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Gutachter warnen vor Lärm

Bekanntlich ist der Schlaf für Menschen notwendig, um die Regeneration des Körpers zu gewährleisten.
Diese Botschaft verdeutlichten Ausbaugegner mit Bettlaken auf den Wiesen am Mainufer schon vor einigen Jahren. Foto: Hans Nietner Bilder > Diese Botschaft verdeutlichten Ausbaugegner mit Bettlaken auf den Wiesen am Mainufer schon vor einigen Jahren. Foto: Hans Nietner
Flörsheim/Frankfurt. 

Mit der Überschrift "Gesundheit der Bevölkerung" ist ein Kapitel in der aktuellen Mitteilung der Fluglärmkommission überschrieben, das die Argumente für ein Nachtflugverbot auf den Punkt bringt. Bereits eine Nachtschlafstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus dem Jahr 2004 belege eine signifikante Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen dem Dauerschallpegel durch Fluggeräusche und dem Anteil der Menschen, die sich mittel bis stark durch Fluglärm belästigt fühlen. Wichtig sei dabei die Erkenntnis, dass bereits Überflüge, die vergleichsweise geringe Lärmpegel auslösen, vom Körper registriert würden. Dieser reagiere entsprechend darauf, auch wenn kein erinnerbares Aufwachen erfolgt.

Stress beim Schlafen

Eine der wichtigsten Auswirkungen, die Lärm in der Nacht entfalte, seien Schlafstörungen und damit verbundene Stressbelastungen und Erkrankungen. Aktuelle Studien im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) Berlin bewiesen erneut, dass durch nächtliche Lärmbelastungen und die damit verbundenen Störungen des Schlafes weitreichende gesundheitliche Folgeschäden auftreten. Danach erhöht sich das Risiko, Herz- und Kreislauf- oder psychische Krankheiten zu bekommen, wenn man in der Nacht Fluglärm ausgesetzt ist (siehe Infografiken).

Im Lärmgutachten für den Flughafen Berlin Brandenburg (2012) empfehle das Umweltbundesamt daher ausdrücklich, in der Zeit von 22 bis 6 Uhr ein Nachtflugverbot festzulegen, da es am wirkungsvollsten eine Beeinträchtigung des für die menschliche Regeneration so wichtigen Nachtschlafs durch Fluglärm vermeide.

Das Umweltbundesamt empfehle ein solches Nachtflugverbot dabei für alle stadtnahen Flughäfen, und damit auch für den Flughafen Frankfurt, betont die Frankfurter Fluglärmkommission unter dem Vorsitz des Raunheimer Bürgermeisters Thomas Jühe. Die Einführung eines Nachtflugverbotes in der "Mediationsnacht" allein könne die Sicherung der Nachtruhe in der Region demnach nicht ausreichend gewährleisten, lautet die Schlussfolgerung sowohl von der Fluglärmkommission wie auch vom Umweltbundesamt.

Schallschutz-Lüge

Thomas Jühe ärgert sich darüber, dass seitens der Luftverkehrswirtschaft ständig behauptet oder der Eindruck erweckt wird, dass es im Hinblick auf gesunden Nachtschlaf gar nicht darauf ankomme, dass außerhalb der Häuser Ruhe herrsche. Maßgeblich sei lediglich, dass im Schlafraum durch eine Ausstattung mit passiven Schallschutzeinrichtungen eine hinreichende Dämmung der Außengeräusche gewährleistet werden könne. An dieser Einschätzung hätten bereits in der Vergangenheit erhebliche Zweifel bestanden, meinte Jühe. Mittlerweile lägen geeignete Gutachten vor, die die Wirkung der aktuellen Technik des passiven Schallschutzes in Frage stellten und zugleich aufzeigten, dass das Ziel des Gesundheitsschutzes weitreichend verfehlt wird. Zwei durch die Stadt Raunheim beauftragte Untersuchungen zur Wirkung und Nutzung von passiven Schallschutzmaßnahmen aus dem Jahr 2011 zeigten deutlich auf, "dass die Belästigungswirkung nächtlichen Fluglärms in Form erinnerbarer oder nicht erinnerbarer Aufwach-Reaktionen auch in schallgeschützten Schlafräumen fortbestehen".

Fenster auf

Das Gutachten, das sich mit raumklimatischen Fragestellungen befasst hat, kommt schlussendlich zu der Einschätzung, dass unter den gegenwärtigen technischen Voraussetzungen der passive Schallschutz keine ausreichende Schlafbehaglichkeit gewährleistet sei. Das zweite Gutachten befasste sich mit der Anwendungspraxis eingebauter Schallschutzeinrichtungen. Dabei wurde festgestellt, dass rund die Hälfte der befragten Haushalte die passiven Schallschutzeinrichtungen überhaupt nicht in vorgesehener Weise nutzt. Der Grund dafür sei offenkundig in dem Ergebnis des ersten Gutachtens zu finden, erklärte Thomas Jühe. Wo Schlafbehaglichkeit durch passiven Schallschutz beeinträchtigt ist, werde der Einsatz dieser Schutzeinrichtungen häufig oder systematisch vermieden. Die Folge sei, dass die Menschen trotz Fluglärm bei geöffnetem Fenster schlafen würden. Damit setzten sie sich "nicht erinnerbaren oder sogar erinnerbaren Aufwachreaktionen" aus. Es sei leicht nachvollziehbar, "dass damit die Zielsetzung des Gesundheitsschutzes in eklatanter Weise verfehlt wird", moniert der Kommissions-Vorsitzende. Hinzu komme die erheblich eingeschränkte Außenbereichsnutzung vor allem in den Sommermonaten, die einen zusätzlichen Belastungsfaktor für die Bevölkerung rund um den Airport darstelle. meh

(meh)
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