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Stadtmuseum: Hommage an eine große Künstlerin

Von Wer Bilder von Franz Marc oder anderen Expressionisten schätzt, ist vom kommenden Sonntag an im Stadtmuseum richtig. Dort wird es bunt bei einer Ausstellung einer Malerin, die die Hofheimer Kunstszene geprägt hat.
Diese historische Aufnahme von Ida Kerkovius in ihrem Atelier hat Marta Hoepffner 19o60 gemacht. Diese historische Aufnahme von Ida Kerkovius in ihrem Atelier hat Marta Hoepffner 19o60 gemacht.
Hofheim. 

Wenn ein Gemälde einen Teich im Garten des Blauen Hauses zeigt, dann weiß jeder, der sich in Hofheim ein wenig für Kunst interessiert, dass es sich um einen Künstler aus dem Umkreis der Künstlerin und Sammlerin Hanna Bekker vom Rath handeln muss. Und tatsächlich: Ida Kerkovius besuchte Hofheim erstmalig im Jahre 1921 und dann regelmäßig bis 1968. Vom kommenden Sonntag, 15. Oktober, an zeigt das Hofheimer Stadtmuseum 80 Ölbilder, Pastelle und Zeichnungen.

„Im Herzen der Farbe“ heißt die Schau, die vom städtischen Museum Engen – das liegt in der Nähe des Bodensees – übernommen wurde, und sie trägt diese Namen schon zu Recht. Es fällt auf, wie immer wieder Orange- und gelegentlich auch Gelbtöne aufleuchten und die Blicke auf sich ziehen. Blaue und grüne Flächen als Kontrast unterstreichen dies. Bei anderen Bildern dagegen scheint den Farben durch Grau- oder Braunbeimischungen diese Leuchtkraft geradezu genommen worden zu sein.

Wie von Kinderhand

Auch sonst ist das Werk der 1879 in Riga geborenen Kerkovius eher uneinheitlich. Die meisten Bilder sind gegenständlich, aber gelegentlich wird ein hoher Abstraktionsgrad erreicht. Immer wieder einmal erinnern die Gemälde an Bilder von Kinderhand, andere aber gar nicht. Beides ist nicht an bestimmte Zeiträume gebunden, es gibt jeweils Beispiele aus verschiedenen Jahrzehnten. Das ärgert die Kunsthistoriker, die gerne Schaffensperioden oder Entwicklungen identifizieren.

Das ist dem Künstler natürlich egal – man lässt sich nicht gerne in irgendwelche Schubladen stecken. „Ich bekenne mich zu keiner Kunstrichtung, sondern bin immer bestrebt, den Gefühlen, die in mir leben, Gestalt, Qualität und Ausdruck zu geben“, hat Ida Kerkovius selbst gesagt. Sie habe auch keiner Künstlergruppe angehört, sagt Eva Scheid, die Leiterin des Hofheimer Stadtmuseums. Wechselseitige Einflüsse der Künstler aus dem Umfeld des Blauen Hauses schließt das nach Scheids Worten nicht aus.

Wie kam die Verbindung nach Hofheim zustande? Dahinter steckt die Malerin Ottilie Roederstein, die als Begründerin der Hofheimer Kunstszene gelten kann. Die unterrichtete nicht nur ihre Schülerin Hanna Bekker vom Rath, sondern sie empfahl dieser auch, Mal- und Zeichenunterricht bei Ida Kerkovius in Stuttgart zu nehmen. Dorthin war Kerkovius 1908 gezogen, um dort bei Adolf Hölzel an der Kunstakademie zu studieren. Ihrerseits unterrichtete sie Hanna Bekker in den Kriegsjahren 1915 bis 1918, und daraus entstand eine Freundschaft, die die beiden Frauen ein Leben lang verbinden sollte.

Gästebuch

Gezeigt wird im Hofheimer Stadtmuseum auch das Gästebuch des Blauen Hauses mit den ersten Besuchseinträgen der Kerkovius. Hanna Bekker unterstützte ihre Freundin nach Kräften. 1948 organisierte sie in ihrem gerade gegründeten Frankfurter Kunstkabinett die erste Einzelausstellung mit Werken der Kerkovius. Nicht zuletzt weil ihr Ehemann Paul Bekker Intendant des Hessischen Staatstheaters in Kassel war, dürfte Kerkovius von dort schon in den 1930er Jahren einen Auftrag bekommen haben. Nachdem ihre Stuttgarter Wohnung ausgebombt wurde und dabei viele Werke, aber auch alle persönlichen Besitztümer verloren gingen, brauchte sie die Unterstützung nach dem Krieg um so mehr.

Hanna Bekker besaß auch, ungewöhnlich genug für eine Frau in den Nachkriegsjahren, ein Auto. Damit unternahmen die beiden Frauen einige Reisen, unter anderem ins Baltikum, nach Frankreich und Italien. Die Reisebilder nehmen einen breiten Raum in der Hofheimer Ausstellung ein, die übrigens bis zum 11. Februar geht. Sicherlich wird den Besuchern auffallen, dass einige Rahmen gelegentlich unpassend wirken. Der Grund ist, dass eine Reihe von Bildern Leihgaben aus privaten Sammlungen sind, und da dürfen die Rahmen nicht verändert werden.

Eine Sonderstellung unter den in Hofheim gezeigten Werken nimmt der Entwurf eines Teppichs ein. Das ist kein Zufall – als Kerkovius ab 1920 das Bauhaus in Weimar besuchte, musste sie als Frau in eine Webklasse. Dieses Handwerk war ihr zunächst wohl etwas fremd, aber später kaufte sie sich einen Webstuhl und half sich damit über wirtschaftlich schwierige Zeiten hinweg. Das Hofheimer Stadtmuseum hat bereits vor 19 Jahren eine Ausstellung mit Teppichen von Ida Kerkovius gemacht. Die Künstlerin starb, sehr geachtet und mit vielen Auszeichnungen versehen, im Jahre 1970 in Stuttgart.

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