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Freibad: Noch viele Fragen offen

Von Der mit Spannung erwartete Bericht zur Zukunft des Bades liegt vor. Jetzt wissen die Stadtverordneten mehr – aber noch nicht genug.
Hattersheim. 

So unklar es auch sein mag, wie es mit dem Hattersheimer Freibad weiter geht – eines steht fest: Zu einer Bebauung des Geländes durch Wohnhäuser wird es wohl nicht kommen. Denn fast das gesamte Schwimmbad liegt im Überschwemmungsgebiet des Schwarzbaches, und das wird eher ausgeweitet.

Aber der Reihe nach: Die Stadtverordnetenversammlung hatte den Magistrat auf Antrag der SPD im April beauftragt, Einsparpotenziale beim Freibad zu untersuchen. Drei Varianten hatten die Sozialdemokraten zur Debatte gestellt – erstens die Privatisierung des Bades, zweitens einen eingeschränkten Betrieb für Kinder und Kleinkinder, drittens eine Schließung des Bades und den Verkauf des Geländes als Baugebiet. Die Ergebnisse der Untersuchungen liegen vor, der Bericht wurde am Dienstag im Magistrat beschlossen und wird in der kommenden Woche in den Ausschüssen diskutiert.

Die Stadtverordneten sind durch den Bericht sicher ein Stück schlauer geworden. Aber nicht so schlau, wie sie es sein müssten. Denn was der Bericht nicht enthält, sind abschließende Aussagen dazu, welche finanziellen Folgen jede einzelne Variante für die Stadt hätte. Man kann daher sehr gespannt sein, wie die Stadtverordneten mit dem Bericht umgehen.

Privatisieren

Gar nicht weiter mit Zahlen befasst hat sich der Magistrat bei der Variante einer Privatisierung. Es gebe in Deutschland nur wenige rein private Freibäder, fast immer handele es sich um freizeit- oder "wellness"-orientierte, große Anlagen. Für die notwendigen Vergrößerungen aber fehle der Platz – da braucht man sich um finanzielle Begleiterscheinungen für die Stadt im Falle einer Privatisierung wohl tatsächlich kaum zu kümmern.

Schließen und verkaufen

Das Bad zu schließen, das Gelände zu verkaufen und es zu bebauen, wäre durchführbar. Zwar hat sich herausgestellt, dass ein großer Teil des Areals im Überschwemmungsgebiet des Schwarzbaches liegt, das nicht bebaut werden darf. Und durch den sogenannten Hochwasser-Risikomanagementplan Schwarzbach, den das Land gerade erarbeitet, könnte das Überschwemmungsgebiet noch vergrößert werden. Aber allgemein gilt: Wenn Rückstauflächen für den Bach anderswo ausgewiesen werden können, dürfen Überschwemmungsgebiete bebaut werden.

Man hätte durchaus Folgendes ausrechnen können: Welche Einnahmen ließen sich bei einem Verkauf als Bauland erzielen? Welche Kosten entstünden für das Bebauungsplanverfahren und welche für die Schaffung alternativer Überschwemmungsflächen? Komplett wäre die Berechnung damit noch nicht. Einfließen müsste auch die sofortige Rückzahlung eines Darlehens, das die Stadt bei Sanierungsmaßnahmen vor drei Jahren bekommen hat. Eine genaue Zahl wird nicht genannt, es scheint um rund 350 000 Euro zu gehen.

Nicht darauf hingewiesen wird auch, dass die Abschreibungen für das Bad, die den Haushalt mit jährlich knapp 100 000 Euro belasten, auch durch eine Schließung keineswegs wegfallen. Dabei macht das rund ein Viertel des Zuschussbedarfs für das Bad in diesem Jahr aus. Hattersheims Erste Stadträtin Karin Schnick (Grüne) betonte gestern noch gegenüber dem Kreisblatt, dass dieser Zuschuss auch stark von den Besucherzahlen abhängt. Und die schwanken, je nach Wetter, zwischen 55 000 und 135 000 pro Jahr.

Betrieb beschränken

Unklar bleibt auch, welche finanziellen Folgen eine Beschränkung des Betriebes auf den Baby- und Kleinkinderbereich hätte. Für Umbauten und Sicherungsmaßnahmen müsste die Stadt etwa 180 000 Euro ausgeben. Aber welche laufenden Kosten ein so verändertes Betriebskonzept zur Folge hätte und mit welchen Einnahmen die Stadt noch rechnen könnte, dazu gibt es keine Angaben. Sicher ist man zum Teil auf Schätzungen angewiesen – die könnte man als solche ja kenntlich machen.

Fazit: Der Bericht reicht als Entscheidungsgrundlage kaum aus. Auch die Initiatoren des Fördervereins für das Freibad können darin nicht erkennen, inwiefern ihr Engagement etwas bringen könnte oder gar schon zu spät kommt.

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