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Dreckigste Schultoilette: Kelkheimer Eichendorffschule bekommt die "Goldene Klobürste"

Die Kreisschülervertretung hat auch in diesem Jahr wieder die dreckigste Schultoilette gesucht – und unter acht teilnehmenden Schulen auch gefunden. Mit diesem ganz besonderen Award erhoffen sich die Organisatoren von Schulträger und Schülern mehr Achtsamkeit für das stille Örtchen.
Kreisschulsprecher Finn Kretschmer (2. von rechts) überreicht Schulsprecherin Lisa Henties (links) die „Goldene Klobürste“ – vor der „ausgezeichneten“ Jungentoilette der Eichendorffschule. Claus Schäfer (rechts) Julian Boesensell (hinten links), Noah Khan (Mitte) und Laetitia Taburet schauen zu. Kreisschulsprecher Finn Kretschmer (2. von rechts) überreicht Schulsprecherin Lisa Henties (links) die „Goldene Klobürste“ – vor der „ausgezeichneten“ Jungentoilette der Eichendorffschule. Claus Schäfer (rechts) Julian Boesensell (hinten links), Noah Khan (Mitte) und Laetitia Taburet schauen zu.
Main-Taunus. 

Streng riecht es, sehr streng. Klopapier liegt auf dem Boden, klebt aber auch an den Wandfliesen und sogar an der Decke. Die Handtuchrolle liegt zerknüllt auf dem Boden, kleinere Pfützen sind zu umkurven. Daher machen viele Schüler der Eichendorffschule in Kelkheim einen großen Bogen um diese Jungentoilette, die speziell von Unter- und Mittelstufe genutzt wird. 66 Prozent der Teilnehmer an der Abstimmung für die „Goldene Klobürste 2018“ – Toilettenanlagen aus acht Schulen des Main-Taunus-Kreises standen zur Wahl – waren daher auch der Meinung, dass diese Einrichtung den Preis wahrlich verdient.

Erstmals wurde der „Award“ für die dreckigste Schultoilette, ein Projekt der Kreisschülervertretung Main-Taunus, 2009 verliehen. Anliegen war und ist es, den Landkreis mit der Baufälligkeit der Toiletten zu konfrontieren. „Wir bauen bei dieser Aktion auf die Unterstützung des Schulträgers, die Schultoiletten kontinuierlich zu verbessern und sauber zu halten“, so Finn Kretschmer, Kreisschulsprecher und Vorsitzender des Kreisschülerrats Main-Taunus. „Man erhofft sich damit, dass man langfristig das Verhalten der Schüler und der Verantwortlichen im Kreis beeinflussen kann. Aber Schüler wechseln schnell, und bei der Politik weiß man auch nie, wer in ein paar Jahren entscheiden wird. Wir setzen aber auf den langfristigen Effekt.“

Schulserie Im Keller der Schule schimmelt's, oben wird gelernt

Schule soll Spaß machen, aber dazu muss das Gebäude intakt sein. Manche Schulen im Rhein-Main-Gebiet sind in einem beklagenswerten Zustand. Eine davon ist die Friedrich-Fröbel-Schule im Frankfurter Stadtteil Niederrad. Die Elternsprecherin dort sagt: „Den Kindern fehlt wohl die Lobby.“

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Soziale Kontrolle

Gemeinsam mit seiner Kollegin Laetitia Taburet überreichte er nun der Schülervertretung der Eichendorffschule eine – mit goldener Sprühfarbe veredelte – Klobürste. Neben diversen Pokalen soll sie in der Glasvitrine des Foyers einen Platz finden. Denn die beiden Schulsprecher Lisa Henties und Julian Boesensell sehen in erster Linie einen positiven Aspekt: „Das ist natürlich ein Preis, bei dem man nicht so richtig weiß, ob man sich darüber freuen soll oder nicht. Denn es ist nicht zu verleugnen, dass die Schülerschaft einen großen Beitrag daran hat, dass es so schlimm aussieht. Wir können nur hoffen, dass es dem Kreis finanziell möglich ist, die Situation zu verbessern, also nötige Sanierungsarbeiten vorzunehmen und öfter putzen zu lassen.“ Außerdem setzen die beiden 18-Jährigen darauf, dass eine gewisse soziale Kontrolle unter den Schülern ausgeübt wird.

Auch Schulleiter Stefan Haid ist sich sowohl des unschönen Zustands besagter Jungentoilette als auch des wegweisenden Effekts dieses Awards bewusst. Sein Credo: „Der Raum ist ’dritter Pädagoge’, denn Schüler fühlen sich in einem sauberen und gepflegten Umfeld deutlich wohler, und das Lernen wird angenehmer.“ Bestätigt sieht er sich in dieser Einschätzung, da gut renovierte Umkleideräume und Toiletten, die es an seiner Schule ebenfalls gibt, deutlich sorgsamer behandelt werden, während die älteren Einrichtungen unordentlich hinterlassen und sogar mutwillig beschädigt werden. „Das Thema Sauberkeit ist allerdings nur zu lösen, wenn häufiger gereinigt wird. Die Stadt Frankfurt beispielsweise überarbeitet derzeit ihre Reinigungspläne der Schulen, und so wäre meine Bitte an den Main-Taunus-Kreis, auch in den hiesigen Schulen die Toiletten mehrfach täglich zu putzen.“

Für Hygiene sensibilisieren

Sein Lob und Dank gilt der Schülervertretung, dass die Aufmerksamkeit nun auf diese spezielle Toilette gelenkt wurde, die auch seiner Ansicht nach die Auszeichnung verdient hat: „Öffentlichkeitswirksame Aktionen sind gut, denn sie streuen Salz in die Wunde, und dann passiert etwas.“ Zwar sieht der den Landkreis in der Verantwortung, und eine Renovierung in den Sommerferien 2018 ist bereits angedacht worden, aber ist anderen Kooperationen gegenüber aufgeschlossen.

Eine Verbesserung der Situation liegt nämlich auch der Firma Schäfer, Meisterbetrieb für Bad und Heizung aus Kelkheim, am Herzen. „Nachdem wir letztens im Kreisblatt den Artikel über den Award gelesen hatten, kam uns spontan die Idee, einen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten, indem wir der Gewinnerschule neue Toiletten spendieren“, so Claus Schäfer, dem die Initiative der Kreisschülervertretung gefällt. „Da wir selbst schulpflichtige Kinder haben, sind wir natürlich daran interessiert, dass sie saubere, hygienische Schultoiletten nutzen können.“ Er kann sich noch gut an das Gefühl erinnern, wenn das Örtchen schon von weitem unangenehm roch, Deckel und Brille kaputt waren oder das Toilettenpapier fehlte: „In 30 Jahren hat sich grundsätzlich nicht viel geändert, und häufig warten die Kinder mit dem Toilettengang lieber, bis sie zu Hause sind.“

Er plädiert dafür, die Schüler im Unterricht für Hygiene und Vandalismus zu sensibilisieren und – im Zuge von „Strafaktionen“ – selber mal Toiletten putzen zu lassen. Sein Rat: „Es sollten nur wandhängende, spülrandlose WCs eingebaut werden, da diese hygienischer und besser zu reinigen sind.“

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