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Aktionstag mitten in Hochheim: Katastrophenschutz zeigt, was er im Notfall leistet

Von Zum ersten Mal hat der Main-Taunus-Kreis eine sogenannte Katastrophenschutz-Meile organisiert. Auf dem Weihergelände, auf dem jeweils im November der Hochheimer Markt stattfindet, präsentierten sich mehrere Rettungsabteilungen.
Wie unter Wasser gearbeitet wird, zeigten die Rettungstaucher in einem großen Tauchcontainer. Bilder > Foto: Hans Nietner Wie unter Wasser gearbeitet wird, zeigten die Rettungstaucher in einem großen Tauchcontainer.
Hochheim. 

Eigentlich wünscht sich niemand Kontakt mit den Einsatzkräften, die sich auf dem Weihergelände präsentieren. Denn wenn die Spezialeinheiten des Katastrophenschutzes anrücken, bedeutet dies fast immer, dass sich Menschen in extremen Notlagen befinden. Am Samstag war der Umgang mit den Rettern jedoch spielerisch und ganz entspannt. Die fünf Jahre alte Nina Dorn sprüht lachend Wasser auf die Flammen eines Löschtrainers, während wenige Meter daneben eine Säuberungsstation zur Dekontamination von radioaktiven, chemischen und biologischen Gefahrenstoffen aufgebaut ist. „Ich bin froh, das man das so in der Regel nicht sieht“, betont der Vater des kleinen Mädchens. Er finde es aber toll, dass es solche Spezialisten gibt, meinte der Wiesbadener.

Der Bereich der Gefahrenstoffreinigung erinnert an die Kulisse eines Science-Fiction-Films. In einem Zelt liegt eine Puppe auf einer Trage – davor stehen weitere Figuren, die in ihren Ganzkörper-Schutzanzügen wie Astronauten aussehen. „Hier ist normalerweise die Schwelle, ab der wir Schutzausrüstung tragen“, erklärt Nicola Dischinger vom DRK Bad Soden am Zelteingang. Die vollständige „Waschstraße“ für Personen, die mit gefährlichen Stoffen in Kontakt gekommen sind, bestehe aus drei Stationen in den Farben rot, gelb und grün. „Von ganz verseucht bis sauber“, erläutert die Helferin. Die Säuberung eines Betroffenen braucht Zeit: Jeder Patient werde im Zelt mindestens sechs Minuten gewaschen, sagt Nicola Dischinger. Dabei muss es sich nicht gleich um eine atomare Verstrahlung handeln. Ein Brand in einer Druckerei oder ein undichter Tanklaster reichen aus, um den Gefahrenstoff-Zug auf den Plan zu rufen. In den vier Jahren, in denen sie dabei ist, sei noch kein richtiger Einsatz vorgekommen, berichtet die Sanitäterin den Besuchern. Trotzdem baue ihre Einheit die Zelte regelmäßig auf, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Ein völlig anderer Einsatzbereich des Katastrophenschutzes fasziniert die Besucher am gegenüberliegenden Ende des Weihergeländes. Dort ist ein Wassercontainer mit einem Sichtfenster aus Glas zum Publikumsmagneten geworden. „Warum braucht der Mann eine Rüstung?“, fragte ein neugieriger Junge seinen Vater. Das Kind deutet auf einen Taucher mit Atemmaske und Sauerstoffflasche, der kurz darauf in den Container steigt. Wie im Aquarium eines Zoos drängen sich nun Kinder und Erwachsene vor der Scheibe. Durch das Glas sehen sie allerdings keine Pinguine oder Schildkröten, sondern Männer, die unter Wasser schrauben und mit Hammer und Meißel ein Stahlseil durchtrennen. Die Rettungstauchergruppe des Kreises demonstriert ihre Arbeit. Die Mehrzahl der 19 Aktiven komme aus Hochheim sowie dem Flörsheimer Stadtteil Wicker, erklärt Stefan Predikant. Die Zahl der Einsätze für die Rettungstaucher nehme zu, berichtet der Wickerer dem Kreisblatt. Es gebe bundesweit eine steigende Tendenz bei Badeunfällen. Dies führt Predikant zum einen darauf zurück, dass nicht mehr alle Kinder schwimmen lernen. Zum anderen gebe es unter den Flüchtlingen in Deutschland eine auffallend hohe Zahl von Nichtschwimmern, die Gewässer einfach unterschätzen. Im Rahmen der Katastrophenschutzmeile hat der Main-Taunus-Kreis offiziell einen neuen Gerätewagen an die Taucher übergeben. Das rund 200 000 Euro teure Fahrzeug war bereits in der ersten Jahreshälfte angeschafft worden.

Von den Rettern der Tiefe sind es auf dem Weihergelände nur wenige Schritte bis zu einer Truppe, die Menschen aus schwindelerregenden Höhen birgt. Die Höhenrettung wurde im Jahr 1997 in Sulzbach gegründet und 2002 als Einheit des Kreises übernommen. Übungen auf Baustellenkränen oder hohen Werbetafeln machen ihre keine Probleme, sagt Sarah Jacobs aus Langenhain. „Ich bin komplett schwindelfrei“, erklärt die Feuerwehrfrau. Es dauere ein paar Jahre bis sich ein Feuerwehrmann für die Höhenrettung qualifiziere, berichtet der Sulzbacher Torben Koch. Die 16 Mitglieder starke Spezialeinheit komme immer dann zum Einsatz, wenn eine gewöhnliche Drehleiter nicht mehr ausreicht. In den vergangenen beiden Jahren rettete das Team zwei verunglückte Kletterer an der Lorsbacher Wand. Neben menschlichen Einsatzkräften dürfen auch tierische Retter auf der Katastrophenschutzmeile ihr Können zeigen: Spürhund Knighty klettert an der Leine von Yasemin Swoboda über eine Wippe und balanciert über die dünnen Sprossen einer Holzleiter. Nach jedem Hindernis belohnt die Hundeführerin den Cavalier King Charles Spaniel mit einem kleinen Leckerli. Die Übungen, die an eine Zirkusshow erinnern, seien notwendig, damit die Hunde sich im Einsatz trauen, ungewöhnliche Hindernisse zu überqueren, erklärt Yasemin Swoboda. Die Rettungshunde seien vor allem im Einsatz, um vermisste ältere Personen zu finden. Das Aufspüren von Verletzten in Trümmern, das die Tiere ebenfalls beherrschen, komme selten vor. „Zum Glück habe wir hier keine Erdbeben“, sagt die Helferin aus Sulzbach. Trotzdem wollen die Aktiven auf alle möglichen Gefahrensituationen vorbereitet sein. Dies galt für alle Rettungskräfte, die am Samstag einen Einblick in ihre Arbeit boten.

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