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Interview: Gewalt ist keine Lösung: Experte über unbequeme Gäste und die Rechtslage in der Gastronomie

Was sich kürzlich vor dem Eiscafé im MTZ abgespielt hat, ist nach wie vor nicht aufgeklärt. Fest steht, dass es zu einer Keilerei zwischen Angestellten und Gästen kam. Rechtsanwalt Julius Wagner erläutert im Gespräch mit David Schahinian, wie Deeskalation gelingen kann.
Da fühlen Zwei- und Vierbeiner sich wohl: Doch nicht in jedem Restaurant werden Gäste so vorbildlich bedient. Da fühlen Zwei- und Vierbeiner sich wohl: Doch nicht in jedem Restaurant werden Gäste so vorbildlich bedient.
Sulzbach. 

Herr Wagner, wann haben Sie sich das letzte Mal geärgert, als Sie als Gast in einem Café oder einem Restaurant waren?

JULIUS WAGNER: Das ist lange her, obwohl ich berufsbedingt sehr viel essen und trinken gehe. Es liegt aber auch daran, dass ich sehr viel Verständnis für die Gastronomen aufbringe. Ich habe eine etwas andere Sicht auf die Dinge, weil ich selbst lange im Service gearbeitet habe. Ich kenne also auch die Seiten, die der Gast nicht zu Gesicht bekommt. Eines geht aber überhaupt nicht: Wenn man das Gefühl hat, nicht willkommen zu sein.

Können Sie als DEHOGA-Geschäftsführer und Kenner der Branche überhaupt noch unvoreingenommen in eine Gaststätte gehen?

WAGNER: Nein, keine Chance. Ich empfinde das aber nicht als Nachteil.

Heutige Ansicht des Einkaufszentrums von der B  8 aus.
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Wie reagieren Sie, wenn Ihnen in einem Café oder Restaurant etwas missfällt?

WAGNER: Ich halte es so, wie ich es auch allen Freunden, Bekannten und anderen rate: Indem ich es direkt, aber auf vernünftige und höfliche Art anspreche. Das ist eine Frage der Wortwahl und des Respekts. Es gibt nichts Unfaireres, als nichts zu sagen und sich im Nachhinein zu beschweren oder eine schlechte Online-Bewertung abzugeben. Der Gastwirt sollte die Möglichkeit haben, einen Fehler zu verbessern. Unseren Mitgliedern versuchen wir zu vermitteln, dass sie jede Kritik als Chance wahrnehmen müssen.

Nicht jeder Gastronom sieht das so...

Rechtsanwalt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA Hessen e.V. Bild-Zoom
Rechtsanwalt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbands DEHOGA Hessen e.V.

WAGNER: Manche werden barsch, ja. Leider ist nicht jedem das Gastgeber-Gen gegeben. Darin kann man sich aber schulen lassen. In diesem Beruf braucht man zudem eine gewisse Leidensfähigkeit. Vollblut-Gastronomen haben sie, weil sie auch die Vorzüge der Branche zu schätzen wissen: Man begegnet den verschiedensten Menschen, das ist eine Schule des Lebens. Auch mit Problemfällen können sie professionell umgehen. Wer dagegen mit einem Gegenangriff antwortet, verhält sich amateurhaft.

Angenommen, ich betrete ein Café und setze mich, ohne etwas zu bestellen. Wie sieht die Rechtslage aus?

WAGNER: Der Gastwirt – oder die Servicekraft, die ihn vertritt – hat das Hausrecht. Er kann entscheiden, wen er bedient und wen nicht. Lediglich das Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz setzt hier Grenzen, niemand darf beispielsweise aufgrund seiner Hautfarbe oder seiner Religion abgewiesen werden. Dem Ganzen liegt das Bürgerliche Gesetzbuch zugrunde, es handelt sich um einen ganz normalen Fall von Vertragsfreiheit.

Welche Gründe könnte ein Gastwirt dafür haben, jemanden abzuweisen?

WAGNER: Läuft beispielsweise das Terrassen-Geschäft bombastisch, hat er natürlich ein Interesse daran, einen möglichst hohen Umsatz pro Sitzplatz zu generieren. Konsumiert ein Gast in einem vollen Lokal nichts, und daneben steht jemand, der auf einen freien Platz wartet, kann das natürlich ärgerlich sein.

Lesen Sie auf Seite 2: Recht auf Lokalverbot

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