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Gott Jokus erhört die Kelkheimer

Von Melanie Taylor Der Protokoller will für den Markt ein Karrussell und hofft, dass die Läden länger öffnen. Einmarsch der AKK-Gladiatoren in die Narhalla.	Fotos: Hans Nietner Bilder > Einmarsch der AKK-Gladiatoren in die Narhalla. Fotos: Hans Nietner

Kelkheim. 

"Wir bitten dich, erhöre uns", sprachen Clowns mit roten Nasen, Herren mit lustigen Hüten und Frauen mit verrückten Frisuren wie aus einem Mund. Gleich von allerhöchster Stelle erbaten sich die Narren vom Arbeitskreis Karneval der Kolpingfamilie (AKK) um Sitzungpräsident Wolf Schultheiß den Segen für ihr närrisches Treiben. Mit nahezu ernster Miene huldigten sie zu Beginn der ersten von vier Sitzungen am Sonntagnachmittag den "erhabenen Jokus", Gott aller Narren, dass er ihnen beim Feiern beistehen und sie vor üblen Fastnachtsverderbern beschützen möge. Ihre Worte wurden offenbar erhört. Nach der Lobpreisung ging alles seinen närrischen Gang: Ungestört schunkelten und lachten Jung und Alt und ließen sich von den Büttenrednern, Funkenmariechen, Garde- und Showtänzen sowie musikalischen Einlagen prächtig unterhalten.

Zahlreiche närrische Spitzen verteilte der Kelkheimer Beobachter Ralph Armagni: "Seh‘ ich, seh‘ ich, attraktiv? An unser‘m Marktplatz läuft was schief", sagte der Protokoller mit scharfer Zuge. "Ohne Karussell und Handel, fehlt dem Platz noch reichlich Wandel."

Anstoß nahm der pfiffige Büttenredner überdies an einer Sache, die wahrscheinlich schon viele Mitbürgern bei dem Versuch, Geld unter die Leute zu bringen, einige Nerven gekostet hat: "Seh‘ ich, seh‘ ich", leitete der Mann mit dem Feldstecher seine Schelte immer wieder ein, "wenn ich durch das Städtche‘ lauf‘ – manch‘ Geschäft hat selten auf. Vormittags, da hält mer Ruh‘ un nachmittags is meistens zu." Entdeckt hat der Fassenachter auch ein Problem im Straßenverkehr und reimte: "Im Mittelweg, am scharfe Eck. Steht mer, steht mer, ach du Schreck. Dann kommt auch noch de Omnibus, kriegt die Kurv‘ net, jetz‘ ist Schluss."

Für viele Lacher im Publikum sorgten die Strophen, die sich der Kelkheimer zum Münsterer Feuerwehrgerätehaus ausgedacht hatte: Mit den mystischen Worten "Thomas, Thomas schau durch die Wand: In Münster gibt‘s noch sehr viel Land", nahm der Beobachter Bürgermeister Horn auf die Schippe und beschrieb, wie der auf die Idee mit dem Gerätehaus an der Fife-Straße gekommen sei. Dem Vorhaben steht der Kelkheimer Beobachter allerdings recht wohlgesonnen gegenüber: "Dann käm‘ hier aus der Diskussion, e leidig Thema, seit Jahren schon." Doch zur Gaudi des Publikums folgte der mahnende Nachsatz: "Doch Vorsicht, Vorsicht mit der Kuchel. Die stammt von einem Münst‘rer Vuchel!"

Ihren Spaß an der Narretei im Pfarrheim von St. Franziskus hatten auch die Ehrengäste vom befreundeten saarländischen Karnevalverein "Dengmerter Narrenzunft". Eine kleine Delegation um den Vorsitzenden Michael Wegner war – trotz des eigenen Karnevalstress – gekommen. "Wir haben genug zu tun, aber wir pflegen Brauchtum und Freundschaft", sagte der Saarländer.

Ein Beweis, dass die Freundschaft der beiden Karnevalsvereine gerade in den vergangenen Jahren immer enger wurde, lässt sich mit einem Blick zum Himmel erbringen. Die Saarländer haben nämlich einen Stern nach dem AKK taufen lassen. Weshalb Wolf Schultheiß wohl nicht zum letzten Mal in dieser Kampagne "ein dreifaches übergalaktisches Helau" ausrief und das Motto lautete: "Lasst lachen, singe, schunkeln. Bis überm AKK die Sterne funkeln."

Mit Sonntag zufrieden

Die Fassnachsitzung am Sonntagnachmittag hat sich aus Sicht des AKK bewährt. "Ja, es lohnt sich", sagte Wolf Schultheiß. "Wir sind auf dem richtigen Weg, es ist aber ein längerer Weg." Vor drei Jahren hatte der AKK das erste Mal eine Sitzung am Sonntagnachmittag veranstaltet. Der Grund sei gewesen, so der Vorsitzende, dass der Seniorennachmittag der Stadt nicht mehr angeboten wurde. Vorgenommen hatten sich die katholischen Fassenachter von der Kolpingfamilie aber, dass sie mit ihrer Veranstaltung nicht nur Senioren, sondern auch Familien mit Kindern ansprechen wollten. Die Sitzung und die vielen jungen Gesichter im Publikum zeigten, dass ihnen dies geglückt ist. Ausverkauft war die Veranstaltung allerdings nicht, einige Plätze blieben leer. Doch, so Schultheiß, sei beim Kartenverkauf stets ein Wachstum zu verzeichnen.

Schultheiß und Kollegen freuen sich zudem, dass die Stimmung gut war und sich sowohl die Besucher im Saal als auch die Aktiven auf der Bühne prächtig amüsiert haben. "Die Stimmung war da", urteilte der Sitzungspräsident.

Weitere Kappensitzungen sind am Samstag, 10., und Freitag, 17. Februar, jeweils 19.31 Uhr, im Pfarrzentrum St. Franziskus. Eintritt: 12 Euro.

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