Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Gut für Likör und Salat

Die "Ferienspaß"-Aktion unserer Zeitung führte einige Leser in den Waldpark Arboretum. Regine Ebert öffnete ihnen die Augen für nützliche Pflanzen.
Regine Ebert (links) zeigt den Lesern unserer Zeitung die Wilde Pastinake, die auch gut im Salat verarbeitet werden könne.	Foto: Reuß Regine Ebert (links) zeigt den Lesern unserer Zeitung die Wilde Pastinake, die auch gut im Salat verarbeitet werden könne. Foto: Reuß
Schwalbach. 

Sie sind richtige Tiefstapler, gedeihen bescheiden am Wegesrand und verbergen hinter ihrem unscheinbaren Äußeren, was in ihnen steckt. Die Brennnessel ist ein Beispiel für solche Pflanzen. Mit den dunkelgrünen Blätter ist sie ein wahres Kraftpaket, das voller Vitamine und Heilstoffe steckt. Doch wer weiß das schon? Zehn Leser unserer Zeitung wissen es jetzt – und das haben sie dem "Ferienspaß" unserer Zeitung zu verdanken. Sie hatten nämlich bei der Aktion eine exklusive Führung mit der Frankfurter Kräuterexpertin Regine Ebert gewonnen.

Zart und würzig

Die Autorin und Phytotherapeutin, der vor allem die heimische Gewächse am Herzen liegen, hatte sich mit dem Arboretum einen "typischen" Ort für den Spaziergang ausgesucht. Denn in dem 76 Hektar großen Waldpark gedeihen nicht nur seltene Bäume, sondern unzählige Kräuter, die ein Laie kaum identifizieren kann.

"Ich verwende gern Kräuter in der Küche und habe auch einige im Blumenkasten, in der Natur kann ich sie aber nicht hundertprozentig bestimmen", erzählt Petra Kissel, die ihre Freundin Regina Schmidt begleitet. Die beiden Damen sind aus Langen angereist und freuen sich ebenso wie alle anderen, dass sich der heftige Gewitterregen auf die Sekunde pünktlich zum Start des Kräuterspaziergangs verzogen hat. Trotzdem schweben Dampfwölkchen durch die schwüle Luft – ein bisschen fühlt es sich an wie in einer Sauna. Macht aber nichts. Die Sonne, die nun vorsichtig am zuvor bleigrauen Himmel hervorlugt, bringt die Farben der Pflanzen umso besser zur Geltung.

Safrangelb leuchten die Blütenköpfe der Wilden Pastinake, die den Weg hinter dem Waldhaus säumen. Die markanten Pflanzen mit den tellerförmigen Blüten sehen nicht nur schön aus, sondern haben es in sich. "Die Blättchen der jungen Pflanzen sind sehr zart und machen sich gut im Salat. Der Samen ist sehr würzig und eignen sich perfekt zum Ansetzen von Likör", verrät Regine Ebert. Allerdings sollte man beim Sammeln nur die oberen Blätter nehmen – wegen der Hunde, die im Arboretum ihre Geschäfte auf den Boden machen. Dafür kann man die Kräuter, die auf den Wiesen und Feldern gedeihen, unbedenklich genießen, denn die werden nicht mit Chemie behandelt, da sie von einem Biobauern bewirtschaftet werden.

Hübsch, aber gefährlich

Apropos Sammeln: Den hübschen Strauch mit dunklen Beeren, den eine Teilnehmer entdeckt, sollte man meiden: "Das ist Hartriegel, die Beeren sind nicht essbar." Überhaupt: Wenn man sich nicht absolut sicher ist, sollte man die Finger von den Pflanzen lassen – das kann gefährlich werden. "Man braucht ein geschultes Auge", warnt die Kräuterfachfrau. Die weißen Blüten des gefleckten Schierlings ähneln fatal denen des Kerbelkrauts. Während letzteres eine aromatische Gartenpflanze ist, deren Blätter sich prima zum Würzen eignen, ist Schierling eine der giftigsten Pflanzen. Das Gift des harmlos aussehenden Gewächses ist tödlich.

Ähnlich wie Kerbelkraut und Schierling sieht übrigens auch die Wilde Möhre aus, die aber mit etwas Übung einfacher zu erkennen ist. Die Pflanze, die wie die beiden anderen zu den Doldenblütlern gehört, ist so was wie die "Mutter der Karotte". Deshalb duften die Blätter und Blüten, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, stark nach Möhre. Erkennbar ist sie auch an einem winzigen schwarzen Punkt inmitten der weißen Blüte. Zudem bildet sie bizarr aussehende Samen-Nester. "Die Wurzeln der Wilden Möhre sind essbar und enthalten mehr Vitamine und Mineralstoffe als die Speisemöhre. Das ist übrigens bei fast allen Wildformen der Fall", schildert Regine Ebert und deutet auf eine weitere "Vitaminbombe", die Brennnessel.

Ein Schönheitsmittel

Die fühlt sich im Arboretum äußerst wohl und säumt die Wege des Waldparks. Dass die Blätter des Strauchs ähnlich wie Spinat schmecken, ist bekannt. Getrocknet ergeben sie einen schmackhaften Tee, der gern zur Blutreinigung getrunken wird. Weniger bekannt ist, dass der Samen der wegen ihrer "brennenden" Blätter eher ungeliebten Pflanzen auch kulinarische Qualitäten hat. "Man kann die Samen ganz leicht ablösen und trocknen. Geröstet sind sie das i-Tüpfelchen eines leckeren Wildkräutersalats. Man kann die getrockneten Samen aber auch für eine Kur verwenden", lautet der Tipp der Kräuterexpertin. "Brennnessel-Samen ist ein richtiges Kraftfutter, das durchblutungsfördernd und ähnlich wie der Rote Wiesenklee Phyto-Östrogene enthält. Wegen seiner unzähligen Mineralstoffe ist der Samen außerdem ein echtes Schönheitselixier und stärkt Haut und Haare", schwärmt die Fachfrau, die zudem rät, das Wundermittel wohldosiert einzunehmen. Die unscheinbare Pflanze hat sich außerdem als Aphrodisiakum bewährt. "Schon Ovid schwor auf eine Mischung aus Brennnessel-Samen, kleingeschnittenen Zwiebeln, schwarzem Pfeffer und Eigelb". Ausprobieren lohnt in jeden Fall, "denn die Mischung ergibt eine leckere Panade", verrät Regine Ebert. sie

(Christine Sieberhagen)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse