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Kameraden auf vier Beinen

Von Aus einer verrückten Idee wurde eine vielversprechende Sache. Drei Mal in der Woche wird trainiert – meist auf dem alten Flugplatz in Eschborn.
Erwischt! Der Deutsch-Drahthaar Basko hat Nadine Arnoldt (rechts) entdeckt. Hundeführerin Stephanie Merfert und Truppmann Patrick Ritter haben mit dem neuen Kameraden auf dem ehemaligen Flugplatz in Eschborn geübt.	Foto: Nietner Erwischt! Der Deutsch-Drahthaar Basko hat Nadine Arnoldt (rechts) entdeckt. Hundeführerin Stephanie Merfert und Truppmann Patrick Ritter haben mit dem neuen Kameraden auf dem ehemaligen Flugplatz in Eschborn geübt. Foto: Nietner
Bad Soden/Eschborn. 

"Rettungshunde 112" steht auf dem rot lackierten Anhänger, der neben der Feuerwache Hunsrückstraße parkt, darauf 16 vergitterte, mit Kissen ausgelegte Boxen. Als erste Feuerwehr kreisweit nennen die Bad Sodener seit kurzem eine Rettungshundeeinheit ihr Eigen. Jetzt wurde sie feierlich in Dienst gestellt. "Ein bis zu 1000 Quadratmeter großes Gelände kann das Team kann in einer Minute absuchen", erklärt Stadtbrandinspektor und Initiator Nick-Oliver Kromer. Nach dem Ablegen der höchsten R3-Prüfung könnte die Staffel sogar international bei der Suche nach Verschütteten helfen.

Reiner Zufall

"Erst fanden wir die Idee alle ein bisschen verrückt", gesteht Stadtbrandinspektor a. D., Herrmann Zengler, bei der Feierstunde in der Feuerwache. Schnell sei ihnen aber klar geworden, dass der Vorschlag wirklich gut sei. "Ich habe während meiner Amtszeit selbst erlebt, wie in Neuenhain eine demenzkranke Dame aus dem Seniorenheim verschwunden war." Für die Suchaktion habe man letztlich die Spürhunde aus dem Rheingau-Taunus-Kreis zu Hilfe holen müssen. Im Umkreis gebe es nur in Frankfurt und Wiesbaden eine Einheit, dazu die Hunde des DRK Wallau.

"Der Anfang war reiner Zufall", sagt Kromer. Auf einer Fortbildung habe er einen Bekannten vom Bad Sodener Schäferhundeverein getroffen. Der habe gefragt, ob die Feuerwehr vielleicht ein Übungsgelände habe, auf dem die Vereinshunde für ihre Rettungsportsausbildung trainieren könnten. So sei man auf die Idee einer Rettungshundeeinheit gekommen. Mit viel Unterstützung durch die Stadt und nach vielen Gesprächen mit der Berufsfeuerwehr, dem Kreis und auch dem Land habe man schließlich ein Konstrukt geschaffen.

500 Stunden im Jahr

Inzwischen sind neun Hundhalter – die meisten weiblich – der Freiwilligen Feuerwehr offiziell beigetreten. Fünf Hunde haben bereits ihre R 2 bestanden, sieben sind noch dabei, auch die R 3-Prüfung werde angepeilt Drei Mal in der Woche trainieren die Vierbeiner, oft auf dem alten Flughafengelände in Eschborn. Ein hoher ehrenamtlicher Zeitaufwand für die Halter, lobt Pressesprecher Marc Bauer die Einsatzbereitschaft der neuen Kameraden. "Zusammen mit dem Feuerwehrdienst kommen sie auf 300 bis 500 Stunden im Jahr."

Von dem Talent der neuen vierbeinigen Kameraden können sich die Besucher bei einer Vorführung im Hof der Feuerwache überzeugen. Auf das Kommando von Stephanie Merfert flitzt Deutsch-Drahthaar Basko los und bleibt bellend vor einem Gullideckel stehen. Tatsächlich: Im Kanal hat sich ein Feuerwehrmann versteckt. Auch Sennenhund Batida spürt erfolgreich einen "Vermissten" auf. Erst rast er zwar zu dem Fotografen, der weiter weg auf dem Boden kniet und Bilder macht, im zweiten Anlauf aber ortet er zielsicher den Palettenstapel, unter dem sich die gesuchte Person versteckt hat. "Hallo, hier ist die Feuerwehr", ruft Annie Otto in einen Holzritz. "Man geht mindestens zu zweit los", moderiert der frisch ernannte Staffelleiter Marco Bölling die Vorführung im Hof. So könne man dem Verschütteten oder Verirrten angemessen helfen.

Im Erste-Hilfe-Rucksack sei auch die Erstversorgung der Hunde gesichert. "Unsere vierbeinigen Kameraden" heißen sie inzwischen. "Die machen das natürlich nur, weil sie eine Belohnung bekommen." Basti freut sich auf sein geliebtes Tuch, Batida auf ein Leckerli. Eine Tüte voller Leckerchen hat auch Kreisbeigeordnete und Hundefreundin Ingrid Hasse mitgebracht, die Grüße vom Landrat überbrachte. Bürgermeister Norbert Altenkamp, zurecht stolz auf Bad Sodens Neuzugang, ein "unheimlich motiviertes Team", sagte der Einheit weiterhin seine Unterstützung zu. Unbürokratisch hatte die Stadt schon vorher geholfen.

Andreas Quint, im Landesfeuerwehrverband Hessen zuständig für die Abteilung Rettungshunde, sagte: "Je enger die Standorte von solchen Staffeln werden, umso größer ist auch das Sicherheitspolster für die Bürger." Viele der Hunde habe er ja bereits während der Prüfungen kennengelernt.

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