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"Fluglärm-Kur" bewilligt

Dass Dauerkrach krank machen kann, ist unbestritten. Das sehen nun wohl auch die für Erholungszeiten zuständigen Versicherungsträger ein.
Carola Gottas ist vom Lärm der Düsenjets genervt. Foto: Reuß Carola Gottas ist vom Lärm der Düsenjets genervt. Foto: Reuß
Flörsheim. 

Sind die Flörsheimer reif für die Kur? Sechs Monate nach der Eröffnung der neuen Landebahn Nordwest, scheinen die gesundheitlichen Belastungen durch Tiefflüge auch die Krankenkassen zu überzeugen. Die Flörsheimerin Carola Gottas bekam aufgrund der Folgen des Fluglärms am Untermain eine Kur bewilligt. Wegen Stress, Gereiztheit und anhaltenden Schlafmangels hatte die Mutter zweier kleiner Töchter die Erholungszeit bei ihrer Krankenkasse beantragt. Nach anfänglichem Widerstand bekam ihr Antrag grünes Licht.

Widerspruch eingelegt

Zunächst wurde das Schreiben der Flörsheimerin mit dem Hinweis abgelehnt, die Belastung durch den Fluglärm sei zwar nachvollziehbar, könne aber nicht der Solidargemeinschaft angelastet werden. Carola Gottas, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) Flörsheim-Hochheim, war nicht bereit, dieses Argument hinzunehmen. In ihrem Widerspruch verwies sie auf medizinische Studien der Universität Mainz, die ein hohes gesundheitliche Risiko für Menschen in Einflugschneisen bestätigen. Zudem gab sie zu bedenken, dass die Folgen dieser Gefährdung durchaus von der Gesellschaft und nicht etwa von einzelnen Betroffenen zu tragen seien: "Laut den Politikern sind wir Flörsheimer die ,Sonderopfer der Nation’. Deshalb ist es für mich nicht nachvollziehbar, wieso die Solidargemeinschaft nicht für damit einhergehende Erkrankungen aufkommt", formulierte Gottas in ihrem Antwortschreiben. Außerdem erklärte die Mutter die Angst, dass ihre Kinder Lernschwächen davon tragen, und sie verwies auf die Feinstaubmessungen in Flörsheim. Vier Tage später bewilligte die Krankenkasse eine dreiwöchige Kur. "Ich habe es schwarz auf weiß, dass Fluglärm und Feinstaub krank machen", erklärt Carola Gottas. Die Flörsheimerin betrachtet diesen Umstand als deutliches Signal: "Dass der Lärm und die Schadstoffe unsere Gesundheit bedrohen, ist uns Betroffenen längst klar" so Carola Gottas. "Aber nun kann sich jeder ausrechnen, was für ein Berg an Kosten auf uns alle zukommt, wenn die Bahn in Betrieb bleibt." Die BI-Sprecherin glaubt, dass sie einen Präzedenzfall geschaffen hat. Sie habe bereits im Internet Rückmeldung von einer Frau erhalten, der ebenfalls eine Kur genehmigt wurde, erzählt die Flörsheimerin.

Auch Sandra Olivari von der BI Flörsheim-Hochheim fragt sich, in welchem Verhältnis der Profit von Fraport zu den entstehenden Gesundheitskosten in der Bevölkerung steht und wie hoch der Wohlstandswert des Flughafenausbaus in diesem Zusammenhang noch ist. "Wir werden immer häufiger von Bürgern angesprochen, die Angst um ihre Gesundheit und langfristig auch um ihre Arbeitsfähigkeit haben", sagt Olivari. Das fortschreitende Wachstum des Frankfurter Flughafens werde Unsummen an Mehrkosten im Gesundheitswesen fordern, vermutet die BI-Sprecherin. "Allein dadurch zahlt die Bevölkerung langfristig einen deutlich zu hohen Preis für diesen Ausbau", betont Sandra Olivari. sas

(Sascha Kröner)
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