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Hier werden alte Zeiten wieder lebendig

Von Das kleine aber feine Ausstellung in der Weingartenschule kann ein Jubiläum feiern. Die Party steigt aber erst im Herbst.
Pulte, Bänke, Türen - die Originale stammen aus heimischen Schulen.	nie Pulte, Bänke, Türen - die Originale stammen aus heimischen Schulen. nie
Kriftel. 

Die Zeit ist vorbei, in denen im Kreis Schulhäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert stillgelegt wurden und dabei noch manches Stück anfiel, das für die Müllverbrennungsanlage zu schade war. Wolfgang Janecke, Leiter des Schulmuseums an der Weingartenschule, könnte auch gar nichts mehr unterbringen. „Wir sind komplett“, sagt Janecke. Nur Schulbücher aus der Vorkriegszeit nimmt er noch an.

Zu tun hat er im Museum trotzdem mehr als genug. Ein bis zwei Schulklassen pro Woche schauen sich an, wie ihre Großeltern den Schulalltag erlebt haben. „Unser historisches Klassenzimmer ist die Attraktion“, so Janecke. Zur Führung gehört immer auch eine Unterrichtsstunde in der alten Form, vom Aufstehen beim Eintreten des Paukers bis zur Kontrolle der Fingernägel. Der eine oder andere Schüler würde gerne auch den Rohrstock im Einsatz sehen - aber so weit geht Wolfgang Janecke dann doch nicht.

Janecke, keine Frage, ist Mister Schulmuseum. Auf seine Initiative hin wurde 1983 der Förderverein Schulmuseum gegründet, er war maßgeblich am Aufbau des Museums beteiligt und leitet es ehrenamtlich bis heute. Ebenfalls bis heute handelt es sich um das einzige Schulmuseum in Hessen, das direkt an eine Schule angegliedert ist. „Ohne Janecke gebe es das Schulmuseum nicht“, sagt Kriftels Alt-Bürgermeister Paul Dünte, Vorstandsmitglied im Förderverein. Janecke, ehemaliger Lehrer auch an der Weingartenschule, inzwischen aber längst im Ruhestand, hat fest vor, sein Engagement dort fortzusetzen.

Die Anfänge

Angefangen hat alles, als in den siebziger Jahren viele neue Schulen gebaut wurden und die alten Schulhäuser verschwanden. Die Frage stellte sich, was aus all den bewahrenswerten Dingen werden sollte, die damals übrig blieben. Janecke wandte sich an den Kreis, und der beschloss Ende der achtziger Jahre, in der Krifteler Weingartenschule eine schulgeschichtliche Sammlung einzurichten. Die Schule befand sich gerade im Bau, und der damalige Bürgermeister Werner Börs stiftete ein Fotolabor. Da entschied der Kreis, aus einem überdachten Pausenbereich feste Räume für Labor und Schule zu machen.

Gemeinsam mit dem damaligen Kreisheimatpfleger Dietrich Kleipa sammelte Janecke alles ein, was für den Schulalltag anno dazumal typisch war. Tintenfässer und Kreide, Rohrstock und Botanisiertrommel, Schuluniformen und Ranzen, das Meiste ist längst Vergangenheit. Aus der alten Wallauer Schule stammen Tafel und Rechenschieber, aus Bad Soden ein Ofen und eine Uhr, aus Niederjosbach der komplette Dielen-Fußboden.

Mit einer ganzen Reihe von Dokumenten wird die Schulgeschichte anschaulich nachgezeichnet, einschließlich einiger Besonderheiten aus der Region. Zu den Schätzen gehört die Kopie eines Eintrags des Schriftstellers Leo Tolstoi ins Besucherbuch der Sodener Schule, aufgearbeitet wurde auch die Hofheimer Schulhausrevolte. 1831 rissen die Hofheimer ein halbfertiges Schulhaus wieder ab, das ihnen von der Nassauischen Landesregierung aufgezwungen worden war.

Sommerpause

Vor den Sommerferien werden aber nur einzelne Schulklassen die Gelegenheit haben, all dies zu besichtigen, Öffnungszeiten für andere Besucher wird es erst im neuen Schuljahr wieder geben. Im Herbst, voraussichtlich im Oktober, wird das 25-jährige Bestehen des kleinen aber feinen Museums gefeiert. Gedacht ist an einen Tag der offenen Tür an der Weingartenschule, auch unter Einbeziehung von Geschichtsverein, Lindenschule, und anderen. Das genaue Programm steht noch nicht fest, eine Sonderausstellung, ein Bücherflohmarkt und Musik könnten dazu gehören. Auch verschiedene Veröffentlichungen sind vorgesehen, die Gemeinde hat ihre Unterstützung zugesagt.

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