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Ortstermin am umstrittenen Baugebiet: Gegner würden „Weingärten“ kaufen

„Nördlich Weingärten“ gerät zum Politikum: Am 24. September soll auch entschieden werden, ob die Fläche bebaut werden soll. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und der BUND informierten nun an Ort und Stelle pro Natur.
Links Totenkreuze, rechts abgesteckte Gebäudefläche: Die Naturschützer haben zum Ortstermin „Nördlich Weingärten“ geladen. Foto: Hans Nietner Links Totenkreuze, rechts abgesteckte Gebäudefläche: Die Naturschützer haben zum Ortstermin „Nördlich Weingärten“ geladen.
Liederbach. 

„Seit nunmehr 40 Jahren ärgere ich die Politiker“, erklärt Manfred Guder, „weil ich aufdecke, wenn sie schummeln wollen“. Was die Bebauungspläne von „Nördlich Weingärten“ angeht, so ist sich der Kreis-Vorsitzende des BUND sicher, sei auch eine Mogelei im Gange. Zur Faktenlage: CDU, FWG und FDP sind für die Umwandlung in ein Wohngebiet; SPD, Grüne sowie die Naturschutzverbände SDW und BUND wollen das 2,7 Hektar große Stück Natur erhalten. Entschieden wird in zwei Wochen per Bürgerentscheid. So geschah es bereits 2010, als sich die Bürger erfolgreich gegen eine Bebauung einsetzten.

Ein Erfolg, der allerdings nicht ewig währt. „Die Krux ist, dass alle drei Jahre neue Pläne erstellt werden und das Gebiet dann wieder zur Bebauung freigegeben wird“, erklärt Guder. „Wer verloren hat, der sollte sich das eingestehen und nicht wieder von vorne anfangen.“

„Interessengemeinschaft“

Ursprünglich sei es gar nicht möglich gewesen, die Weingärten zu bebauen, denn damals seien sie als regionaler Grünzug eingestuft worden, wie Guder den rund 60 Anwesenden berichtet. Somit war eine Wohnfläche nach geltendem Recht ausgeschlossen. Verantwortlich für diese Einstufung war der Umlandverband, später Regionalverband. Danach wurde auch die Einstufung als Grünzug zurückgenommen, der Bebauung Tür und Tor geöffnet. „Ich sag es ganz offen“, echauffierte sich Guder bei dem Ortstermin, „dieser Verband ist eine Interessengemeinschaft der Bürgermeister“.

Um zu symbolisieren, was auf dem Spiel steht, haben SDW und BUND Kreuze aufgestellt, auf denen Bilder und Namen von Tieren zu sehen sind: Blindschleiche, Grünspecht und Steinkauz würden vertrieben. Zudem haben sie die Grundfläche des Gebäudes angesteckt und wollen die Höhe mit einem Ballon symbolisieren. „Das Gebiet ist als Streuobstwiese ein Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere“, sagt SDW-Mann Hans-Jörg Nortmeyer, „und darüber hinaus ein ganz besonderes Biotop“. Da Streuobstwiesen angelegt werden, seien sie ein Beweis dafür, dass der Mensch auch sinnvolle Ideen zur Natur hat. Gerne seien die Naturschutzorganisationen bereit, das Gebiet dem Eigentümer „zu einem fairen Preis“ abzukaufen, um es als Streuobstwiese zu erhalten. Der Besitzer – die Kelkheimer Projektgesellschaft Horn – will aber bauen.

Froh über Wohnraum

„Ich bin ganz ehrlich, ich finde das gut“, gestand der Liederbacher Josef Jakob, „denn die Menschheit wächst und es braucht nun mal neue Wohnungen“. Er sei vor über 40 Jahren „heilfroh“ gewesen, dass er nach langer Suche einen Bauplatz für ein Eigenheim fand. Hier setzen die Naturschützer an: Platz gäbe es genug, allerdings an anderer Stelle. „Es ist im Flächennutzungsplan massig Platz zur Bebauung vorgesehen“, so Guder, „insgesamt sind es rund 20 Hektar“. Dass nun ausgerechnet in „Nördlich Weingärten“ ein Gebiet bebaut werden soll, das in diesen Plänen nicht vorgesehen war, das zudem als schützenswerter Flecken Natur gilt und darüber hinaus als Wohngebiet zu erhöhtem Verkehrsaufkommen sorgen könnte, das sieht man bei SDW und BUND nicht ein. Bis zum Bürgerentscheid am 24. September wollen sie weiterhin Werbung für den Erhalt machen. „Wer sich zum Fürsprecher der Natur machen möchte, der muss dann natürlich sein Kreuz an der richtigen Stelle machen“, sagt Nortmeyer, „wichtig ist aber auch, dass man das Thema im Freundes- und Bekanntenkreis anspricht“.

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