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"Keiner sollte schweigen"

Auf Ablehnung ist der Planentwurf nicht nur bei den Bürgerinitiativen, sondern auch bei der Hattersheimer Rathauschefin sowie der städtischen Ruhbeauftragten gestoßen.
Auch im Hattersheimer Stadtteil Eddersheim gab es, kurz nach Eröffnung der Landebahn Nordwest im vergangenen Oktober, mehrere Protestaktionen. Foto: Matthias Knapp Auch im Hattersheimer Stadtteil Eddersheim gab es, kurz nach Eröffnung der Landebahn Nordwest im vergangenen Oktober, mehrere Protestaktionen. Foto: Matthias Knapp
Hattersheim. 

Dem Lärmaktionsplan fehle der Realitätsbezug – darüber sind sich Bürgermeisterin Antje Köster (SPD) und Joy Hensel, Ruhebeauftragte der Stadt, einig: "Dem Lärmaktionsplan in der vorliegenden Fassung fehlt jeglicher Realitätsbezug." Die beiden Damen liegen mit ihrer Einschätzung auf der Linie der Bürgerinitiativen, die sich gegen den Fluglärm zur Wehr setzen. Doch für Hattersheim gibt es Besonderheiten zu erwähnen. So sind beispielsweise die Belastungen in den Stadtteilen Okriftel und Eddersheim in dem Entwurf nicht explizit aufgeführt. Alleine dies wäre schon ein Grund, den Aktionsplan aus Hattersheimer Sicht abzulehnen.

Viel Kritik

Ruhebeauftragte Joy Hensel hatte bei der Montagsdemonstration am Frankfurter Flughafen dazu erklärt: "Der Lärmaktionsplan geht auf eine Verpflichtung zurück, die sich aus einer Europäischen Richtlinie von 2002, der so genannten Umgebungslärmrichtlinie, ergibt. Auf europäischer Ebene wurde frühzeitig erkannt, dass der Umgebungslärm – und hierzu gehört auch der Fluglärm – als eines der größten Umweltprobleme in Europa zu bezeichnen ist. Mit den europäischen Vorgaben soll ein hohes Gesundheits- und Umweltschutzniveau gewährleistet werden."

Ein Blick in den Entwurf des Lärmaktionsplans zeige, dass dies nicht annähernd erreicht wird, finden Köster und Hensel unisono. Der Plan bemühe sich darum, den Eindruck völlig normaler Verhältnisse zu erzeugen. Probleme mit dem Fluglärm gäbe es so gut wie keine. Laut Regierungspräsident würden die Lärmminderungsmaßnahmen sogar zu einer spürbaren Entlastung führen. Allerdings, der Plan basiert auf einer Lärmkartierung aus dem Jahre 2007, der wiederum Messungen aus dem Jahre 2005 zugrunde liegen. Die Landebahn Nordwest und die von dieser ausgehenden Belastung würden in dem Plan allein als Gegenstand einer Prognose stattfinden.

Stattdessen, und dies belegten die neueren Daten, werde es immer lauter, stellte Joy Hensel fest: "Die Anzahl der Betroffenen ist rasant gestiegen und der Fluglärm hat sich flächendeckend auf die gesamte Region verteilt." "Aber im Endanflug auf die neue Landebahn kann nichts mehr verteilt werden", erklärte Verwaltungschefin Antje Köster mit Blick auf die "hoch betroffenen Eddersheimer".

Als Lärmminderungsmaßnahmen würden im Lärmaktionsplan die bereits seit 1999 ergriffenen Maßnahmen aufgeführt. Und der Regionalfond werde als zusätzliche Lärmminderungsmaßnahme dargestellt. "Dieser beweist jedoch lediglich, dass passiver Schallschutz bundesrechtlich völlig unzureichend geregelt ist. Daher muss das Fluglärmgesetz dringend novelliert werden", meinte die Ruhebeauftragte. Mit Blick auf die Zukunftsperspektiven erklären Köster und Hensel: "Wir fordern das Regierungspräsidium dazu auf, sich aktiv darum zu bemühen, den Plan bekannt zu machen und dabei auch bürgernah zu erklären. Denn heute haben wir es mit 490 000 Flugbewegungen zu tun, aber im Jahr 2020 soll der Frankfurter Flughafen 700 000 Flugbewegungen abwickeln. Die Folgen für die Fluglärmbetroffenen sind kaum auszudenken." Die Bürgermeisterin sowie die Ruhebeauftragte glauben aber, dass der Lärmaktionsplan sehr ernst genommen werden muss: "Keiner, der diesen Plan liest und von Fluglärm betroffen ist, sollte schweigen. Jeder einzelne Bürger hat die Möglichkeit, den Grad der eigenen Belastung zu schildern und kann damit die Chance ergreifen, Maßnahmen zur Fluglärmreduzierung vorzuschlagen. Jede einzelne Stellungnahme von Seiten betroffener Bürger wird dazu beitragen, dem Regierungspräsidium klar zu machen, was dem Lärmminderungsplan in der vorliegenden Fassung am meisten fehlt: die Realität."

Frist bis Oktober

Wie bereits berichtet, liegt der Entwurf des Lärmaktionsplans im Bürgerbüro "Stadtpunkt" aus und kann dort zu den üblichen Öffnungszeiten eingesehen werden. Zu dem Entwurf können Stellungnahmen bis zwei Wochen nach Ende der Offenlage, also bis zum 19. Oktober, per Brief an das Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht werden. Unter www.laermaktionsplan.hessen.de. kann der Plan aufgerufen und zudem eine elektronische Stellungnahme abgegeben werden. Auch im Hattersheimer Rathaus werden schriftliche Stellungnahmen entgegengenommen. hk/meh

(hk,meh)
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