Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Geschichten rund ums Modell

Im Vereinshaus wurde die maßstabsgetreue Nachbildung Hornaus von 1873 den zahlreichen Besuchern präsentiert.
Hans Grimm posiert vor einem Bild der ältesten Häuser in Hornau.	Foto: Knapp Hans Grimm posiert vor einem Bild der ältesten Häuser in Hornau. Foto: Knapp
Hornau. 

Sie interessieren sich sehr für ihre Geschichte, die Hornauer. Das beweisen immer wieder sehr gut besuchte Führungen und Veranstaltungen rund um die Ortshistorie. Kein Wunder also, dass sich viele nicht entgehen lassen wollten, als die "Bürger für Hornau" erstmals ihr Modell der Öffentlichkeit präsentierten. Es zeigt im Maßstab 1:333 Hornau im Jahre 1873 (wir berichteten). Das Besondere: nicht nur der Maßstab ist korrekt, sondern auch die topografische Gestalt des Grundes, auf dem viel Grün zu sehen ist.

Vorträge

Rund 200 Interessierte kamen zu der Eröffnungsfeier im Vereinshaus. Bei Kaffee und Kuchen folgten sie dem informativen Veranstaltungsprogramm und begutachteten das Modell genauestens. Neben Vorträgen zu besonderen Aspekten der Geschichte konnten sich die Bürger überdies bei einer Fotoausstellung mit einzelnen Bauten und ihrer Geschichte wie den Wegekapellen, dem ältesten Haus der Martinskirche, vertraut machen.

Hans Grimm, der das Modell gemeinsam mit Dieter Kremer und Hans Kämply finanzierte, bot seinen Zuhörern einen besonderen Ohrenschmaus: In Reimen erzählte der Rentner von einem Brauch, der in seiner Jugend sehr beliebt war – vom sogenannten Klappern: "Zwölf Uhr Gründonnerstag fing‘s an und dauerte bis Karsamstag dann. Die Glocken waren ausgefallen, ihre Seelen waren in Rom. So sprach der Volksmund allenthalben, das wussten wir als Kinder schon". Das Klappern war wohl vor allem für die Kinder eine Riesengaudi. Schließlich durften sie sechs Mal am Tag ordentlich Rabatz machen: "Ave Maria schallt es am Abend, durch den ganzen Ort. Ihr Schläfer wachet aus der Ruh, setzt es sich früh morgens fort."

Gestörte Nachtruhe

Zu ihrem Sprechgesang schlugen die Buben dann immer noch Hölzer aufeinander. Während ihr Treiben am Tage allerdings noch wohlwollend von den Hornauern aufgenommen wurde, war die Stimmung frühmorgens gereizter. Besonders dann natürlich, wenn die Buben allzu früh die Nachtruhe störten: Manche warfen die Jungs schon um fünf Uhr aus den Federn: "Wir sangen laut, klapperten kräftig, der Schrecken war für sie schon heftig. Andere guckten aus den Fenstern, verglichen uns mit Schreckgespenstern. Höhepunkte, das war der Spaß, empfindliche Leute der Vordergass‘. Das war halt lange Tradition, das wussten die Betroffenen schon. Zwei, drei Adressen waren im Fokus, mit denen machten wir den Jokus. Ein fromm‘ Vergnügen war das nicht, trotzdem waren wir drauf erpicht." So viel Schabernack blieb allerdings nicht immer ungesühnt: So mancher warf ihnen den Inhalt seines Nachttopfes entgegen.

Einblicke in das Leben der Hornauer um 1873 gab Stadtarchivar Dietrich Kleipa: Aus 82 Häusern bestand damals der Ort. Die Arbeit bestimmte den Tag. In den Gassen begegnete man Mensch und Vieh. Hornau war landwirtschaftlich geprägt und wie damals üblich wurden selbst Hunde als Zugvieh benutzt. Beim Bäcker – es gab zwei zu jener Zeit – zahlte man noch in Kreutzer.

Das Leben der Menschen spiegelte sich auch in deren Bekleidung. Welchen Stand und Beruf man hatte, war daran gut abzulesen. Christa Wittekind zeigte anhand von Stücken, die sie von ihrer Großmutter geerbt und teilweise hinzugekauft hat, wie sehr die Kleidung dem Lebensstil angepasst war: Für die Landfrauen sei etwa die Schürze das wichtigste Utensil gewesen, weiß die Hobby-Historikerin. In der Schürze ließen sich Holz oder Eier ins Haus tragen. Sie habe überdies zum Abwischen der Hände, zum Tränentrocknen und Kindernaseputzen gedient. Die Stoffe mussten robust sein, damit Frau alle Dinge machen konnte, die zu ihrem Tagewerk gehörten, wie Melken, Kochen oder Viehfütterung. Gegen die Kälte im Winter schützte sie sich mit diversen Unterröcken, Wollstrümpfen und "Stauchen" – Pulswärmer. Das Hornauer Straßenmodell soll übrigens keinen festen Standort erhalten, sondern immer dorthin wandern, wo es gerade gebraucht wird. So möchte der Verein, der von Dieter Trippe geleitet wird, das Modell auch an Kelkheimer Schulen für deren Geschichtsunterricht ausleihen.tay

(Melanie Taylor)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse