Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

In luftiger Höhe

Kettensägen-Training in 22 Meter Höhe: Das Training im Eichwald könnte Vorbild für ganz Hessen werden.
Bad Soden. 

Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn Sven Griese den Arbeitskorb des Hubrettungsfahrzeugs in luftige Höhe befördert. Mit zwei Joysticks und einem Fußpedal fährt der Feuerwehrmann aus Bad Soden den Korb an der Drehleiter aus, manövriert ihn geschickt und möglichst ohne Ruckeln an Ästen und Zweigen vorbei. Er lässt den Korb immer höher aufsteigen und stoppt erst, als die Baumkronen im Eichwald in greifbarer Nähe sind. "22 Meter" teilt der Drehleitermaschinist am Boden per Funk mit. Jetzt beginnt der Einsatz der Motorkettensägen. Mit gekonnten Schnitten befreien Sven Griese und sein Kollege die Bäume von totem Holz.

Wackelig ist es im Korb, und so ist die Arbeit mit der Kettensäge für die Feuerwehrleute ein schwieriges und gefährliches Unterfangen. "Man muss natürlich mit der Höhe umgehen können – und mit der Enge im Korb", erklärt derweil Jörg Gottschalk, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Altenhain. Oben im Arbeitskorb stehen die Kameraden dicht beieinander, hantieren mit der laufenden Säge, dürfen sich nicht behindern, sich nicht gefährden und sollen sich gleichzeitig gegenseitig zur Hand gehen. "Da muss man sich schon gut abstimmen, damit nichts passiert", so Gottschalk.

Die Arbeit in den Baumkronen im Eichwald ist für die Feuerwehrleute allerdings kein üblicher Einsatz, sondern eine notwendige und neue Trainingsmaßnahme. In einem Pilotprojekt erarbeiten die Bad Sodener derzeit eine modulare Ausbildung für den Einsatz mit der Motorkettensäge. In drei Lehrgängen sollen die Kameraden lernen, mit dem gefährlichen Arbeitsgerät selbst unter schwierigsten Bedingungen umzugehen. "In den ersten beiden Modulen trainieren wir das Sägen an liegendem und stehendem Holz", erklärt Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer. Im dritten Schritt schließlich geht es für die Feuerwehrleute mit dem Hubrettungsfahrzeug in die Höhe. "Hier oben sind noch einmal ganz andere Gefährdungen zu berücksichtigen", so Kromer. Der Wind muss beachtet und die Schnitte so gesetzt werden, dass Äste nicht auf darunter liegende Fahrzeuge oder gar Passanten fallen. "Außerdem kann das Holz beim Sägen unter Spannung geraten und in den Korb zurück schnalzen." Natürlich haben die Feuerwehren auch schon vor dem Pilotprojekt die Handhabung mit der Kettensäge trainiert. Neu ist jedoch das strukturierte Stufenkonzept, dass künftig für alle hessischen Feuerwehren gelten könnte – wenn sich das Projekt bewährt.

Nach den ersten erfolgreich absolvierten Lehrgängen und der Übung am Samstag im Eichwald zieht der Stadtbrandinspektor ein positives Fazit: "Unsere Leute machen sich wirklich gut", lobt Kromer. Neben der Praxis müssen die Männer aber auch das theoretische Fachwissen und die Unfallverhütungsvorschriften beherrschen. Doch erst im Praxistest erweist sich manch gut gemeinte Vorschriften als untauglich. Um die Arbeit der Feuerwehr vor Ort einschätzen zu können, hatte am Samstag Thomas Mehler, als Vertreter der Unfallkasse, selbst den Aufstieg im Korb mit Schutzkleidung ausprobiert und bereits nach wenigen Sekunden die vorgeschriebenen, viel zu steifen Handschuhe zur Seite gelegt und festgestellt: "Diese Handschuhe machen das Arbeiten höchstens unsicherer." Für Stadtbrandinspektor Kromer und die Bad Sodener Feuerwehrleute bleibt zu hoffen, dass solche Ergebnisse aus dem Praxistest künftig in den Vorschriften berücksichtigt werden und schließlich das einmalige Projekt aus Bad Soden landesweite Akzeptanz findet.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse