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Jugendsachbearbeiterin: Kommissarin kümmert sich um straffällig gewordene Teenager

Von Dass Jugendliche feiern oder ein Bierchen zu viel trinken, gab es auch früher. Die Jugendsachbearbeiterin der Kelkheimer Polizei hat allerdings festgestellt, dass Respektlosigkeit ebenso zugenommen hat wie der Wodka-Konsum.
Oberkommissarin Nicole Morgenstern kümmert sich um Straftaten jugendlicher Täter. Foto: Knapp Oberkommissarin Nicole Morgenstern kümmert sich um Straftaten jugendlicher Täter.
Kelkheim. 

„Früher hat uns ein Sixpack Bier für ein paar Leute gereicht“, sagt Nicole Morgenstern. Heute weiß die Jugendsachbearbeiterin der Polizeistation Kelkheim: Mit dieser Menge und der Art von Alkohol kommen junge Leute nicht mehr weit. Beim Rosenmontagsumzug in Fischbach habe sie mal einen Zwölfjährigen erwischt: „Der hatte eine Flasche Jägermeister, setzt an und trinkt“, war die Oberkommissarin schockiert.

Die 47-Jährige hat schon eine Menge erlebt mit jungen Menschen. Das bringt ihr Job mit sich. Seit knapp zehn Jahren gibt es die Jugendsachbearbeiter in den Revieren. In Kelkheim hat Nicole Morgenstern diese Aufgabe von Anfang an. „In der Frühbesprechung kam das Thema damals auf den Tisch. Und die Blicke richteten sich sofort auf mich, weil ich die Jüngste war.“ Ihre Reaktion auf die indirekte Anfrage: „Was soll ich denn da noch sagen?“ Sie hat die spontane Zusage nicht bereut.

Hohe Aufklärungsquote

Ihre Aufgabe ist es, jene Straftaten aufzuklären, die mit jungen Menschen unter 20 Jahren in Verbindung stehen könnten. Sie wolle ihre Arbeit gar nicht so sehr „an Zahlen festmachen“. Könne aber schon auf eine Aufklärungsquote von an die 95 Prozent verweisen. Dabei ist die Wahrheitsfindung oft knifflig. „Viele nehmen es nicht ernst, wenn sie hier sitzen. Manche lügen, dass sich die Balken biegen.“ Eine gewisse Form der „Respektlosigkeit“ beginne draußen und setze sich bei der Vernehmung fort. Die Expertin bedauert: Gerade bei Gewaltstraftaten sei die Hemmschwelle gesunken und die Fallzahl in Verbindung mit jungen Menschen gestiegen, weiß sie. Körperverletzungen habe es auch früher gegeben, nur heute in anderen Dimensionen, oft sei das Pfefferspray oder gar das Messer zur Hand. Nicole Morgenstern erklärt die Veränderungen mit einer „grundsätzlichen Verrohung des Gesellschaft“.

Die Jugendsachbearbeiterin in Kelkheim hat wiederum viele Menschen, an die sie denken muss. Sie ist auch Vermittlerin zwischen Tätern, Eltern, der Schule und den Streetworkern. Aktive Prävention betreibe sie nicht, dafür fehle einfach die Zeit. Auch für eine aufsuchende Arbeit auf der Straße. Aber natürlich gibt sie Tipps und Hilfen, wie sich neue Taten vermeiden lassen. In der Möbelstadt seien junge Krawallmacher schon ein Thema, die Polizei muss die Treffpunkte, etwa im Mühlgrundpark, in der Stadtmitte oder an der Shell-Tankstelle, immer wieder anfahren. Ruhestörung, Müll, fliegende Flaschen – das gebe es dort. Die Folge: Platzverweise durch die Polizei und ausführliche Gespräche mit Nicole Morgenstern im Revier. Sie weiß aber: Jugendliche müssen auch mal Party machen dürfen.

Schwere Psychosen

„Das ist normal. Man muss nur schauen: Wo artet es aus?“ Zwei Beispiele: In Liederbach beim „Tanz in den Mai“ in diesem Jahr gab es einen großen Polizeieinsatz und einen Schwerverletzten. Traurig findet sie den Fall von drei jungen Leuten, die übermäßig Cannabis konsumiert haben und nun unter schweren Psychosen leiden. Daher sagt sie: „Es gibt für mich keine weichen Drogen.“ Das Problem mit Drogen oder hartem Alkohol wie Wodka werde immer schlimmer.

Nicole Morgenstern ist meist da, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Aber sie kann Wiederholungen eindämmen. „Man hat schon ein Vertrauensverhältnis. Ich bin immer Ansprechpartner“, sagt sie, betont aber: „Es muss eine Geradlinigkeit da sein. Es ist wichtig, authentisch zu bleiben.“

Auch sie hat nicht gleich den geraden Weg genommen. Geboren in Butzbach, wollte sie eigentlich Abitur machen. Doch sie kam mit einem Lehrer nicht zurecht, wollte sich einen Job suchen. Da kam die Stellenanzeige der Polizei gerade recht, die dringend Verstärkung suchte. Sie schickte ihre Bewerbung los und wurde genommen. In Kassel erst die Ausbildung, dann Bereitschaftspolizei. Seit Anfang der 90er Jahre ist sie schon in Kelkheim, war auch in der Ermittlungsgruppe. Längst hat sie in den Jugendthemen ihre Berufung gefunden – unter anderem eine Vandalen-Serie mit demolierten Autospiegeln aufgeklärt. „Die haben für das Leben gelernt, waren sehr reuig“, sagt sie und nimmt die Themen im Büro nur selten mit nach Haus. Dort warten neben ihrem Mann auch ihre Kaninchen. Zudem sammelt Nicole Morgenstern gerne Single-Schallplatten und mag die verstorbene Sängerin Amy Winehouse, von der ein Autogramm im Büro hängt.

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