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Schicksal: Ihre Wohnung ist ausgebrannt, aber sie wollen in Liederbach bleiben

Von Kleidung oder Spielsachen kann man ersetzen. Doch Ersatz für ausgebrannte Wohnräume zu finden, ist nicht leicht. Andreea und George Dascaliuc aus Liederbach können davon ein Lied singen.
Andreea und George Dascaliuc mit ihren Kindern David und Alexandra vor der zerstörten Wohnung in der Heidesiedlung. Bilder > Foto: Knapp Andreea und George Dascaliuc mit ihren Kindern David und Alexandra vor der zerstörten Wohnung in der Heidesiedlung.

Davids Lachen ist schon wieder da. Ganz fröhlich steht er Modell für das Zeitungsfoto. Ein bisschen Trauer und Frust kommt dann aber doch wieder hoch bei dem Fünfjährigen. Denn beim Brand in der Nacht zum Montag hat die Familie ihre Wohnung verloren – und der Steppke seine ganzen Spielsachen. Was er sich nun wünsche? „Eine Polizeistation“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Seine drei Jahren ältere Schwester Alexandra hat da etwas ganz anderes im Blick: „Eigentlich nur ein Haus“, sagt sie und meint eine Wohnung für sich, ihren Bruder sowie die Eltern Andreea und George Dascaliuc.

Es ist ein trister Nachmittag in der Heidesiedlung, als das Kreisblatt die Familie vor ihrer Wohnung trifft. Die Kinder dürfen nicht in die vier Wände, in die das Feuer in der Nacht zum Montag gegen 3.30 Uhr vom Balkon aus übergegriffen hat. Kein Wunder: Dort riecht es noch immer verbrannt, gar nicht gut für die Kinder. Einiges Hab und Gut haben die Dascaliucs in Kisten gepackt, die im Flur herumstehen. Vieles ist auch nicht mehr zu retten. Im Wohnzimmer hat sich ein Rußschicht auf alle Möbel, Lampen und Gegenstände gelegt. Draußen, unterhalb des Balkons sieht es ebenfalls aus wie auf einem Schlachtfeld: Halb verbrannte Stühle, ein Sessel und ein Hometrainer-Fahrrad stehen herum. Reste des Rollladens, nicht mehr nutzbare Klappstühle und ein zerzaustes Kuscheltier liegen am Boden.

Auch das Familienoberhaupt ist nicht nur mit dem Schrecken davon gekommen. An der linken Hand trägt der 45-Jährige einen Verband, die Verletzung hat er sich bei den Lösch-Versuchen in der Nacht zugezogen. Auf der anderen Seite sei niemandem etwas Schlimmeres passiert, sagt er erleichtert. „Wir müssen positiv denken, es geht immer weiter.“ Seine Frau atmet ebenfalls auf: „Wir sind glücklich, wir leben noch. Das Feuer an der Terrasse hätte auch bei uns ins Schlafzimmer kommen können.“ Sie habe erst gedacht, es handele sich um ein Erdbeben, erinnert sich Andreea Dascaliuc noch an den Moment, als sie den Brand in der Nacht bemerkte.

Nun muss das Leben für die vierköpfige Familie weitergehen. Sie wollen in Liederbach bleiben, weil die Kinder hier in Schule und Kita gehen. Zunächst haben sie bei Freunden und Nachbarn übernachtet, für kurze Zeit werden sie eine Bleibe in einer Pension im Ort bekommen, danach bis Mitte Mai in einer Herberge in Bad Soden. Doch wie es dann weitergeht, ist ungewiss. „Wir müssen positiv denken. Wichtig ist für uns, eine Wohnung auf Dauer zu finden“, sagt Andreea Dascaliuc.

Kleidung für den Übergang

Aber auch hier gibt es Bewegung, die Gemeinde will die Familie unterstützen. Über Reinhold Hofmann vom Deutschen Roten Kreuz haben sie Kleidung für den ersten Moment bekommen, mit Bürgermeisterin Eva Söllner hatten sie bereits Kontakt. Die Rathauschefin ruft die Liederbacher auf, für die in Not geratene Familie zusammenzustehen. „Wir würden hier sehr gerne helfen“, appellierte sie in der Gemeindevertretung mit einem „Aufruf an alle“. Es sei schwierig gewesen, in Messe-Zeiten in der Region eine vorübergehende Unterkunft zu finden, sagt die Bürgermeisterin. Nun geht es an die Suche einer festen Wohnung. Wer helfen kann und möchte, sollte sich an die Gemeindeverwaltung unter der Rufnummer (0 69) 3 00 98-50 wenden. Auch Spenden für die Eltern und Kinder jeder Art sind natürlich willkommen.

Brandursache noch unklar

Neuigkeiten zur Brandursache gibt es laut Polizeisprecher Johannes Neumann übrigens nicht. Die Ermittler hätten sich den Ort angeschaut, aber „keine konkreten Hinweise“ gefunden – weder auf Fahrlässigkeit oder Brandstiftung noch auf einen technischen Defekt. Es werde weiter ermittelt.

George Dascaliuc hat in seinem Leben schon einiges mitgemacht. Um seinen Kindern hier in Deutschland ein besseres Leben zu ermöglichen, kam er vor acht Jahren aus seiner Heimat Rumänien zunächst alleine hierher – erst nach Höchst, dann in die Unterkunft in Alt-Oberliederbach. Frau und Tochter kamen später nach, erzählt der gelernte Koch, der in Kronberg arbeitet, seine Geschichte. Er tut das in ruhigem Ton, die Aufregung der vergangenen Tage hat sich etwas gelegt. Und er wünscht sich für seine Familie nun nichts sehnlicher, wieder ein Zuhause in der Gemeinde zu finden.

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