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Infraserv Höchst: Infraserv wächst noch verhalten

Von „Fehlende Planungssicherheit“ bemängelt Infraserv Höchst bei den politischen Voraussetzungen für die Zukunft. Trotzdem steht die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst mit einem soliden Ergebnis da.
Stefan Pfitzner (von rechts), Mitarbeiter der Infraserv Höchst Prozesstechnik, erläutert den Infraserv-Geschäftsführern Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing  im Beisein von Frank Unger an einem Pumpenaggregat, wie mit Hilfe der Lasertechnik die korrekte Ausrichtung erfolgt. Foto: Maik Reuß (Maik Reuß) Stefan Pfitzner (von rechts), Mitarbeiter der Infraserv Höchst Prozesstechnik, erläutert den Infraserv-Geschäftsführern Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing im Beisein von Frank Unger an einem Pumpenaggregat, wie mit Hilfe der Lasertechnik die korrekte Ausrichtung erfolgt.
Höchst. 

Zukunftsfähigkeit bedeutet für Infraserv Höchst Wettbewerbsfähigkeit. Eine der wichtigsten Voraussetzungen, um auf dem internationalen Markt als Standortbetreiber von Industrieparks bestehen zu können, ist der Kostenfaktor. „Wir stehen vor großen Investitionen in die Infrastruktur“, sagt Vorstandsvorsitzender Jürgen Vormann, „auch vor dem Hintergrund der Energiewende sind wir ein Stück weit getrieben.“

Das Problem ist nur: Der Gesetzgeber hat bei den Voraussetzungen noch keine konkrete Linie vorgeben. Bis 2022 sollen in Deutschland die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, und Infraserv will als Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst und anderer Standorte wie etwa Griesheim mehr eigene Energie produzieren.

Projekte liegen auf Eis

Eine der Gasturbinenanlagen, die Infraserv schon seit Jahrzehnten betreibt, soll modernisiert werden; zwei weitere Anlagen sollen die Energieversorgung am Standort effizienter und umweltfreundlicher machen: Bis zu 950 000 Jahrestonnen an CO2-Emissionen könnten damit eingespart werden, wenn Infraserv künftig auf die Kohle als Energieträger komplett verzichtet. Dafür soll es öffentliche Zuschüsse geben. Doch derzeit liegen die Projekte auf Eis: „Wir erfüllen mit unseren Anträgen alle geltenden gesetzlichen Bedingungen, doch wir warten noch immer auf die Förderbescheide“, sagt Vormann.

Bis 2022, wenn die AKWs vom Netz gehen, sollen die Gasturbinen mit ihren Kraft-Wärme-Kopplungen (KWKs) bereits laufen. Die mangelnde Planungssicherheit sei im Energiesektor ein Investitionshindernis, sagt Vormann, der auch Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks des Verbands der Chemischen Industrie ist und dadurch auch die Probleme anderer Standorte kennt. Nun wird händeringend auf die politische Willensbildung gewartet: „Wir müssen sehen, wie unsere Pläne dann noch funktionieren“, sagt auch der zweite Infraserv-Chef Dr. Joachim Kreysing. Eigentümer der Infraserv seien internationale Konzerne, die für Planungsunsicherheiten kein Verständnis hätten – sie investieren dann eben woanders.

Energiemanagement und Energiehandel trugen bei der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG mit 530 Millionen Euro im Jahr 2017 zu fast zwei Drittel zum Gesamtumsatz bei, wobei sich die Umsatzerlöse im vergangenen Jahr auf 866,1 Millionen Euro summiert haben. Die Infraserv-Höchst-Gruppe habe allerdings den Energiehandel „mehr oder weniger opportunistisch betrieben“, sagt Vormann. „Er ist nicht Kernbereich unserer Wachstumsstrategie.“ Konsolidiert beträgt der Umsatz der Gruppe für das Geschäftsjahr 2017 rund 975 Millionen Euro und liegt damit etwa 3,1 Prozent über dem Vorjahr. Wo es noch 2016 ein starkes Projektgeschäft mit der Neuanbindung eines Kunden an Energieversorgung gab, ist 2017 auch ohne Sondergeschäfte im Energiehandel ein Zuwachs von 15,9 Prozent von 72,5 auf 84,1 Millionen Euro zu verzeichnen. Vormann spricht insgesamt von einem „soliden Gewinn“, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Die „Site Services“, also die Dienstleistungen, mit denen Infraserv bundesweit aktiv ist, stiegen von 151,8 Millionen Euro in 2016 um 5,7 Prozent auf 160,5 Millionen Euro in 2017 – dazu gehören Dienstleistungen bei Merck in Darmstadt ebenso wie im bayerischen Penzberg. Zuwächse gibt es bei allen Tochtergesellschaften: in der Provadis-Gruppe, beim Dienstleister Infraserv Logistics und bei Thermal Conversion Compound, der Betreibergesellschaft der Ersatzbrennstoffanlage. Bei letzterer liegt es allerdings daran, dass die Anlage nach Jahren der technischen Verbesserung endlich rund läuft und nach und nach ihre Mengen steigern kann. Ein Sektor, in dem Infraserv über die eigenen Aktivitäten nachdenken muss, ist hingegen die Personalvermittlung.

Positives Zeichen

Ein positives Zeichen sei die Einigung mit der Stadt über die Seveso-III-Richtlinien gewesen, also über die Definition der Abstände zwischen chemischen Anlagen und einer neuen Bebauung: „Das war für alle drei Chemiestandorte in Frankfurt essenziell“, sagt Vormann. „Das hat uns über Jahre schwer im Magen gelegen.“ Die Vereinbarung sei eine gute Grundlage, um einerseits Entwicklungsmöglichkeiten für die Industriestandorte zu erhalten und gleichzeitig eine vertretbare städtebauliche Entwicklung in der Nachbarschaft zu ermöglichen. Mit der Vermietung und Vergabe von freien Flächen kann Infraserv an den Standorten ihre Gewinne machen. Griesheim ist ordentlich in den Miesen: Dort gibt es nur noch wenige industrielle Nutzer, es gibt keine Zuzüge, „das Geschäft ist verhalten“, sagt Vormann.

Eine wichtige Ansiedlung für Höchst sei dagegen auf einem guten Weg: Der finnische Papierkonzern UPM, der im vorigen Jahr angekündigt hatte, den Bau einer großen Bioraffinerie im Industriepark zu prüfen, entscheidet sich voraussichtlich Anfang kommenden Jahres. Die Finnen sind der drittgrößte Holz- und Papierkonzern der Welt mit 10 Milliarden Umsatz in 2015. Ihre Bioraffinerie soll im Südwesten des Industrieparks auf einer Fläche entstehen, die Infraserv gehört, aber derzeit nicht innerhalb des Werkszauns liegt. In dieser Bioraffinerie sollen aus Holz Biokraftstoffe, Bioverbundstoffe und Biochemikalien gewonnen werden. UPM habe im Industriepark Höchst schon ein Büro eingerichtet und sei dort mit Mitarbeitern präsent. Kreysing: „Wenn die Anlage gebaut wird, dann hier in Höchst.“

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