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Kundenumfrage: Kaufen, damit die Läden bleiben

Von Lieber bequem im Internet oder doch bei den heimischen Geschäftsleuten? Wo liegen die Vor- und Nachteile beim Einkaufsverhalten. Unsere Reporterin Barbara Schmidt hat sich in Hofheim umgehört, wo die Kunden am liebsten kaufen.
Eine Passantin betrachtet das Schaufenster der Buchhandlung Tolksdorf in der Hofheimer Hauptstraße. Foto: KNAPP Eine Passantin betrachtet das Schaufenster der Buchhandlung Tolksdorf in der Hofheimer Hauptstraße.
Hofheim. 

Das Einkaufsverhalten hat sich sehr verändert. Längst nicht mehr alles wird im Geschäft besorgt, manch einer nutzt gern auch Computer oder Smartphone, um aus dem immer breiter werdenden Angebot im Internet Bücher, Haushalts- oder Elektroartikel oder Kleidung auszuwählen und sich bequem nach Hause liefern zu lassen. Geschäftsinhaber klagen seit Jahren darüber, dass deshalb ihre Umsätze zurückgehen.

Gewerbeverein IHH hat Jahreshauptversammlung

Ein Projekt für das laufende Jahr hat sich der Gewerbeverein IHH bei seiner Jahreshauptversammlung am Mittwochabend besonders vorgenommen: Der Hofheim-Gutschein soll noch attraktiver und besser handhabbar werden.

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Mit Aktionen macht der Hofheimer Gewerbeverein IHH immer wieder auf das Angebot der Händler in der Kreisstadt aufmerksam, Städteplaner warnen, dass ohne Geschäfte die Innenstädte in Deutschland veröden. Wir haben Menschen, die in Hofheim zum Einkaufen unterwegs waren, nach ihren Motiven befragt. Repräsentativ ist das nicht, aber immerhin ein kleiner Einblick, wie Kunden die aktuelle Entwicklung sehen.

„Ja, natürlich kaufe ich in Hofheim“, sagt eine 52-Jährige, die sich gerade in der Hauptstraße die Auslagen eines Schuhhändlers ansieht. „Ich muss anprobieren, dann entscheide ich mich“, begründet sie, warum sie lieber in ein „richtiges“ Geschäft“ geht, als im Internet zu shoppen. Sie arbeite selbst als Verkäuferin bei Edeka, sagt die Hofheimerin, „und ich bin dankbar, wenn die Kunden zu uns kommen“. Sie jedenfalls versuche jeden, mit dem sie zu tun habe, zu überzeugen, in Hofheim einzukaufen. Ihr Motiv: „Die Läden hier sollen bestehen bleiben.“

Das findet auch eine 41-Jährige, die mit ihrem Kind unterwegs ist. „Einfacher wär’s von zu Hause“, räumt sie ein, aber sie gucke schon ganz bewusst, was sie in Hofheim bekommen könne und kaufe es dann auch hier. „Bücher zum Beispiel kaufe ich prinzipiell nicht im Internet, sondern in der Stadt“, sagt die Frau. Dass die beiden Buchhandlungen eine Zukunft haben, sei ihr wichtig.

Mit Angeboten traktiert

Vielleicht kaufe sie 70 Prozent ihres Bedarfs in Hofheim und 30 Prozent im Netz ein, schätzt eine 49-Jährige, „genau habe ich mir das noch nie ausgerechnet. Ich tendiere aber zu immer weniger Einkauf im Internet“, sagt die Hofheimerin. „Wir werden zu gläsern“, findet sie unangenehm, dass all ihre Gewohnheiten registriert werden und sie immer mehr mit Angeboten traktiert wird, die aufgrund ihrer schon hinterlassenen „Spuren“ auf sie passgenau zugeschnitten werden. „Ich freue mich immer, wenn ein Geschäft hier erhalten bleibt“, will sie gern den heimischen Handel unterstützen. Ein breiteres Angebot an nicht ganz so teuren Geschenkartikeln sähe sie in Hofheim noch gern, sagt die 49-Jährige. In vielen Bereichen sei das Angebot aber schon ganz gut.

Der 42-Jährige, der gerade mit einem Bukett in der Hand ein Blumengeschäft verlässt, sagt ebenfalls: „Was ich in Hofheim bekommen kann, hole ich auch in Hofheim.“ Seine Frau habe selbst ein Geschäft, „daher weiß ich, wie schwer es ist“. Klar, „im Internet kauft man natürlich auch mal“, räumt der Hofheimer ein.

Meist Lebensmittel

Nicht nur mal, sondern überwiegend shoppen die jungen Männer aus Marxheim und Kriftel im Netz. „Zu 70 Prozent, das kommt ungefähr hin“, meint der 24-Jährige aus Kriftel und sein 22-jähriger Kumpel nickt. In Hofheim besorgten sie sich am ehesten neben Lebensmitteln „so Dinge wie Shampoo oder Haargel“. Auch Bücher, die sie zum Lernen brauchten, kauften sie zumeist online. „Die muss man in der Buchhandlung auch bestellen und dann noch mal dorthin. Da ist es übers Internet einfach bequemer“, meint der junge Marxheimer.

Der 62-Jährige aus Kelkheim, der vor einer Buchhandlung das Kartensortiment studiert, ist dagegen ganz bewusst für den Einkauf vor Ort. „Auf alle Fälle bei Büchern, das ist eine prinzipielle Entscheidung.“ Auch Bekleidung habe er früher immer in einem Geschäft in Kelkheim gekauft. Seit dieses zugemacht habe, nutze er für den Kleiderkauf zumeist den Urlaub.

Im Spar-Markt

„Früher habe ich mehr eingekauft in Hofheim“, meint eine Eppsteinerin, die sich das Angebot einer Boutique anschaut. Heute brauche sie nicht mehr so viel. „Die Kinder sind groß. Ich bin aber eine, die die Geschäfte immer unterstützt.“ Das habe sie auch ihren Kindern so weitergegeben. „Im Internet kauft eher mein Mann“, sagt die 57-Jährige. Ihre Begründung für den Kauf vor Ort: Sie sei selbst lange Verkäuferin in einem kleinen Spar-Markt gewesen. „Ich war immer dankbar, wenn die, die nicht so auf den Cent schauen mussten, bei uns eingekauft haben“ und habe dazu stets animiert. Wenn ein Laden zumache, jammerten alle, aber dann sei es zu spät.

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