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Kräuterführung mit Bioenergetikerin Helga Frinta: Hofheimer Smoothie aus Giersch und Nessel

Aromatische Küchengewürze und Heilmittel muss man nicht im Delikatessengeschäft kaufen. Expertin Helga Frinta verriet bei einer Kräuterwanderung, weshalb Brennnesseln völlig unterschätzt sind, was man Leckeres aus Holunder zaubern kann und warum man mit den Pflanzen sprechen sollte.
Helga Frinta (Mitte) erklärt den Teilnehmern der Führung, wie man Wiesenbärenklau erkennt. Der sehr rauhaarige Stängel und die groben Blätter müssen erst mit einem Nudelholz weichgeklopft werden, finden dann aber direkt als Auflagen bei Gelenkbeschwerden Verwendung. Helga Frinta (Mitte) erklärt den Teilnehmern der Führung, wie man Wiesenbärenklau erkennt. Der sehr rauhaarige Stängel und die groben Blätter müssen erst mit einem Nudelholz weichgeklopft werden, finden dann aber direkt als Auflagen bei Gelenkbeschwerden Verwendung.
Lorsbach. 

„Anfassen, riechen, schmecken – und ausprobieren, wie es wirkt“, gibt Helga Frinta als Losung aus, bevor sie die Truppe durch die Wiesen oberhalb von Lorsbach leitet. Fast 30 Interessierte waren der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins zur Kräuterwanderung gefolgt, um vor Ort mehr über die Verwendung in der Küche und Heilwirkung so mancher heimischen Pflanze zu erfahren. Die gebürtige Österreicherin Frinta arbeitet als Bioenergetikerin und hat sich als Mykotherapeutin ausbilden lassen: „Während des Krieges hat mein Vater Pilze gesammelt und meine Mutter Kräuter, und von dort kommt mein Wissen in beiden Bereichen“, so die 76-Jährige, die sich auf Heilungen spezialisiert hat: „Mein Rezept lautet daher oft ,Stehauf, nimm Dein Bett und geh’.“

Viel Vitamin C

So ist es ihr auch ein Anliegen, auf die Beziehungen zwischen Heilkräutern und der Natur hinzuweisen. Beim Startpunkt am Spesbach wächst beispielsweise die Bach- oder Brunnenkresse, die sehr sauberes Wasser braucht. Im Geschmack kräftiger als normale Kresse und sehr Vitamin-C-reich, eignet sie sich für Salate, Eierspeisen, Pesto oder Brotaufstriche und wirkt verdauungsfördernd, harntreibend, sowie entzündungshemmend. Ein wahres Super-Heilkraut verbirgt sich hinter der oft so ungeliebten Brennnessel – deren junge Blätter so gar nicht brennen und die beispielsweise wie Spinat zubereitet werden kann. Linderung von Arthrose, Prostatabeschwerden und Blasenprobleme ist möglich, außerdem lässt sich die Jauche als umweltfreundlicher Dünger verwenden.

Patricia Signus probiert Breitwegerich,  der bei Blasen hilft. Bild-Zoom
Patricia Signus probiert Breitwegerich, der bei Blasen hilft.

In voller Blüte steht aktuell der Holunder, doch bevor alle losstürmen, um sich ein paar Dolden zu pflücken – ausgebacken im Bierteig oder verarbeitet als Sirup ein Traum –, liegt Frinta noch eines am Herzen, was sie den Teilnehmern mit auf den Weg gibt: sich nach Art der Schamanen bei der Pflanze zu bedanken, „denn alles hat ein Bewusstsein!“ Da ist dann gleich auch eine Entschuldigung fällig, als ein Teilnehmer einen Ast des Holunderstrauches abbricht. Die Kräuterexpertin empfiehlt, die Blüten zusammen mit Apfelwein oder – wer es süßer mag – mit Orangensaft aufzukochen und zu Gelee zu verarbeiten. Direkt daneben wächst fünfblättriger wilder Wein, der sich für Salate eignet und wie Spinat zubereitet werden kann. Wegen seines relativ hohen Oxalsäuregehalts sollte man ihn allerdings nicht in großen Mengen oder über einen längeren Zeitraum verzehren, um Nierenschädigungen zu vermeiden.

