribolin 2012 mit dem Gutachten.

Bei der Unteren Naturschutzbehörde, die für den Erhalt solcher Naturdenkmäler zuständig ist, und dem Umweltamt zeigte man sich damals optimistischer. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, hatte Klaus Wichert, der Leiter des Umweltamtes, als Losung ausgegeben. Der Baum wurde aufgegraben, das Pflanzloch wieder in eine kleine Grünanlage umgebaut; man versuchte es, den Baum mit Nährstoff-Lösungen aufzupäppeln. Zwei Mal im Jahr wurde die Krone der Eiche zurückgeschnitten, zuletzt im vergangenen Herbst. Jetzt ist klar: Alle Mühen waren vergebens. Die vor ihren Rückschnitten einmal 23 Meter hohe Eiche, die einen Stammumfang von 4,70 Metern hatte, wurde gestern gekappt.

Andere Baumart?

Krämer hatte schon 2012 empfohlen, den Baum zu fällen und einen Ersatz nachzupflanzen. Ob es wieder eine Stieleiche sein wird, ist eher fraglich: „Der Standort ist ungeeignet“, sagt Fribolin und verweist auf die beiden Straßen, die den Baum einengen. Auch musste schon die Bushaltestelle zu Füßen des Baums in der Vergangenheit wegen des Befalls mit Eichenprozessionsspinnern gesperrt werden (wir berichteten). Man muss sich über Alternativen Gedanken machen, empfiehlt Fribolin: „Vielleicht passt eine Roteiche ja besser.“ Die Roteiche, auch Amerikanische Spitzeiche genannt, stammt aus Nordamerika und wächst sehr schnell. In Mitteleuropa wird sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts wegen ihrer attraktiven Blattform und ihrer schönen roten Herbstfärbung häufig als Park- und Alleebaum angepflanzt. Im Vergleich zu den heimischen Eichenarten ist die Roteiche resistenter gegen Schädlinge. Sinnvolle Alternativen zu einer Eiche wären eine Linde oder ein Gingko-Baum. Letzterer war Goethes Lieblingsbaum, und Goethe war in Sindlingen 1774 zur Goldenen Hochzeit von Johannes Maria Allesina und seiner Frau Franziska Clara geborene Brentano zu Gast – wie auch der Schnupftabaklieferant Josef Maria Markus Bolongaro. Allerdings wäre dann die Sindlinger Straßenbezeichnung „Zur Friedenseiche“ hinfällig.

Den Sindlingern geht es nicht nur um einen Baum, sondern um die historische Bedeutung der Friedenseiche: Sie wurde Anfang September 1910 zum „Sedansfest“ als Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 / 71 gepflanzt. In die Wege geleitet wurde die Pflanzung vom Militärverein „Deutschland“. Dabei war sie, dem Zeitgeist entsprechend, kein Friedensbaum. Sie wurde „Gedächtnis-Eiche“ getauft.

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