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Ganz schön anstrengend

An der Albert-Einstein-Schule gibt es bald einen eigenen Wein. Die Gymnasiasten haben die Trauben selbst gelesen.
Unterricht einmal anders: Lisa Mahr und Nina Schuster bei der Weinlese in Wicker. Foto: Nietner Unterricht einmal anders: Lisa Mahr und Nina Schuster bei der Weinlese in Wicker. Foto: Nietner
Schwalbach. 

"Einsteins Spätlese" könnte eine neue Rieslingsorte heißen, die Weinfreunde im kommenden Jahr verkosten können. Dabei handelt es sich nicht etwa um den Ertrag eines verschollenen Weinberges des berühmten Physiker und Nobelpreisträgers. Der Rebensaft soll der neue Schulwein der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule werden. Über den endgültigen Namen dürfen die Schüler des Gymnasiums entscheiden. Doch zunächst mussten die Trauben geerntet werden.

Wie mühselig die Arbeit im Weinberg sein kann, erlebten die Schülerinnen Lisa Mahr und Nina Schuster: "Das Bücken ist anstrengend", betonte Lisa, während sie mit einer kleinen Gartenschere Trauben von den Reben schnitt. "Ich habe es mir entspannter vorgestellt", gab ihre Freundin Nina zu. 18 Mädchen und Jungen legten am Donnerstag mit einer Weinlese in Wicker die Grundlage für den Schulwein. Die Gymnasiasten, die durchschnittlich 15 Jahre alt waren, sammelten Trauben in der alten Weinbergslage "König Wilhelmsberg" des Weingut Hück. Während der Weinlese entwickelte sich eine kleine Arbeitsteilung: Die Mädchen schnitten die Trauben ab, die die Jungs in großen Behältern auf dem Rücken zur Sammelstelle trugen. "Manche Trauben sind voll versteckt", berichtete Lisa Mahr. Man müsse aufpassen, dass man sich nicht in die Finger schneide, betonte Nina Schuster.

Weinprobe

Noch sind die Schüler zu jung, um das Ergebnis ihrer Arbeit zu probieren. Im kommenden Jahr können die meisten den Schulwein nach Vollendung des 16. Lebensjahres trinken. "Wenn wir den Wein bekommen, machen wir eine Weinprobe", erklärte Barbara Unger, Lehrerin für Biologie. Die Schüler, die im Weinberg mitarbeiteten, gehören den Leistungskursen Biologe an. "Das ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis für die Schüler, die ganz neu in der Oberstufe sind", erklärte Barbara Unger. Der Weinbau sei darüber hinaus aber auch ein wichtiges Unterrichtsthema: "Wir sind Teil des Regionalparks Rhein-Main. Da gehört das zur Allgemeinbildung", so die Pädagogin. Durch ökologische Wechselwirkungen und den Gärungsprozess in der Weinproduktion sei es außerdem möglich, wichtige biologische Inhalte zu vermitteln.

Die Herstellung eines Schulweins sei in Hessen einmalig, erläuterte Medienpädagoge Rolf Gosses, der das Projekt begleitet. Die Albert-Einstein-Schule hat einen Pachtvertrag für einige Rebstöcke mit dem Weingut Hück abgeschlossen. Da ein Rebstock schätzungsweise den Ertrag für eine Flasche Wein abwirft, ist die Rebpacht eher symbolischer Natur. Ihren Schulwein verdienten sich die Schüler durch die Arbeit im Weinberg. Winzer Wilhelm Hück wird der Schule 2012 rund 50 Flaschen Wein zur Verfügung stellen.

Anstrengender Job

Über einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit wird bereits nachgedacht. Die Albert-Einstein-Schule plant das Angebot einer Weinbau AG, in deren Rahmen die Abläufe der Weinherstellung vertieft werden könnten. "Unser Ziel ist es, dass die Schüler auch andere Aspekte als die Weinlese mitbekommen", erklärte Rolf Gosses. Denkbar wäre eine Mitarbeit beim Blattschnitt und beim Binden der Reben im Frühjahr. Vorträge von Winzern und der Anbau von Weinreben im Schulgarten sind weitere Ideen, über die die Verantwortlichen nachdenken. Lisa Mahr und Nina Schuster haben ihre Entscheidung allerdings bereits getroffen: Nach der anstrengenden Erfahrung im Weinberg, schließen sie die Mitwirkung in einer AG aus. Doch wer weiß: Vielleicht kann die Verkostung des Schulweins die Mädchen ja doch noch umstimmen. sas

(Sascha Kröner)
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