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Kindermuseum: In diesem Museum darf man alles anfassen

Die Klasse 4 a der Adolf-Reichwein-Schule in Zeilsheim hat mit ihrer Lehrerin Jana Hartmann für die Leser des Höchster Kreisblatts im Kindermuseum in Frankfurt recherchiert. Und sie haben sich natürlich selbst einmal angeschaut, was es dort auszuprobieren gibt.
Frankfurt/Zeilsheim. 

Wussten Sie, dass das erste Buch der Welt, das gedruckt wurde, die Bibel war? Im 15. Jahrhundert erfand der Mainzer Johannes Gutenberg die Druckerpresse mit beweglichen Lettern. „Damit konnte er in zwei Jahren etwa 180 Bibeln drucken“, erklärte Simone Brehmer (26) im Kindermuseum. Bis zur Erfindung Gutenbergs konnte es gut und gerne bis zu drei Jahren dauern, bis ein Buch fertiggestellt war. Das heißt, Gutenbergs Erfindung brachte plötzlich ganz neue Möglichkeiten. „Durch die Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern konnten dann auch Flugblätter und Zeitungen gedruckt werden“, ergänzt Brehmer. Mit dem Verfahren der beweglichen Lettern wurde noch bis in die Siebziger, Achtziger gedruckt, auch das Höchster Kreisblatt.

In der Druckwerkstatt des Kindermuseums ist eine etwa 150 Jahre alte Kniehebelpresse aus Metall ausgestellt. An dieser Presse kann das weiterentwickelte Druck-Verfahren ausprobiert werden. Das Originalstück wiegt über 1,5 Tonnen und ist das Highlight der aktuellen Ausstellung im Kindermuseum.

Muskelkraft

Doch das Druckverfahren ist gar nicht so einfach: Zunächst müssen die kleinen Lettern aus Blei spiegelverkehrt von links nach rechts eingesetzt werden. „Also muss man beim Drucken alles falsch herum setzen“, stellt Can Da Silva Chaparro (9) fest. Diese Aufgabe wurde von den Fachkräften des Museums zum Glück bereits übernommen. Denn das Einfügen der einzelnen Buchstaben beziehungsweise Lettern für zwei Buchseiten dauert über einen halben Tag. Das Drucken selber ist dagegen schon fast ein „Kinderspiel“. Dafür färbt man alle Buchstaben mit einer Gummiwalze mit Farbe ein. Anschließend legt man ein Blatt Papier vorsichtig auf die eingefärbte Druckform. Dabei muss besonders sorgfältig gearbeitet werden. Damit der Druck nicht verschmiert aussieht, darf das Papier auf der Form nun nicht mehr verrutschen. Der Karren, auf dem die Druckform liegt, wird nun unter die Metallpresse gekurbelt. Mit dem Hebel wird der schwere Tiegel auf das Papier gedrückt. Dafür benötigt man viel Muskelkraft. Abschließend wird der Karren wieder heraus gekurbelt, und man erhält zwei bedruckte Blätter. Die Schrift kann nun von links nach rechts wie in einem Buch gelesen werden.

Selbermachen

Neben der Druck-Werkstatt bietet die derzeitige Ausstellung im Kindermuseum weitere Möglichkeiten zum Ausprobieren und „Selbermachen“: Im Bereich der Zeichensysteme können geheime Botschaften entziffert oder Codes wie Morsezeichen erforscht werden. Dort ist auch die Enigma von 1940 ausgestellt. Mit dieser Maschine wurden im Zweiten Weltkrieg geheime Nachrichten verschickt. In der Schreibstube können Besucher ihr Geschick, in kalligrafischer Schrift zu schreiben, üben. An PC-Schreibspielen werden Buchstaben zum typografischen Gestalten verwendet. So kann zum Beispiel aus den Buchstaben v, o und i eine bunte Eistüte gestaltet werden.

Doch wie entsteht so eine Ausstellung im Kindermuseum? Dafür müssen die Experten zunächst eine Idee entwickeln. Das Thema der geplanten Ausstellung sollte möglichst viele Besucher interessieren und ansprechen – besonders Kinder. Steht das Thema, wird die Ausstellung geplant: Zur Gestaltung der Werkstätten müssen passende Materialien ausgewählt werden. Stehen dafür keine Originale zur Verfügung, werden sie von den Mitarbeitern des Museums selber gebaut.

Jubiläum

Eine wichtige Rolle spielt auch die Entwicklung praktischer Aufgaben für die Museumsbesucher. Denn das ist das Besondere an einem Kindermuseum, wie Brehmer erläutert: „Ein normales Museum ist für Kinder ja oft langweilig. Da kann man nicht viel machen. Die Exponate im Kindermuseum sind zwar oft denen in anderen Museen ganz ähnlich. Aber im Kindermuseum sind sie speziell für Kinder gedacht. Hier kann man Sachen anfassen und ausprobieren.“

Das Kindermuseum Frankfurt in der Zwischenebene der Hauptwache war das erste seiner Art. Es besteht seit 20 Jahren. Nach dem Jubiläum steht demnächst ein Umzug zurück ins Historische Museum in Frankfurt an.

Elijah Sauer, Emilia Spieske, Lea Hraoui-Kirkpatrick, Milan Vukmirovic, Rulin Ciftci, Anas Bouda, Can Da Silvia Chaparro, Johanna Schwab, Jesse Kabangu, Lara Launhardt, Lina El Harrab, Manal Allaui, Salma Ez-Zahid, Yassin Allaui und
Yosuira Aaqui Kaddour

 

Simone Brehmer

Simone Brehmer arbeitet seit April 2015 im Kindermuseum. Am Kindermuseum fasziniert sie nach eigenen Aussagen, dass es generell für Kinder gedacht ist.

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Auch in Sindlingen und Unterliederbach

Ins Kindermuseum kann man durchaus mehrfach gehen. Dort gibt es nämlich nicht nur eine Dauerausstellung, sondern immer wieder neue, wechselnde Ausstellungen zu sehen, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen.

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