An staubigen Straßen

Viele dieser heimischen Kräuter und Heilpflanzen findet man direkt am Wegesrand, oft an staubigen Straßen, und auch das ergibt einen tieferen Sinn, wie Frinta erklärt: „Gerade Pflanzen, die sich wieder aufrichten, wenn sie getreten oder überfahren wurden, haben meistens eine starke Heilwirkung.“ Und speziell den Breitwegerich liebt sie: „Ich hatte mir mal böse Blasen an den Füßen gelaufen und dann ein paar Blätter Breitwegerich in die Schuhe gestopft. Zuhause angekommen waren die Blasen geheilt.“ Gegen Insektenstiche und Würmer, aber ebenso gut zum Gurgeln, da stark antibakteriell wirkend, ist die Knoblauchsrauke oder Lauchhederich. Die Blätter sind perfekt für Kräuterbutter oder –quark, mit den Wurzeln lässt sich würzen, und die Blüten und Samen geben ihr Aroma an Eintopfgerichte ab. Komplett verwerten lässt sich auch die Buntnessel, die sich bei Bronchitis, Magen-/Darmbeschwerden, Fieber und Juckreiz einsetzen lässt. Und aus den Samen kann man im Winter frische Keimlinge ziehen.

Brennnessel wirkt lindernd bei Blasenproblemen. Bild-Zoom
Brennnessel wirkt lindernd bei Blasenproblemen.

In vielen Gärten als unbeliebt ist der weiß blühende Giersch. „Doch gerade die Dinge, die einem auf die Nerven gehen, sind die besten“, weiß Frinta. Die Blätter schmecken wie eine Mischung aus Petersilie und Möhre, die Blüten geben Suppen Aroma, und die Früchte eignen sich als Gewürz. Beim Löwenzahn beispielsweise verändern sich übers Jahr hinweg die Inhaltsstoffe der Pflanzen, und damit variiert auch die Heilwirkung. Er eignet sich bei Leberbeschwerden, Gicht und wirkt blutreinigend. Der Milchsaft hilft, ähnlich wie beim Schöllkraut, gegen Warzen. Auch als Salat ist Löwenzahn ein Genuss. Tipp der Expertin: Um die Bitterstoffe zu entfernen, die Blätter etwa eine Stunde in Salzwasser einlegen. Nicht verwechseln mit dem giftigen Riesen- oder Großen Bärenklau ist der Wiesenbärenklau. Der sehr rauhaarige Stängel und die groben Blätter müssen erst mit einem Nudelholz weichgeklopft werden, finden dann aber direkt als Auflagen bei Gelenkbeschwerden Verwendung. Junge Blätter lassen sich als Pfannengemüse verwerten, und die Wurzel, die ab September ausgegraben werden kann, wirkt wie Ginseng zur Verjüngung und auch als Aphrodisiakum. Zum Schluss, unter einem Walnussbaum, gibt es noch ein leckeres Rezept für einen Nusslikör. Dafür erntet man die grünen Nüsse, also noch mit Schale, in einem frühen Stadium: „Sie müssen so weich sein, dass man sie mit einer Stricknadel komplett durchstechen kann.“ Vermischt mit 96-prozentigem Weingeist, Pfefferkörnern, Lindenblüten, frischer Minze, Nelken, Kalmus, geläutertem Zucker und Wasser muss alles drei Monate in der Sonne stehen und kann dann genossen werden. Auch die Nussstücke kommen noch zu Ehren: in Kuvertüre getaucht und als Praliné verzehrt.

Holunderblüten im Bierteig frittiert sind eine Delikatesse. Bild-Zoom
Holunderblüten im Bierteig frittiert sind eine Delikatesse.

Stephanie Fiedler aus Hofheim ist jedenfalls zufrieden, denn als Ernährungswissenschaftlerin wollte sie mehr über die Pflanzen, die hier wachsen, erfahren: „Was ich als Wichtigstes für mich heute mitnehmen werde, ist die Verwendung von Breitwegerich bei Verletzungen und Insektenstichen, weil ich das bei zwei kleinen Kindern gut kenne. Ich habe aber keinen gesammelt, sondern nur fotografiert, um ihn wiederzuerkennen, denn der wächst ja überall.“ Selber einen riesengroßen Garten hat Patricia Signus, die in Berndroth als Heilerin tätig ist: „Für mich war neu, dass man relativ viel essen kann. Ich hätte immer gedacht, das meiste ist zu bitter oder gar giftig. Jetzt würde ich einzelne Pflanzen eher erkennen. “

Dejenigen, die morgens nicht mehr ohne grünen Smoothie in den Tag starten können, empfiehlt Frinta eine ganz simple Kombination: „Ich würde Brennnessel, Giersch und Löwenzahl nehmen, das ist dann eine perfekte Frühjahrskur.“

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