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Keinen Hund aus Mitleid mitnehmen

Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund zuzulegen, sollte sich nicht allein auf sein spontanes Gefühl verlassen. Schließlich trifft er eine Entscheidung, die eine gemeinsame Zukunft betrifft.
Dr. Kirsten Tönnies untersucht Roy.	Foto: Reuß Dr. Kirsten Tönnies untersucht Roy. Foto: Reuß

Frau Dr. Tönnies, welche Hunderassen sind derzeit besonders gefragt?

DR. KIRSTEN TÖNNIES: Im Moment sind es vor allem Mops und französische Bulldogge, beides Rassen, die früher selten waren. Auch Chihuahuas und Rehpinscher sind bei den kleinen Rassen noch sehr gefragt. Bei den großen Hunden ist der Rhodesian Ridgeback zurzeit auf dem Vormarsch.

Warum gibt es immer wieder Schwarzen Schafe unter den Züchtern?

TÖNNIES: Die meisten Leute, die sich einen Hund anschaffen, sind bereit, zwischen 200 und 500 Euro für einen Hund auszugeben. Für dieses Geld bekommen sie kein Tier bei einem seriösen Züchter. Der Kaufpreis beispielsweise für einen Mopswelpen aus einer anerkannten Zucht ist relativ hoch, etwa 1000 bis 1500 Euro. Deshalb nehmen viele dann eben den Billig-Import aus Osteuropa.

Werden Sie in Ihrer Praxis auch mit solchen Fällen konfrontiert und wie erkennen Sie, dass ein Tier keine seriöse Herkunft hat?

TÖNNIES: Natürlich habe ich auch mit solchen Tieren zu tun. Ein Blick auf die Papiere genügt. Da werden unstimmige Angaben gemacht, die Ahnentafeln fehlen oder werden gar erfunden, die Impfpässe sind gefälscht. Die Hundebesitzer beteuern dann immer wieder, dass sie ja schon ein schlechtes Gefühl hatten, wenn sie bemerkt haben, dass mit der vermeintlichen Zucht etwas nicht in Ordnung war. Sie beteuern aber aus Mitleid gehandelt zu haben, um den armen kleinen Hund da rauszuholen. Gerade das ist falsch, denn dadurch haben die Geschäftemacher ihr Ziel erreicht.

Womit muss man rechnen, wenn man sich ein Billig-Welpen anschafft?

TÖNNIES: Diese Tiere leiden natürlich an den Folgeschäden der unseriösen Zucht. Bei den französischen Bulldoggen zum Beispiel tauchen häufig Darmprobleme auf, die eine intensive medizinische Behandlung erfordern. Bei großen Hunden wie dem Ridgeback haben sie mit massiven Gelenk- und Hüftproblemen zu tun. Außerdem können illegal importierte Tiere aus Osteuropa gefährliche Krankheiten wie die Staupe einschleppen.

Wie erkennt man eine gute Hundezucht?

TÖNNIES: Es sind Hobbyzüchter, die ihre Hunde lieben und speziell in eine Rasse vernarrt sind. Oft gehen sie auf Ausstellungen. Schauen sie sich an, ob der Internetauftritt liebevoll gemacht ist. Wenn man sich für einen Welpen interessiert, lädt der Züchter einen zu sich ein. Schauen Sie genau, wie die Tiere gehalten werden. Bei einer guten Zucht ist mindestens die Mama der Kleinen da, oft auch noch eine Großmutter. Beobachten Sie, wie die Hunde reagieren. Laufen sie freudig auf Menschen zu? Wie reagieren sie auf den Züchter? Ganz wichtig sind die Papiere, ein seriöser Züchter gehört dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) oder dem FCI an. Ein guter Züchter gibt seine Tiere nicht bei der ersten Begegnung ab, und schon gar nicht übergibt er Welpen an einem Rasthof. Einige gute Züchter sind sogar pingelig und schauen sich das zukünftige Heim ihres Schützlings an, bevor sie ihn abgeben.

Und was, wenn man merkt, dass der Züchter nicht in Ordnung ist?

TÖNNIES: Wenn man sieht, das etwas nicht in Ordnung ist, sollte man auf jeden Fall Hinweise an das zuständige Veterinäramt oder die Polizei weiterleiten. Auf keinen Fall sollte man einen Hund aus Mitleid mitnehmen.

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