Hofemer Mädche ziert sich noch

"Wir warten" sagen die Genossen mit Blick auf Bürgermeisterin Gisela Stang. Tritt sie noch einmal an oder geht sie doch lieber nach Wiesbaden?
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Hofheim. 

Warten auf Gisela ist nicht warten auf Godot. Es gibt sie wirklich und sie kommt auch wirklich irgendwann zu ihren Genossen und wird verkünden, ob sie wieder als Bürgermeisterin kandidiert oder doch lieber in die Landespolitik nach Wiesbaden wechselt, vorzugsweise als Ministerin in einer Regierung mit SPD-Beteiligung. Noch aber lässt Gisela Stang die SPD zappeln, und die CDU gleich mit.

"Ich habe noch eine Menge zu erledigen", begründet Hofheims Bürgermeisterin, warum sie sich noch so bedeckt hält. "Wenn ich mich jetzt nicht zu einer Kandidatur äußere, ist ab sofort Wahlkampf. Dann fallen alle Sachthemen unter diesen Aspekt und die Arbeit wird erheblich schwieriger." Die noch anstehenden Aufgeben sehe sie schon, wenn sie aus dem Fenster ihres Büros sehe. In der Tat ist beispielsweise die Gestaltung des Kellerei-/Chinonareals noch nicht vollendet.

Sachaufgaben

Zum einen fehlt noch die neue Stadtbücherei. Die ist zwischen den beiden Parteien, die sich am Ende um das Bürgermeisteramt streiten werden, unumstritten. Offiziell zumindest, wobei in der CDU der eine oder andere auch mal leise die Hoffnung ausspricht, dass der Landrat das Millionenobjekt angesichts des defizitären Hofheimer Haushalts stoppt. Ohne Wahlkampf ist das Objekt jedenfalls leichter auf die Schiene zu setzen. Zum zweiten gibt es dann noch die alte Bücherei, die versilbert werden muss, wenn die neue Bibliothek gebaut werden soll. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da man einem Investor nicht einfach freie Hand lassen kann. Da schlummert viel Konflikt- und Wahlkampfpotenzial.

Ein mindestens ebenso wichtiger Grund für Stangs Schweigen sind aber auch Termine, die sie unter Druck setzen. Die Bürgermeisterwahl ist gut ein Jahr vor der Landtagswahl. Tritt Stang nicht noch einmal an, endet ihre Amtszeit im September kommenden Jahres, der Landtag wird aber erst im Frühjahr 2014 gewählt. Das halbe Jahr könnte sie locker überbrücken. "Sie ist ja nicht auf einen Job in der Politik angewiesen, sie kann ja noch eine ganze Menge mehr", sagt eine von Stangs Mitstreiterinnen in der Partei, die aber auch erklärt: "Wir warten. Aber es hängt von ihr ab, wann sie was sagt." Ein Ministeramt gibt es aber nur, wenn die SPD auch an die Regierung kommt. Gisela Stang würde am liebsten Kulturministerin (nicht Kultusministerin, darauf legt sie Wert). Das heißt aber, die SPD müsste die Wahlen gewinnen, und Thorsten Schäfer-Gümbel löst Volker Bouffier als Ministerpräsident ab. Ein Sitz im Hessischen Landtag, der stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden würde da bestimmt ein sicherer Listenplatz zugestanden, würde Stang dagegen weniger reizen, wissen ihre Genossen. Sie weisen auch darauf hin, dass schon Nancy Faeser an prominenter Stelle abgesichert ist. Keine einfach Aufgabe, da den Parteienproporz zu wahren.

Gute Chancen

Dass sie Hofheim als Aufgabe reizt, daraus macht sie keinen Hehl. Sie betont immer wieder: "Ich bin ein Hofheimer Mädchen." Eine Wiederwahl wäre dem "Hofemer Mädche" ziemlich gewiss, nicht nur, weil amtierende Bürgermeister dank ihres Amtsbonusses in der Regel in ihrer Position bestätigt werden, Stang hat auch eine große Anhängerschar in Hofheim und kann hier ganz andere Wahlergebnisse erzielen, wie ihre SPD. Zudem dürfte sie, wenn sie gewählt wird, kaum vorzeitig hinwerfen. "Bürgermeister haben Zeitverträge und ich habe meine Veträge immer gehalten", sagt sie

Platzhalter

Da kommt nun auch die CDU ins Spiel. Wolfgang Exner, als Erster Stadtrat durchaus bekannt und nicht unpopulär, dürfte wohl nur antreten, wenn Stang nicht kandidiert. Da würde er wohl gegen jeden neu aufgestellten Kandidaten gewinnen und könnte den Platz frei halten für einen Nachfolger, den CDU-Vorsitzenden Christian Vogt beispielsweise, der in den sechs Jahren aufgebaut werden kann. Ob Exner sich ein Rennen gegen Stang antut, in dem er wohl eher der Außenseiter ist, darf aber bezweifelt werden. Als Erster Stadtrat sitzt er nahe genug an den Schalthebeln in der Stadt. Da die CDU den noch ziemlich unbekannten Vogt aber kaum in diesem Rennen frühzeitig verheizen wird, müsste dann ein "Ersatzkandidat" gefunden werden.

Wenig Auswahl

Ganz einfach ist die Wahl aber auch für die SPD nicht, wenn sich Stang für Wiesbaden entscheiden sollte. Mit dem Generationswechsel ist die CDU schon ein gutes Stück weiter. Dort scharren inzwischen die 30-Jährigen mit den Hufen, um die heute 50-Jährigen abzulösen. In der SPD fehlt aber genau diese Gruppe. Hinter den alten Kämpen wie Fraktionschef Werner Wittchen sitzen Jungspunde wie Christian Matz, die noch viel zu jung und unerfahren für den Wahlkampf und schon ganz und gar für das Bürgermeisteramt sind. Bewerber aus dem eigenen Stall hat die SPD Hofheim kaum zu bieten, einer der wenigen mit Erfolgsaussichten dürfte Wulf Baltruschat sein. Der Polizeihauptkommissar sitzt im Magistrat und ist in der Parlamentsarbeit erfahren. Er ist Chef des Schützenvereins, des Vereinsrings und ist in der Stadt – auch wegen seines gelegentlich etwas losen aber ehrlichen Mundwerks – bekannt wie ein bunter Hund. Aber sonst? "Wir haben im Kreis ja einige gute Leute", heißt es dann bei einigen Genossen trotzig. Wenn schon, die wären einfach nur SPDler von woanders. Und die SPD hatte in Hofheim schon immer einen schweren Stand.

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25.02.2012, 03:14
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