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Kajos Wochenschau: Zahlen

Von Es sollte wohl eine alle Kritiker erschlagende Zahl sein, die der Hofheimer Magistrat am Mittwochabend den Stadtverordneten vorgelegt hat: 2.032.137 Besucher habe das Chinon-Center im Jahre 2011 angezogen.
Karl-Josef Schmidt Karl-Josef Schmidt
Hofheim. 

Zwei Millionen Gäste im Jahr, etwa 6500 täglich, marschierten durchs Einkaufszentrum – na, wenn das kein Erfolgsmodell ist!? Gestern Mittag war das Center übrigens auch ziemlich gut besucht, denn eine ganze Menge Schüler vertrieb sich dort in der warmen Halle die Wartezeit auf Bus, Bahn oder Mamas Taxi. In den Geschäften hingegen war nur mäßiger Betrieb. Besucher sind eben nicht gleich Kunden. Was wirklich zählt, sind die Umsätze, die in den Läden gemacht werden. Erst wenn‘s dort brummt, was augenscheinlich bisher noch nicht der Fall ist, kann man von einer guten Investition sprechen. Die Stadt, und das ist Fakt, ist mit Millionenbeträgen in Vorlage getreten; sie muss das defizitäre Parkhaus betreiben, weil es niemand anders haben wollte, und bejubelt nun eine Durchlauf-Quote von zwei Millionen Leuten als grandiosen Erfolg. Dass insbesondere die SPD allergisch reagiert, wenn die Grünen es wagen, nach der Wirtschaftlichkeit des Centers zu fragen, ist durchaus verständlich. Ist es doch gerade die sozialdemokratische Bürgermeisterin Gisela Stang, die sich so gern für den Bau des Einkaufstempels feiern lässt. Im aufziehenden Bürgermeister-Wahlkampf können derlei böse Nachfragen natürlich sehr ätzend sein, vor allem, wenn die Stadt – rein ökonomisch betrachtet – bisher nur draufgelegt hat. Was aber auch nicht verschwiegen werden darf: Die Anbindung des Einkaufzentrums an die Altstadt und die Umgestaltung des Kellereiplatzes darf man als wirklich gelungen bezeichnen. Eines möchte ich die Zahlenakrobaten im Hofheimer Rathaus aber noch wissen lassen: Ein noch größerer Magnet als das Chinon-Center ist nach meinen Berechnungen die Rheingaustraße: Die wird jährlich von mindestens 15 Millionen Menschen frequentiert. Bei null Investitionen.

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Bleiben wir noch ein wenig bei nicht vorhandenem Geld. Fünf Kämmerer präsentierten in den vergangenen Tagen ihre Etats für 2013. Alle mühten sich redlich, blieben am Ende der Sparerei aber doch nur im roten Bereich: Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) rechnet im nächsten Jahr mit einem Minus von 3,2 Millionen Euro in der Stadtkasse, Kriftels Bürgermeister Christian Seitz (CDU) ist mit 2 Millionen dabei, Sulzbachs Rathauschefin Renate Wolf (SPD) mit 1,5 Millionen, Landrat Michael Cyriax (CDU) mit einem 1 Million Euro großen Loch, das er aber mit Hilfe der Rücklage, also dem Sparstrumpf, stopfen kann. Und Liederbachs Rathauschefin Eva Söllner (CDU) geht von einem Defizit in Höhe von 550 000 Euro aus. Insgesamt sind alle Kommunen im Kreis auf Konsolidierungskurs, wobei Eschborns Sonderrolle am Donnerstag wieder einmal eindrucksvoll bestätigt wurde. Kämmerer Wilhelm Speckhardt (CDU) nimmt in diesem Jahr 20 Millionen Euro mehr an Gewerbesteuern ein als geplant. 135 Millionen Euro werden es am Ende sein. Wie ärgerlich für den Bürgermeister aber, wenn seine Bürger ihn damit nicht machen lassen, was er möchte. Den geplanten Rathausneubau hatten sie im April per Bürgerbegehren gekippt.

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Nicht sparen wollten die Kreistagsabgeordneten des Main-Taunus-Kreises an einer Idee, die Landrat Michael Cyriax geboren hatte, die er aber höchstselbst aus Kostengründen und wegen organisatorischer Schwierigkeiten zu den Akten gelegt hatte. 2014 soll es nun doch zum ersten Mal ein autofreies Schwarzbachtal geben – zwischen Okriftel und Idstein. Das ist zweifellos eine reizvolle Sache, aber die geschätzten Kosten in Höhe von 50 000 Euro sind nun auch kein Pappenstiel. Und dass die verarmten Hattersheimer sich finanziell nicht beteiligen wollen, darf ihnen niemand krumm nehmen. Das Projekt ist jedenfalls trotz des einstimmigen Votums des Kreistags noch lange nicht in trockenen Tüchern.

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Geht nicht gibt‘s nicht. Das galt nicht nur für eine Baumarktkette, sondern das gilt auch für Hattersheim. Dort hat ein SPD-Stadtverordneter, der freiberuflich als Journalist arbeitet, im "Hattersheimer Stadtanzeiger" über eine SPD-Veranstaltung berichtet. Das war sicher im Sinne der Partei, nicht aber im Sinne des Deutschen Presserats gewesen, der wegen der unerträglichen Verquickung von Interessen eine Missbilligung aussprach. Diese hat rein rechtlich keine, rein moralisch aber sehr wohl eine Bedeutung. Und der staunende Beobachter gewinnt wieder ein bisschen mehr den Eindruck, dass der SPD-Sumpf in Hattersheim nicht bloß ein paar Zentimeter tief ist.

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Das rot-grüne Bündnis in Flörsheim steht. Das neunseitige Koalitionspapier wurde am Montag unterzeichnet. Es enthält keine revolutionären Neuerungen, dafür einen klitzekleinen Fehler. "Ihm (dem Koalitionsausschuss, die Red.) gehören die Parteivorsitzenden, die Fraktionsvorsitzenden sowie der Bürgermeister und der Erste Stadtrat an." Flörsheims Erster Stadtrat ist Markus Ochs (CDU), der erst im nächsten Jahr von Galf-Mann Sven Heß abgelöst werden soll. Ein Fauxpas, der mich schmunzeln ließ.

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Es ist Hochheimer Markt. Auf dem riesigen Rummelplatz werden Hunderttausende erwartet. Ich empfehle einen Besuch am Sonntag – dann ist das Wetter besser.

Ein schönes Wochenende!

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