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Fraport sieht Schuld bei Handwerkern: Gutachter stellt etliche Mängel bei Sicherung gegen Wirbelschleppen fest

Von Die Bürgerinitiative hat ein geklammertes Dach von einem Sachverständigen überprüfen lassen. Das Ergebnis ist verheerend. Handelt es sich um einen Einzelfall?
Wirbelschleppen haben Schäden verursacht. Dachklammern wie diese sollen Abhilfe schaffen. Foto: Hans Nietner (Hans Nietner) Wirbelschleppen haben Schäden verursacht. Dachklammern wie diese sollen Abhilfe schaffen.
Flörsheim. 

Es ist ein riesengroßes Desaster. Auf jeden Fall für den Handwerker, der die Klammerung an dem untersuchten Haus ausgeführt hat und der, glaubt man dem öffentlich bestellten Gutachter Günter Sattler, einen Fehler nach dem anderen gemacht hat. Aber auf jeden Fall auch für die Fraport – denn zwar wurde auf Veranlassung der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim lediglich ein Haus geprüft. Aber wer will vor diesem Hintergrund schon ausschließen, dass andere Dächer ähnlich mangelhaft gesichert wurden?

Bekanntlich werden rund um den Flughafen Dächer gesichert, um zu verhindern, dass Wirbelschleppen der Flugzeuge Ziegel herunterreißen. Mehrfach hat es solche Fälle bereits gegeben, teilweise fast mit Personenschaden. Für die Bürgerinitiative ist es nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert. Nachdem auch Ziegel von einem gesicherten Dach geflogen sind, hat die Bürgerinitiative ein Dach untersuchen lassen.

Mängelkatalog

Das Gutachten liest sie wie ein langer Katalog von Mängeln: Am Schuppen und am Vordach fehlt die Klammerung vollständig. Für das eigentliche Hausdach fehlen die erforderlichen Berechnungen, aber es sei zu erkennen, dass die Ziegel in einigen Bereichen mangelhaft gesichert sind. Die gesamte Schneefanganlage sei lose. Verwendet wurden falsche Schrauben und Holzbohlen minderer Qualität.

Das Dach sei so mangelhaft, dass es nicht betreten werden dürfe, warnt der Gutachter. Er spricht von einem erhöhten Absturzrisiko, Arbeiten auf dem Dach könnten nur von einem Gerüst aus durchgeführt werden. Das ist auch deshalb gravierend, weil eigentlich vorgesehen ist, dass die Dächer jährlich überprüft werden. Aber wer soll das erledigen, wenn die Dächer nicht ohne Gefahr für Leib und Leben betreten werden können? Und weiter geht es mit den Details: Beauftragt war, dass in jeder zweiten Reihe alle Ziegel geklammert werden, keine einzige solche Reihe hat der Gutachter aufgefunden. Die Firstziegel sind nicht, wie vorgeschrieben gesondert befestigt worden – vollständig ist diese Aufzählung nicht.

Die Bürgerinitiative weist dazu darauf hin, dass die Fraport dem Besitzer dieses Daches die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten bestätigt habe. „Wir müssen also von unzähligen weiteren unsachgemäß geklammerten Dächern ausgehen“, sagt BI-Sprecherin Carola Gottas. Man habe auch keinen Hausbesitzer ausfindig machen können, dem die geforderten Dokumentationen vorliegen.

Ihre Schlossfolgerungen sind weitreichend. Nicht nur sei das Vertrauen der Bürger in das Programm der Fraport erschüttert. „Es ist nicht möglich, uns durch Dachklammerungen gegen die ständige Bedrohung von Leib und Leben zu schützen“, so Gottas. Die BI fordert daher auch den Rückritt des Fraport -Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte. Und Betriebsbeschränkungen für die Nordwestlandebahn.

Die Fraport sieht die Schuld an all den Mängeln vor allem bei den Handwerkern. Alle Firmen seien verpflichtet, nach den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks zu arbeiten, erklärt Dieter Hulick von der Fraport-Pressestelle. Er weist auf Baubetreuer hin, die die Arbeiten begleiten, und auf Stichproben durch Sachverständige. Beides hat zumindest in diesem Fall offensichtlich nicht ausgereicht, und die Fraport will das so nicht hinnehmen. „Sollten wir feststellen, dass Unternehmen fehlerhaft gearbeitet haben, werden wir mit allen rechtlichen Mitteln dagegen vorgehen und selbstverständlich die Kosten für die notwendigen Nacharbeiten übernehmen.

Natürlich äußert sich die Fraport nicht zu der Rücktrittsforderung der Bürgerinitiative gegenüber dem Fraport-Chef. Sie weist darauf hin, dass das Dachsicherungsprogramm das umfangreichste Programm dieser Art weltweit sei. Im Gebiet des Programmes lägen 6000 Gebäude, für die eine Sicherung gegen Wirbelschleppe verlangt werden könne. „Das ist eine sehr große Veantwortung und Herausforderung, der wir uns stellen und die wir sehr ernst nehmen.“ Das durch den Gutachter untersuchte Dach werde man selbst überprüfen und Nachbesserungen schnell veranlassen, außerdem die Kosten übernehmen – so wie man dies grundsätzlich in solchen Fällen tue.

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