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Polizei vermutet Brandstiftung und nimmt Bewohner fest: Feuer im Flüchtlingsheim: 94 Bewohner evakuiert

Mehr als 120 Hilfskräfte waren am frühen Sonntagmorgen im Einsatz, die Kooperation lief reibungslos. Das Feuer griff zwar nicht auf weitere Räume über, doch der rechte Gebäudeteil bleibt Monate unbewohnbar.
Ein Trümmerfeld nach dem Feuer: Kaum noch etwas ist übrig geblieben in dem Zimmer im ersten Stock, in dem der Brand ausgebrochen war. Foto: Knapp Ein Trümmerfeld nach dem Feuer: Kaum noch etwas ist übrig geblieben in dem Zimmer im ersten Stock, in dem der Brand ausgebrochen war.
Liederbach. 

Für Ulrich Dietmann und seine Kollegen von der Liederbacher Feuerwehr war der Fastnachtssonntag ein Tag, an dem Freud und Leid, Spaß und Ernst ganz eng beieinander lagen. Denn am frühen Morgen hatten rund 25 Kameraden alle Hände voll zu tun beim Brand eines Zimmers im Flüchtlingsheim „Alt-Oberliederbach“. Und nach nur wenigen Momenten Verschnaufpause folgte in der Liederbachhalle schon das Kontrastprogramm, denn dort organisierten die Brandschützer ihre Kinderfastnacht.

Bilderstrecke Liederbach: Feuer macht Flüchtlingsunterkunft unbewohnbar
Nach einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Liederbach werden die Bewohner aus dem Gebäude evakuiert.Nach einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Liederbach werden die Bewohner aus dem Gebäude evakuiert.Nach einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Liederbach werden die Bewohner aus dem Gebäude evakuiert.

Dass Klein und Groß dort mehr oder weniger unbeschwert feiern konnten, lag auch daran, dass der Brand Stunden zuvor noch „relativ glimpflich“ ablief, wie Landrat Michael Cyriax an Ort und Stelle berichtete. Denn die 94 dort lebenden Flüchtlinge in der Obhut des Main-Taunus-Kreises wurden nicht verletzt. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagte auch Feuerwehr-Sprecher Dietmann.

Versorgung im Awo-Heim

Als die Brandschützer gegen 6.45 Uhr eintrafen, schossen zwar die Flammen aus einem Zimmer im ersten Stock an der Straßenseite, ein Großteil der Bewohner habe aber das Haus schon verlassen, berichtet Dietmann. Die Brandschützer halfen dann einerseits bei der Evakuierung, hatten andererseits auch mit den Kollegen aus Bad Soden (Drehleiter) und Kelkheim (zweiter Löschzug) das Feuer relativ schnell von zwei Seiten im Griff, so dass sich die Flammen nicht auf weitere Räume ausbreiten konnten. Mit von der Partie waren auch die Rettungsdienste, darunter das Rote Kreuz Liederbach. Dessen 22 Helfer versorgten die Bewohner und Rettungskräfte mit Tee oder Kaffee. Zunächst wurden die Flüchtlinge in das Awo-Seniorenheim „Haus im Park“ ganz in der Nähe zur ersten Versorgung gebracht.

Ein Streit im Haus

Bei der Ursachenermittlung arbeitet die Polizei derzeit vor allem in eine Richtung: Brandstiftung. „Während der ersten Maßnahmen vor Ort wurden Hinweise gefunden, dass das Feuer in einem Zimmer im ersten Stock der Unterkunft ausgebrochen sein könnte“, berichtet ein Polizeisprecher. „Bereits im Verlauf der Nacht wurde der Kelkheimer Polizei eine Auseinandersetzung im Haus gemeldet, worauf ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Daraus ergaben sich erste Anhaltspunkte auf einen möglichen Verursacher des Brandes.“ Ein Bewohner der Unterkunft sei vorläufig festgenommen worden und befinde sich derzeit in Polizeigewahrsam. Die Kripo hat die Ermittlungen aufgenommen, wobei erste Spurensicherungsmaßnahmen gestern vorgesehen waren. „Die Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Brandstiftung, hat aber bislang keinen Hinweis auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund“, ergänzt Johannes Latsch, Sprecher des Main-Taunus-Kreises.

Eine Aussage zur Höhe des entstandenen Sachschadens kann derzeit noch nicht getroffen werden. Er dürfte aber im sechsstelligen Bereich liegen, denn laut Feuerwehr wurde auch das Gebäude etwa mit abbröckelndem Putz in Mitleidenschaft gezogen. Zudem ist der Trakt vollkommen verraucht. Der rechte Gebäudeteil der Liederbacher Unterkunft, in der der Brand nach 6 Uhr ausgebrochen war, sei auf Monate unbewohnbar, sagt Erster Kreisbeigeordneter Wolfgang Kollmeier. Dieser Trakt solle komplett saniert werden – was ohnehin geplant gewesen sei. In einem anderen Gebäudeteil muss zunächst überprüft werden, ob die Haustechnik noch funktioniert.

In der Unterkunft „Alt-Oberliederbach“ waren 94 Personen untergebracht, darunter 17 Kinder. Nach der Erstversorgung im Pflegeheim „Haus im Park“ fuhren Einsatzkräfte sie in eine Unterkunft in der Frankfurter Straße nach Kelkheim, wo sie vorerst unterkommen werden. Dieses Gebäude für etwa 160 Personen, auf dem Areal der ehemaligen Möbelfirma Pleines, war frisch renoviert und umgebaut worden. Es sollte nach Angaben von Kollmeier demnächst ohnehin bezogen werden. In aller Eile räumten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten noch am Morgen Matratzen und Bettzeug ein und bauten eine Notküche zur Verpflegung der Flüchtlinge auf. Vorerst sollen die Menschen dort bleiben, ergänzte Latsch.

Medikamente gesichert

Nach Auskunft des Kreises und der Rettungskräfte hatten die Bewohner letztlich noch Glück im Unglück. Der „Einsatz ist durch das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehren und Rettungsdienste zügig und professionell gelaufen“, lobt Cyriax die Hilfe über Gemeindegrenzen hinweg. Beteiligt waren neben den Brand- und Katastrophenschützern des Kreises Feuerwehren aus Liederbach, Kelkheim, Hattersheim und Bad Soden sowie Rettungsdiensteinheiten des Roten Kreuzes, des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Malteser Hilfsdienstes – mehr als 120 Personen. Hinzu kommen Einsatzkräfte der Polizei.

Auch Sigrid Grether, die für das Rote Kreuz mithalf, lobte die „tolle Zusammenarbeit“ der Helfer: „Jeder war froh, dass nichts passiert ist.“ Die Flüchtlinge seien dennoch etwas verunsichert gewesen, haben die doch private Dinge im Haus zurückgelassen. Allerdings konnten einige Bewohner dringende Sachen wie Medikamenten noch gestern unter Aufsicht aus dem Haus holen.

(wein)
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