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Ein selten dämlicher Deal

Von Der Magistrat hat - wenn auch nur indirekt - erstmals eingeräumt, dass das Rosenberg-Grundstück weit unter Wert an den Hotelbesitzer Hans-Josef Vogler verkauft wurde. Statt für 3,9 Millionen wurde ihm das 7000 Quadratmeter große Areal für lächerliche 700 000 Euro überlassen.

Hofheim. Das Hotel am Rosenberg ist zwar regelmäßig auf den Tagesordnungen der Ausschüsse und der Stadtverordnetenversammlung vertreten, aber es rührt sich nichts. Der Akteneinsichtsausschuss tritt auf der Stelle, und auch mit dem Bebauungsplan geht es nicht weiter, obwohl die Bürger für Hofheim (BfH) zumindest diesen Punkt gern weitertreiben möchten. Allerdings hieße das möglicherweise, den Plänen des Hotelbesitzers Vorschub leisten und damit auch Voglers Monsterprofit, den er machen würde, wenn sein Geschäft mit dem niederländischen Bauträger Wilm - ungeachtet der Ergebnisse des Akteneinsichtsausschusses - durchgehen würde.

Dass Hans-Josef Vogler ein fettes Geschäft machen wird, ist inzwischen auch dem Magistrat klar geworden. Auf der Homepage der Stadt Hofheim war kurzzeitig der Entwurf einer Vereinbarung zu sehen, die die Stadt gerne mit der HJV Vermögensverwaltung (also Vogler) abschließen würde. In der Präambel heißt es wörtlich: „Zwischen den Parteien besteht Einigkeit, dass der Bodenwert des Grundstücks als Wohnbaufläche im Zeitpunkt des Verkaufs mit mindestens 550.- €/m² anzusetzen gewesen wäre, so dass sich (. . .) eine Wertdifferenz zwischen dem Bodenwert und dem Wert des zum Zwecke der Nutzung als Hotel begebenen Erbbaurechts (100,61 €) in Höhe von 449,39 €/m² ergeben hätte.“ Im Übrigen enthält die Präambel die vom Magistrat stets verbreitete Stellungnahme, man sei davon ausgegangen, dass Vogler das Hotel weiter betreibe - auch noch am 17. Juni 2010, als die Stadt auf die eine Million Euro Ausgleichzahlung verzichtete, vorausgesetzt, Vogler würde die zweite Rate der vereinbarten Kaufsumme von 700 000 Euro zahlen. Die Million, auf die die Stadt verzichtete, war als Ausgleich für die Stadt vorgesehen, falls Vogler das Hotel aufgibt und das Grundstück für Wohnungsbau verkauft. So wie es jetzt Realität wird.

In den Paragraphen 1 und 2 der Ausgleichsvereinbarung, in denen geregelt werden soll, wie viel Vogler über die bereits gezahlten 700 000 Euro hinaus an die Stadt berappen soll, sind die Summen offen gelassen. Da ist die Stadt ohnehin auf Voglers Wohlwollen angewiesen, ob er überhaupt etwas zahlt, denn zwingen kann sie ihn nicht. Grundsätzlich steht einer Wohnbebauung an dieser Stelle nichts im Wege. Nur den speziellen Bebauungsplan, den Wilma für ihre Pläne braucht, kann die Stadt noch verhindern. Dabei ist es Wilma egal, was sie am Rosenberg baut, Hauptsache, so Wilma-Geschäftsführer Peter Hofer unlängst zum Kreisblatt: „Es rechnet sich.“ Dabei machte Hofer aber auch deutlich, dass Wilma nicht ewig wartet und vom Kaufvertrag mit Vogler zurücktreten kann.

Spannend in dem Zusammenhang ist Paragraph 3 in der Ausgleichsvereinbarung, in dem es heißt: „Diese Vereinbarung wird gegenstandslos und die Stadt verpflichtet sich zur Rückzahlung der gemäß § 2 erhaltenen Beträge , wenn nicht bis zum ..... die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine reine Wohnnutzung des Grundstücks vorliegen.“ Das macht deutlich, dass die Stadt Vogler kampflos das Feld überlassen muss, wenn aus der Wilma-Bebauung nichts wird.

Vorerst aber ruht die Sache ohnehin, denn der Akteneinsichtsausschuss tritt auf der Stelle. Die Auschussmitglieder wüssten zu gern, was im Vertrag zwischen Wilma und Vogler steht, um davon ihre Entscheidung zum Wilma-Bebauungsplan abhängig zu machen. Das aber wollte Vogler verhindern, legte Widerspruch beim Verwaltungsgericht Frankfurt ein und fiel damit auf die Nase. Umgehend marschierte er zum Verwaltungsgerichtshof nach Kassel, der aber wohl erst Mitte November entscheiden wird, ob die Stadt den Vertrag im Ausschuss vorlegen darf. Vogler wird das dann möglicherweise sogar egal sein. Wenn sein Vertrag mit Wilma platzt, findet er garantiert andere Käufer für das Hotelgrundstück. Einen guten Schnitt macht er auf jeden Fall.

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