E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 25°C

"Kommt in die Pötte!"

Von Um unter den Rettungsschirm des Landes schlüpfen zu können, muss die Stadt auf einen ausgeglichenen Haushalt hinarbeiten. Dreimal hatte sie zu Bürgerwerkstätten eingeladen, um die Hattersheimer an der Haushaltskonsolidierung zu beteiligen. Wer sich bei den bisherigen Veranstaltungen eingebracht hatte, wurde bei der Abschlussveranstaltung jedoch enttäuscht.
Über Diskussionsgrundlagen und Vorschläge – ein paar davon stehen auf den gelben Zetteln – kamen die Bürgerwerkstätten nicht hinaus.	Foto: Reuß Über Diskussionsgrundlagen und Vorschläge – ein paar davon stehen auf den gelben Zetteln – kamen die Bürgerwerkstätten nicht hinaus. Foto: Reuß
Hattersheim. 

"Draußen regnet es, hier drinnen ist es gemütlich", erklärte Bürgermeisterin Antje Köster zu Beginn des letzten Treffens in der Reihe der Bürgerwerkstätten. Im Laufe des Abends entstand der Eindruck, dass der Schutz vor schlechter Witterung der einzige Grund war, warum einige Besucher die Halle nicht vorzeitig verließen.

Die Teilnehmer der bisherigen drei Treffen hatten mit ihren Vorschlägen genug Plakate gefüllt, um den gesamten Sitzbereich der Abschlussveranstaltung mit Stellwänden zu umringen. Dass alle notierten Punkte noch einmal von den Moderatoren des Planungsbüros Strunk wiedergegeben wurden, stieß einigen Zuhörern sauer auf.

War das so nötig?

"Ich weiß nicht, ob der heutige Abend nötig gewesen wäre", drückte sich Magdalena Fricke in der anschließenden Diskussion diplomatisch aus. Sie finde es toll, dass sich Menschen zusammen finden und für die Misere der Stadt interessieren, erklärte die Hattersheimerin. Die Inhalte der Abschlussveranstaltung habe es aber in dieser Form bereits im Internet nachzulesen gegeben. "So ein Abend müsste so gestaltet werden, dass Leute die dreimal teilgenommen haben, nicht schon alles wissen", fand Magdalena Fricke.

Andere Besucher brachten ihren Unmut auf ihre eigene Art zum Ausdruck: Mehrere Vertreter von den Oppositionsparteien der Stadtverordnetenversammlung verließen nach einer knappen halben Stunde des Vortrags den Saal. "Man muss doch die wichtigsten Punkte zusammen fassen", erklärte der FDP-Fraktionsvorsitzende Dietrich Muth, der sich gewünscht hätte, dass nur Vorschläge präsentiert werden, für die es in den Bürgerwerkstätten Mehrheiten gab. Es sei eine Chance vergeben worden, meinte Freidemokratin Karin Fredebold. Die Stadtverordnete kritisierte auch, dass den Teilnehmern im Laufe der Bürgerwerkstätten "zu wenige konkrete Informationen" zur Verfügung gestanden hätten.

Er sei ebenfalls mit der Erwartungshaltung erschienen, dass die Ideen ausgewertet und zusammengefasst seien, berichtete FWG-Mann Willi F. Torka. "Wir Stadtverordnete bekommen jetzt alle Themen auf den Tisch." Die FWG hatte die Bürgerwerkstätten bereits kritisiert und eine eigene Umfrage gestartet. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Minnert fand die Wiederholung der gesammelten Vorschläge in der Stadthalle "ermüdend". Er bezeichnete den Verlauf des Abschlussabends als Bürgervergraulungstaktik.

"Ich bedauere die Unruhe", erklärte Bürgermeisterin Antje Köster (SPD), nachdem die Moderatoren die Ideen aus den Bürgerwerkstätten zusammengefasst hatten. Köster verteidigte die Art der Präsentation und verwies auf Leute, die zum ersten Mal anwesend seien. "Die haben das Anrecht, zu erfahren, was bisher angesprochen wurde."

Ein Lernprozess

Außer den Vertretern der Verwaltung waren knapp 30 Bürger zur Abschlussveranstaltung in der Stadthalle gekommen. Die Rathauschefin schätzte, dass rund zehn Besucher erstmals vorbeischauten. Auch Erste Stadträtin Karin Schnick (Grüne) verteidigte die Wiedergabe aller bisherigen Inhalte, weil es ansonsten für Neue schwierig sei, in die Diskussion einzusteigen. Wenn es eine feste Gruppe gäbe, die sich regelmäßig treffe, wäre eine so ausführliche Zusammenfassung der Vorschläge laut Karin Schnick nicht notwendig. Die Bürgerbeteiligung sei ein Lernprozess. "Es ist gut, dass wir das überhaupt gemacht haben", so die Erste Stadträtin.

Die Privatisierung der Stadthalle, eine Reduzierung der Straßenbeleuchtung, Kindergärten unter privater Trägerschaft – Ideen wie diese waren unter den gesammelten Vorschlägen, die in der Stadthalle vorgestellt wurden. Aber was kommt als nächstes?

Wie es denn nun weiter gehe, wollte Zuhörer Reimund Nix von Verwaltungschefin Köster wissen. "Wir saßen hier sechs Stunden lang, jetzt wollen wir, dass die Stadt in die Pötte kommt", betonte der Teilnehmer.

Antje Köster erklärte, dass alle Vorschläge in die kommenden Haushaltsberatungen einfließen sollen. Jede Fraktion werde die Ideen als Grundlage ihrer Gespräche nehmen. Die Punkte, die die Fraktionen als realistisch bewerten, sollen dann im Rahmen einer Bürgerversammlung am 14. November in der Stadthalle präsentiert werden. Danach muss über die Teilnahme der Stadt am Rettungsschirm des Landes entschieden werden.

Entscheidung im November

Die Bürgermeisterin erläuterte in ihrem Schlusswort, dass das Urteil der Stadtverordneten nicht erst im Dezember fällt. Sie nannte die Stadtverordnetenversammlung am 22. November als Termin für die Entscheidung. So könnten die anstehenden Verhandlungen schon bis zum Jahresende abgeschlossen werden, erläuterte Antje Köster. Davon erhoffe sich die Stadt einen günstigeren Zinssatz für die Schuldentilgung durch das Land.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen