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Keine Jubiläumsfreude

Vor 150 Jahren, am 1. März 1863, hat das Freie Deutsche Hochstift das Goethe-Haus gekauft. Jubiläumsfreude will aber nicht so recht aufkommen, weil die Streichung des städtischen Zuschusses den Todesstoß für das vom Hochstift geplante Romantik-Museum bedeutet.
Albert Schweitzer (2. v l.) und andere Besucher 1928 vor dem Goethe-Haus. Albert Schweitzer (2. v l.) und andere Besucher 1928 vor dem Goethe-Haus.
Frankfurt. 

Das schwarz-grüne Sparpaket hat auch den Vier-Millionen-Zuschuss der Stadt für das 16-Millionen-Projekt einkassiert, die mehr als zweijährige Vorbereitungszeit des Freien Deutschen Hochstifts für das Romantik-Museum war vergeblich. Joachim Seng, Bibliotheksleiter im Hochstift, sieht Parallelen zwischen heute und dem Ende des 19. Jahrhunderts: "Damals wie heute stand plötzlich ein Nachbargrundstück des Goethe-Hauses zum Verkauf, und – anders als heute – nutze man damals mit Hilfe der Stadt und mit Mitteln von Frankfurter Förderern die einzigartige historische Gelegenheit und verwirklichte den Plan eines ersten Frankfurter Goethe-Museum 1897. Eine Investition mit Weitblick, die die Stadt nie bereute."

Hypothek aufgenommen

Am 1. März 1863 hatte das vier Jahre zuvor gegründete Freie Deutsche Hochstift unter seinem Direktor Otto Volger das Goethe-Haus am Großen Hirschgraben gekauft, "um dasselbe durch Wiederherstellung seiner geschichtlich merkwürdigen Räumlichkeiten zu einem bleibenden Denkmal für den großen Dichter, zu einem Heiligthume unseres gesamten Volkes und zu einer Pflegestätte deutscher Wissenschaft und Kunst zu weihen." Volger hatte den Kauf mit eigenen Mitteln ermöglicht und sogar eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen.

Joachim Seng weiß: "Die politisch Verantwortlichen der Stadt hatten damals kein Interesse daran, das schon damals viel besuchte Dichterhaus zu erwerben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Verwundert stellte Mark Twain, der bekannte amerikanische Schriftsteller, der das Goethe-Haus im Mai 1878 besuchte, später fest: ,Die Stadt läßt zu, daß dieses Haus Privatleuten gehört, anstatt sich mit der Ehre zu schmücken und auszuzeichnen, es zu besitzen und zu beschirmen.‘"

Nur wenige Wochen nach dem Kauf, Anfang Mai 1863, wurden die ersten Räume bezogen, bald darauf wurde das Elternhaus Goethes für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bibliotheklsleiter Seng: "Seither haben Kaiser und Fürsten, Staatsmänner und Wirtschaftsführer, Dichter und Philosophen sowie Goethe-Freunde aus aller Welt das Haus im Großen Hirschgraben besucht und – wie etwa Mark Twain, Albert Schweitzer oder Thomas Mann – darüber berichtet." Heute kommen Jahr für Jahr mehr als 100 000 Besucher in eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt. Aus Anlass des 150jährigen Bestehens veranstaltet das Freie Deutsche Hochstift einen Schreibwettbewerb zum Thema "Mein Besuch im Frankfurter Goethe-Haus" (siehe Info rechtss).

"Historische Chance"

Das Aus fürs Romantik-Museum bewertet Bibliotheksleiter Seng so: "Schade, dass die Stadt Frankfurt die historische Chance, unsere Stadt zu einem Zentrum der Deutschen Romantik zu machen, nicht nutzen will, und die Sammlungen die das Freie Deutsche Hochstift (FDH) besitzt und das Geld, das FDH, Land Hessen und der Bund zur Verfügung stellen, ausschlägt und lokalpolitischen Ränkespielen opfert. Weltoffenheit und Weitblick, für die Frankfurt bekannt ist, sieht anders aus." Die einmalige Chance, die sich durch den Wegzug des Börsenvereins in Nachbarschaft des Goethe-Hauses biete, dürfe nicht ungenutzt bleiben. "Sie kommt nicht wieder." wa

(Jürgen Walburg)
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