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"Hofheim saugt Wallau aus"

Von Etwa 400 Wallauer haben am Samstag gegen eine Basislösung für die neue Ländcheshalle demonstriert. "Unser Hauptziel ist es, die Hallenkapazität zu erhalten", verkündeten die Organisatoren der Interessengemeinschaft Wallauer für Wallau. Am liebsten würden sie die Kapazität sogar mit dem Neubau der Ländcheshalle noch erweitern.
Mit Plakaten, Getröte und Getrommel machten die Wallauer am Samstag auf ihr Anliegen aufmerksam.	Foto: elle Bilder > Mit Plakaten, Getröte und Getrommel machten die Wallauer am Samstag auf ihr Anliegen aufmerksam. Foto: elle
Hofheim. 

Die Demonstranten fanden auf ihren Transparenten klare Worte: "Wallau reicht‘s", "Ländescheshalle – jahrelang auf Eis gelegt, jetzt von Frau Stang auf‘s Glatteis geschoben", "In der Stadtmitte wird geklotzt, in Wallau wird gekleckert", "Turnen fällt für immer aus, Danke Frau Stang". Die Argumente sind nicht neu, sollen aber nun eine breitere Öffentlichkeit erreichen: Wenn der Turnverein Wallau sich nicht finanziell am Neubau – dem Ersatz für Sport- und Kulturhalle – beteiligt, wird es lediglich eine Basislösung geben, die nur 50 Prozent der bisherigen Hallen- und Raumkapazität bietet. Das würde zu einer drastischen Reduzierung der sportlichen und kulturellen Möglichkeiten und Angebote führen.

Kultur und Sport

"Ohne Raum kein Wanaloha-Theater", steht auf einem Transparent. "Wallauer Vielfältigkeit fördern", "Kulturangebot erhalten" auf anderen. "Mit einer Basislösung könnten von den 1200 Mitglieder des TV Wallau nur noch 600 und von seinen 600 Kindern nur noch 300 Sport treiben", stellte Mario Kleber von der IG die Konsequenz der Basislösung in Aussicht. In welcher Höhe sich der TV Wallau beteiligen müsste, wurde bislang seitens der Stadt noch nicht formuliert. Geplant ist, gemeinsam mit den Wallauern ein Raumkonzept zu entwickeln und dann die Kosten zu berechnen. Die Intereressengemeinschaft spricht aber jetzt schon von mindestens 2 Millionen Euro Eigenleistung – die der TV nicht aufbringen könne und die ja auch nur dazu diene, den Status Quo zu erhalten, also faktisch keine Erweiterung des jetzigen Hallen-Angebots seien, sondern nur eine Erweiterung der Basislösung.

Ungerecht

Vor allem aber fühlen sich die Wallauer ungerecht behandelt. "Jetzt ist Wallau dran. Kein Stadtteilfinanzausgleich ewig auf unsere Kosten. Wallau gehört ein großer Schluck aus der Pulle" und "Hofheimer Vampir saugt Wallau aus" steht auf Plakaten. Wallauhabe in den vergangen zehn Jahren mit mehr als 70 Millionen Euro 48 Prozent des Gesamtgewerbesteueraufkommens erbracht, im Gegenzug werde aber in Wallau am wenigsten angelegt. "In Wallau sind in den vergangenen zehn Jahren nur 700 000 Euro investiert worden, während in den sechs anderen Stadtteilen im gleichen Zeitraum insgesamt 26 Millionen Euro investiert wurden", rechnete IG-Sprecher Steffen Weber vor. In Wallau seien also 160 Euro pro Kopf angelegt worden und im Rest-Hofheim 750 Euro pro Kopf – wohingegen Wallau an Gewerbesteuer aber 18 000 Euro pro Kopf erbringe und Rest-Hofheim pro Kopf nur 2400 Euro. "Im Bezahlen sind wir auf Platz eins und bei den Investitionen auf dem letzten Platz", schimpfte Weber.

Jetzt wolle die Stadt ja auch kein Geld ausgeben. Die geschätzten Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro für die Basislösung bekomme sie durch den Grundstücksverkauf des alten Hallenstandorts, der 3 Millionen Euro bringe, und einen 500 000 Euro hohen Zuschuss vom Main-Taunus-Kreis wieder rein. "Es ist nicht einzusehen, warum der TV zur Kasse gebeten werden soll. Steuergelder sind für Maßnahmen zum Allgemeinwohl zu verwenden", so die IG-Sprecher.

400 Demonstranten begleiteten die Worte mit Pfiffen, Trompetengetröte, Getrommel, Gerassel, Buh- und Pfui-Rufen. Auf Postkarten an den Hofheimer Magistrat formulierten sie ihre Wünsche für den Ländcheshallen-Neubau und warfen die Karten in den Rathaus-Briefkasten ein. Am Infostand wurden Unterschriften gesammelt. Selbst Kinder, die noch nicht schreiben können, konnten Farbe bekennen: indem sie einen Handabdruck auf einem Transparent hinterließen, das gemeinsam mit den Unterschriftenlisten dem Magistrat überreicht werden soll. Am Rande der Szenerie spielten Jungs Tischtennis. Das Wanaloha-Theater, die Waller Wespe, die SG Wallau, die Turner und Donnerstagssportgruppe stellten sich vor. Unter einem Zeltdach gab es heiße Getränke und Kuchen, am Infostand Aufkleber und Hintergrundmaterial – alles in allem eine perfekt organisierte Demo mit kostenlosem Bustransfer.

Weitere Aktionen

"Das war wahrscheinlich die erste Demonstration von Wallauern", sagten die Organisatoren und erklärten, dass es nicht die letzte gewesen sein wird. Die Interessengemeinschaft "Wallauer für Wallau – die ausdrücklich betont, keine Splittergruppe irgendeines Vereins oder einer politischen Gruppierung zu sein – ist gut organisiert, mit einer professionellen Homepage (www.wallauer-fuer-wallau.de), auf der es Bastelanleitungen für Wallau-Fähnchen ebenso gibt wie ein Forum, in dem Wallauer Themen diskutiert werden können. "Wir sind stolz, dass wir alle Wallauer hinter das gemeinsame Anliegen bekommen", sagte Mario Kleber. Ganz Wallau müsse für das Ziel kämpfen, dass es mit dem Hallenneubau mehr als eine Basislösung gebe und am besten auch mehr als nur die Erhaltung des Status Quo, sondern auch eine tatsächliche Erweiterung – und zwar nicht alleine vom TVW finanziert.

Vertreter der Stadt wurden während des Demonstration nicht gesichtet, dafür aber eine Menge Journalisten, Fotografen und Kamerateams von Fernsehsendern.

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