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Eine Ruine verschwindet

Von Vom kommenden Montag an wird das alte Hallenbad in Schwalbach abgerissen. Das ehemalige Taunusbad hinterlässt ein trauriges Bild.
Das Schwimmbecken des Taunusbads: Von Vandalen beschädigt. Foto: Hans Nietner Das Schwimmbecken des Taunusbads: Von Vandalen beschädigt. Foto: Hans Nietner
Schwalbach. 

Die ehemalige Schwimmhalle des Taunusbades wäre als Szenerie für einen Alptraum bestens geeignet. Die geleerten Schwimmbecken sind mit Abfällen und kaputten Gegenständen regelrecht vermüllt. An den Wände prangen Graffiti-Schmierereien. Alles ist verdreckt; viele Schäden sind sichtbar, und die einstige Glas-Fassade ist mit Holzbrettern vernagelt. In der langen Zeit des Leerstandes sind Vandalen in das Bad eingedrungen und haben es gründlich verwüstet.

Bad wird zurückgebaut

Marode und sanierungsbedürftig war das Taunusbad jedoch schon ohne das Zutun der Vandalen: Das war auch der Grund für die Schließung im Jahr 2001. Jetzt sind die Tage des Taunusbades gezählt. Am kommenden Montag, 16. Januar, wird die Baustelle für den Abriss eingerichtet. "Drei bis vier Monate werden die Abbrucharbeiten dauern. Das Bad wird einschließlich des Kellers komplett zurückgebaut", sagt der für die Bau-Überwachung zuständige Diplom-Umweltwissenschaftler Bernd Menzel vom Darmstädter Ingenieurbüro Grieseler. Somit wird das im Jahr 1968 eröffnete Schwimmbad jetzt der Abrissbirne zum Opfer fallen.

"Für viele Schwalbacher, auch für mich, stecken viele Erinnerungen im Taunusbad", sagt Bürgermeisterin Christiane Augsburger beim Ortstermin. "Der Startschuss zum Abriss ist daher ein historischer Tag. Mit der Planung eines Naturfreibades an gleicher Stelle hat jedoch schon ein neues Zeitalter begonnen." Voraussichtlich im Februar wird das Stadtparlament endgültig über den Bau des Naturbades entscheiden. Der Erhalt des Hallenbades war zuvor ein Jahrzehnt lang politisch diskutiert worden und hat rund eine Million Euro an Gutachter- und Planungskosten verschlungen. Alle Rettungsversuche scheiterten jedoch an einer Sanierungssumme, die über sieben Millionen Euro gelegen hätte, an zu hohen Betriebskosten und an der Absage der Nachbarstädte, sich zu beteiligen.

Von dem vergammelten Gebäude haben viele Schwalbacher inzwischen die Nase voll. "Wir haben die Abrissarbeiten deutschlandweit ausgeschrieben, und das günstigste Angebot lag bei 158 000 Euro. Soviel wird der Abbruch kosten", erläutert die Rathauschefin. Die Gesamtprojektleitung liegt beim städtische Bau- und Planungsamt in der Zuständigkeit von Holger Röglin.

Erst wird entrümpelt

Und so soll das Ganze ablaufen: "Zuerst wird das Gebäude entrümpelt, anschließend bis auf den Rohbau entkernt, und erst dann wird es abgerissen", schildern Röglin und Menzel die Bau-Etappen. Durch die vielen Gutachten ist die Zusammensetzung der Bausubstanz gut dokumentiert. Noch während des Rückbaus werden die Materialien getrennt. "Schadstoffe müssen entsorgt werden, und Verwertbares wird der Wiederverwendung zugeführt. Der unbelastete Betonbruch wird nicht abtransportiert, sondern mit einer mobilen Brecheranlage vor Ort zerkleinert und als tragfähige, neue Fundamentierung genutzt", erläutern die Experten. Verfüllt wird die Baugrube, die ein Volumen von rund 7000 Kubikmetern haben wird, jedoch zuvor mit dem unbelasteten Erdaushub der Westring-Baustelle, der schon am Bad gelagert ist. "Dieser Erdaushub ist als Füllmaterial sehr gut geeignet und würde im Neueinkauf 15 Euro pro Tonne kosten", bestätigt Fachmann Menzel.

"Wir sparen städtisches Geld, indem wir die Baustellen-Erde vom Westring nutzen und kein Füllmaterial einkaufen", betont Bürgermeisterin Augsburger im Blick auf die Kritik der Grünen. Der Juniorpartner der CDU hatte geargwöhnt, dass am Schwimmbad viel mehr Material als der Erdaushub vom Westring gelagert werde und dauerhafte Geländeveränderungen zu befürchten seien. "Da ist nichts dran", betont Augsburger.

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