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Einteilung der Waldflächen in Hofheim: Geld ist kein gewichtiges Argument

Von Wird in Hofheim der Wald auf zwei weiteren Flächen sich selbst überlassen? Auf einen einfachen Gegensatz von Naturschutz und finanziellen Interessen kann diese Diskussion nicht reduziert werden.
Kümmern sich um den Hofheimer Wald: Karlheinz Kollmannsberger (li) und David Kredding. Foto: Knapp Kümmern sich um den Hofheimer Wald: Karlheinz Kollmannsberger (li) und David Kredding.
Hofheim. 

Man kann schon Schwarz-Weiß-Malerei betreiben bei diesem Thema. Naturwald, das sind sich selbst überlassene Waldflächen mit vielen unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten, die dort leben – ein Stückchen Urwald eben mitten im dicht besiedelten Main-Taunus-Kreis. Die herkömmliche Waldbewirtschaftung dagegen, das sind Monokulturen, in denen ohne Rücksicht auf die Natur möglichst große Mengen Holz geerntet werden sollen, damit es einen ordentlichen Gewinn für die Stadtkasse gibt.

Das Geld ist aber schon gar kein so gewichtiges Argument, wie Stadtrat Wolfgang Winckler am Dienstag klar machte. Die Einnahmen aus dem Wald machen nur einen sehr kleinen Teil des städtischen Haushalts aus. Man könne also schon einmal etwas ändern, ohne gleich die Finanzen der Stadt in Unordnung zu bringen. Trotzdem sind die Stadtverordneten nicht besonders entscheidungsfreudig. Zum wiederholten Male vertagte der Umwelt- und Forstausschuss der Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss darüber, zwei Flächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen und so nach und nach zum Urwald werden zu lassen.

Zwei Fachleute für kommende Aufgaben

Beide Herren sind eigentlich eine ganz andere Art der Waldbewirtschaftung gewöhnt. Karlheinz Kollmannsberger hat im nordhessischen Forstamt Frankenberg gearbeitet, David Kreddig unter anderem in Tauberbischofsheim.

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Zur Debatte stehen zwei Flächen, die im Wald allesamt Abteilungen heißen. Da ist erstens die Abteilung 310, die zu Diedenbergen gehört, aber nur 500 Meter vom Rand des Gewerbegebietes Wallau oberhalb des Kassernbachtales liegt. Der Magistrat möchte diese Fläche als Naturwald ausweisen. Zweitens geht es um die Abteilung 211A, der südlich an die sogenannte Langenhainer Viehweide angrenzt. Der Magistrat hat beantragt, diese Fläche in der Bewirtschaftung zu lassen.

Das geht auch auf eine Empfehlung des Forstamtes zurück. Dieses weist darauf hin, dass der Wald dort zu zwei Dritteln aus Buchen und zu einem Drittel aus Eichen besteht – die Bäume sind alt, sie könnten in absehbarer Zeit einen ordentlichen Ertrag bringen. Der wurde gelegentlich schon auf 100 000 Euro beziffert. Die Naturschützer auf der anderen Seite haben darauf hingewiesen, dass dort viele seltene Vögel ihre Heimat haben.

Bei der Abteilung 211A haben sie stärkere Argumente – sie kann einen Verbund bilden mit dem Naturschutzgebiet Kassernbachtal, einem weiteren geschützten Gebiet am Galgenberg und ebenfalls stillgelegten Flächen in der Nähe. Solche Zusammenhänge sind für den Artenschutz besonders wertvoll. Zudem handelt es sich um „wüchsiges Gelände“ wegen seiner Bodenbedingungen gut geeignet für den Holzanbau, aber eben auch als Urwald interessant.

Die Stadtverordneten tun sich sichtbar schwer mit einer Entscheidung. Das mag daran liegen, dass sich der Hofheimer Wald einer großen öffentlichen Aufmerksamkeit erfreut. Aber ein Grund ist sicher auch, dass sich das Thema nicht einfach auf den Gegensatz zwischen Naturschutz und städtischer Finanzpolitik bringen lässt. Denn auch aus „grüner“ Sicht spricht einiges für die Waldbewirtschaftung.

Zum Beispiel der Klimaschutz – Naturwälder geben bei der Verrottung genau so viel Kohlendioxid ab, wie sie aufnehmen, im Wirtschaftswald dagegen wird das klimaschädliche Gas im eingeschlagenen Holz gebunden. Und das dauerhaft, wenn das Holz verbaut wird. Holz, das in Europa unter den Bedingungen nachhaltiger Forstwirtschaft wächst, kann Holz ersetzen, das unter hohen ökologischen Kosten von weither herbeigeschafft werden muss. David Kredding, der im Rathaus für den Wald zuständig ist, hat in einer Tabelle die Vor- und Nachteile beider Varianten zusammengestellt. Zu bedenken gibt er auch, dass einige als ökologisch wertvoll geltende Bäume wie die Eichen im Naturwald verschwinden könnten, weil sie gegen dominantere Arten keine Chancen haben.

Dass der Naturwald aus ökologischer Sicht zu bevorzugen ist, zeigt die Tatsache, dass es dafür sogenannte Ökopunkte gibt. Diese kann die Stadt sich gutschreiben lassen und einsetzen, wenn durch andere Bauvorhaben Eingriffe in die Natur notwendig werden. Werden solche Bauvorhaben durch andere vorangetrieben, kann die Stadt die Ökopunkte verkaufen. Die Einnahmen sind zwar beträchtlich, aber einmalig. Wird auf den Flächen weiter Holz angebaut, kann immer wieder Holz geerntet werden. Die Stilllegung von Waldflächen bedeutet damit finanziell einen dauerhaften Wertverlust. Auf der anderen Seite ist sicher mit zu bedenken, dass Naturwälder besondere Anziehungspunkte für Erholungssuchende sind und auch nur dort die Ästhetik besonders alter Bäume erlebt werden kann. Der Denkmalschutzaspekt schließlich spricht eher für die Waldbewirtschaftung – nur so können Reste früherer Formen der Waldbewirtschaftung erhalten werden. Als Beispiel wird der Hutewald genannt, der früher als Weide genutzt wurde.

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