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Bundestagswahl 2017: Gekritzel und Demokratie: So ist es, Wahlhelfer in Sulzbach zu sein

Stimmzettel ausgeben, aufpassen, zählen – mehr als 1400 Wahlhelfer brauchen die zwölf Städte und Gemeinden im MTK, um die Bundestagswahl 2017 abzuwickeln. Manchmal müssen die Freiwilligen schlucken, wenn sie dümmliche bis demokratiefeindliche Kommentare neben den Namen der Kandidaten lesen.
Wählen gehen ist hierzulande ein Grundrecht und wichtig. Aber es braucht auch viele Helfer, die all die Stimmen später auszählen. Foto dpa Bilder > Foto: Gregor Fischer (dpa) Wählen gehen ist hierzulande ein Grundrecht und wichtig. Aber es braucht auch viele Helfer, die all die Stimmen später auszählen. Foto dpa

Auch wenn es in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit gerne übersehen wird: Ohne die Wahlhelfer wäre es schlecht bestellt um die Demokratie in Deutschland. Auf www.bundeswahlleiter.de – der Informations-Homepage zur anstehenden Bundestagswahl – wird vom „Fundament der Selbstorganisation der Wahl durch das Volk“ und vom „wichtigsten Träger des Wahlverfahrens“ gesprochen. Doch was bedeutet es überhaupt, Wahlhelfer zu sein? Der Sulzbacher Aloysius Wohlfahrt weiß Bescheid, schließlich leistet der 72-Jährige seit fast 40 Jahren seinen Dienst in den Wahllokalen Sulzbachs. „Aus meiner Sicht lebt eine Demokratie davon, dass Bürger ihre Verantwortung selbst wahrnehmen“, sagt Wohlfahrt, „als Ehrenamt hat dieser Dienst aber einen schweren Stand.“

Entweder wird der Wahlhelfer von der zuständigen Gemeindebehörde des jeweiligen Wahlbezirkes berufen oder aber man meldet sich freiwillig für dieses Amt. Nicht nur in Sulzbach ist die Suche nach Freiwilligen schwieriger als früher, wie Rathaus-Sprecher Holger Klink weiß. „Da gibt es seit Jahren immer wieder Probleme“, ergänzt Wohlfahrt, „zuletzt wurden über die Zeitungen noch einmal Helfer gesucht.“

Dass sich diesbezüglich gerade jüngere Mitbürger selten aufdrängen, kann er durchaus verstehen. „Sich seinen Verpflichtungen bewusst zu sein“, so Wohlfahrt, „kommt häufig erst ab einem gewissen Alter, etwa wenn man fest in seinem Beruf steht.“ Er selbst ist dafür ein sehr gutes Beispiel, denn auch Aloysius Wohlfahrt brauchte knapp 30 Jahre, ehe er sich zum Wohle der Demokratie einzusetzen begann. Als Mitarbeiter einer amerikanischen Militär-Bank trat er 1976 der Gewerkschaft bei und war in der Folge 30 Jahre Mitglied im Vorsitz des Betriebsrats. „Kurz darauf, 1978, bin ich dann der SPD beigetreten“, berichtet Wohlfahrt, „weil ich mir sagte, dass ich mich engagieren muss, wenn ich in einer Demokratie leben will.“

Wahlhelfer sein bedeutet dabei mehr, als bloß am Tag der Wahlen die Stimmzettel auszuteilen, wie Wohlfahrt unterstreicht. Manchmal müsse man sogar ein Machtwort sprechen. „Es kam schon häufiger vor, dass eine politische Diskussion im Wahllokal entstand“, erklärt er schmunzelnd, „dann muss ich diese beenden, denn am Tag der Wahl wird gewählt und nicht mehr diskutiert.“ So sollte es zumindest sein.

Immer wieder stellte Wohlfahrt jedoch in den vergangenen Jahren beim abschließenden Auszählen der Stimmen fest, dass einige Bürger zwar an die Wahlurne traten, dabei aber auf ihr Stimmrecht freiwillig verzichteten. „Dann liest man mehr oder weniger nette Kommentare neben dem Namen eines Kandidaten“, sagt Wohlfahrt. Ebenfalls sehr beliebt: Das Durchstreichen oder ankreuzen sämtlicher Optionen, das Anfertigen von obszönen Skizzen oder das Verfassen von mehr oder weniger geistreichen Essays. Das Resultat ist dabei stets das gleiche: Der Stimmzettel ist ungültig.

In der Regel sind diese Aktionen als Protest gedacht. Nur bewirkt dieser genauso wenig wie das Fernbleiben bei der Wahl. Das ist für Aloysius Wohlfahrt keine Option. „Wer nicht wählt, der hat für mich auch das Recht verwirkt, sich später über das Ergebnis zu äußern“, sagt er, „nur wer sich am demokratischen Prozess beteiligt, der darf auch Kritik üben.“

Seiner Überzeugung nach gibt es ausreichend politische Alternativen für die Wähler, weswegen er auch zu folgender Beobachtung kommt: „Die Zahl der Stammwähler ist rückläufig, immer mehr Wähler entscheiden sich kurzfristig für eine Partei.“ Das ist auch alles andere als verwerflich. Hauptsache, man beteiligt sich an der Wahl – am besten sowohl als Wähler wie auch als Wahlhelfer.

(rk)
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