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Köster schmeckt McDonald‘s nicht

Von Vor knapp einem Jahr wurde der Bebauungsplan für ein Areal am südwestlichen Stadtrand beschlossen. Jetzt gibt es neue Entwicklungen.
Hattersheim. 

Dass Antje Köster kein Freund von Fast Food ist, könnten ihr ihre Kinder einmal danken. Denn die Speisen, die in Schnellrestaurants angeboten werden, gelten unter Ernährungsexperte als nicht sonderlich gesund. Als Bürgermeisterin von Hattersheim scheint Antje Köster (SPD) ebenfalls Fast Food abzulehnen. Dem Vernehmen nach soll die Rathaus-Chefin derzeit an einer Zusammenarbeit mit McDonald‘s Deutschland Inc. nicht interessiert sein. Das milliardenschwere Unternehmen würde gerne am südwestlichen Stadtrand eine Filiale bauen.

"Erste Gespräche sind geführt worden", bestätigt Dagmar Burger, bei Mc Donald‘s Sprecherin für die Region West, dem Kreisblatt. Alles befinde sich noch im Anfangsstadium, mit einer Immobilien-Entwicklung habe das Unternehmen noch nicht begonnen. Man habe erst einmal Interesse signalisiert, "mal gucken, was daraus wird", sagt Dagmar Burger.

Großes Interesse

Der Konzern dürfte sogar großes Interesse an einer Dependance in Hattersheim haben, denn die unbebaute Fläche nördlich der Mainzer Landstraße liegt direkt an einem Anschluss an die A 66. Und an dem Autobahnabschnitt zwischen Wiesbaden und Frankfurt, der zu den am meisten befahrenen der Republik gehört, hat das Unternehmen bisher nur eines seiner bundesweit mehr als 1400 Schnellrestaurants. In Wallau, in direkter Nachbarschaft des riesigen Ikea-Geschäftes.

Über die "ersten Gespräche" ist im Hattersheimer Rathaus nichts zu erfahren. Es sei mal zu hören gewesen, dass ein solches Unternehmen Interesse hätte, sagt Köster. Dass die Stadt mit McDonald‘s in Kontakt steht oder gestanden hat, darüber möchte die Bürgermeisterin aber kein Wort verlieren. Das wäre aus verhandlungstechnischen Gründen nachvollziehbar. Warum die ersten Gespräche bisher nicht weiterverfolgt worden sind, wird wohl kaum mit Kösters Abneigung gegenüber Fast Food zu tun haben. Ein triftiger Grund dafür könnte Bauhaus heißen.

Baumarkt für 35 Millionen

Bekanntlich würde es die Stadt gerne diesem Unternehmen ermöglichen, auf eben der acht Hektar großen Fläche am südwestlichen Stadtrand einen großen Baumarkt zu errichten. Das Investitionsvolumen: 35 Millionen Euro. Allerdings würde der "Bau- und Heimwerkermarkt mit Gartenmarkt und Baustoffhandel" insgesamt nur eine Fläche von 3,9 Hektar einnehmen und wäre laut den veröffentlichten Plänen eines Projektentwicklers nicht direkt an der Autobahn angesiedelt. Theoretisch wäre für ein Schnellrestaurant noch genug Platz. Jedoch könnte es sein, dass das zum Deal der Stadt mit der Baumarktkette nicht passt. Zumindest einen Backshop und ein Stehcafé möchte Bauhaus selbst anbieten, ist in der Begründung zum passenden Bebauungsplan zu lesen.

Behörden haben das Sagen

Die Stadt geht offenbar weiterhin davon aus, dass die Umwandlung in ein Sondergebiet von den übergeordneten Behörden genehmigt wird. Das ist jedoch nicht sicher. Zur Erinnerung: Im Februar 2012 stimmten die Hattersheimer Stadtverordneten einstimmig für das notwendige Bauleitplanverfahren. Damals hoffte Köster auf grünes Licht vom Regionalverband Ende April 2012.

Es folgte ein Sturm der Entrüstung, der zunächst von der Nachbargemeinde Kriftel ausging, die (zu große) Konkurrenz für ihre eigenen Gewerbeansiedlungen fürchtet. Ein Baumarkt auf 3,9 Hektar ist als sehr groß zu bezeichnen. Zum Vergleich: Das Main-Taunus-Zentrum hat seit seiner Erweiterung eine Verkaufsfläche von 9,1 Hektar.

An der Kritik beteiligten sich auch Gewerbetreibende aus der Region, mit der FWG und FDP schwenkten die ersten Fraktionen aus der Stadtverordnetenversammlung um. Seitdem ziehen sich die Vorbereitungen für das Abweichungsverfahren des Regionalplans Südhessen und das Änderungsverfahren für den Regionalen Flächennutzungsplan hin wie Kaugummi.

Warten auf Ergebnisse

Dazu zählen eine Auswirkungsanalyse für den Einzelhandel in Hattersheim und Umgebung, ein Umweltgutachten und ein Verkehrsgutachten. Die Verkehrszählungen wurden im Sommer vorgenommen. Der Magistrat teilte der Stadtverordnetenversammlung dazu mit, dass mit Ergebnissen im September oder Oktober zu rechnen sei. Vorgelegt wurde bisher aber keines der Gutachten. Auf Nachfrage des Kreisblattes sagte Köster jetzt, die Gutachten stünden kurz vor dem Abschluss. Ein Antrag auf eine Änderung des Flächennutzungsplanes ist noch nicht gestellt. "Derzeit befindet sich der Vorgang in der informellen Vorabstimmung über die notwendige Grundlageninformation zwischen Kommune und Regionalversammlung", sagt Frank Tekkilic, Sprecher des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main. Diese Vorgehensweise sei üblich. Erst danach werde Hattersheim einen Antrag stellen, der in der Verbandskammer beraten werde.

Vorgespräche

Die Entscheidung pro oder contra Bauhaus wird also einige Monate länger in Anspruch nehmen als erhofft. Auch die Regionalversammlung, zuständig für den Regionalplan Südhessen, hat sich mit der Thematik noch nicht beschäftigt. Vorgespräche habe es gegeben, mehr nicht, teilt Dieter Ohl mit, Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums in Darmstadt.

Bürgermeisterin Antje Köster wartet also weiter ab. Sehr gerne würde sie die städtebauliche Situation nördlich der Mainzer Landstraße anders gestalten, sagt sie.

Verkehrsentlastung

Köster spricht von einer möglichen Verkehrsentlastung. Im Zuge der Erschließung des Baufachzentrums würde die Heddingheimer Straße nach Westen sowie nach Süden mit Anschluss an den Kreisverkehr in der Mainzer Landstraße erweitert werden. Das sei die fehlende Verbindung zum Globus-Warenhaus, einem Mercedes-Autohaus und mehreren Geschäften am westlichen Stadtrand und wichtig für Hattersheim, wird die Rathauschefin nicht müde herauszustellen.

Falls der Bauhaus-Deal platzt, stünde die Stadt erst einmal mit leeren Händen da. Die Erschließung kann sie alleine nicht bezahlen. Und mit anderen Interessenten, von denen McDonald‘s weiterhin einer ist, sind nicht mehr als "erste Gespräche" geführt worden.

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