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Juristische Schritte?: Kreis streitet um Erstattung nach Feuer im Flüchtlingsheim Anfang 2017

Von Noch immer ist die Flüchtlingsunterkunft in Alt-Oberliederbach nach dem Brand Anfang 2017 geschlossen. Im Hochbau wird zwar gearbeitet, im Flachbau ruht aber der See still.
Das Chaos herrschte nicht nur in dem Zimmer, in dem der Brand an Fastnacht 2017 ausbrach. Theater gibt es auch bei der Abwicklung. Bilder > Foto: Knapp Das Chaos herrschte nicht nur in dem Zimmer, in dem der Brand an Fastnacht 2017 ausbrach. Theater gibt es auch bei der Abwicklung.
Liederbach. 

Es war der Fastnachtssonntag 2017, also vor gut 16 Monaten. Damals brannte es in der Flüchtlingsunterkunft in Alt-Oberliederbach. Zum Glück wurde keiner der dort 94 untergebrachten Menschen verletzt. Der zuständige Main-Taunus-Kreis reagierte prompt, brachte die Flüchtlinge noch am selben Tag in Häusern an der Höchster Straße in Liederbach und der Frankfurter Straße in Kelkheim unter. Auch die vielen Feuerwehrleute hatten alles schnell im Griff, brachten das Feuer unter Kontrolle und halfen bei der Evakuierung.

Einigung nicht in Sicht

Während am Tag selbst noch alles zügig ging und die Helfer ganze Arbeit leisteten, so gleichen die fast eineinhalb Jahre danach fast einem Debakel. Die Liederbacher Flüchtlingshelfer hoffen schon seit Monaten, dass das Haus wieder bewohnbar wird. Bürgermeisterin Eva Söllner kann ob der langen Wartezeit auch nur den Kopf schütteln. Und auch der Main-Taunus-Kreis ist wenig erbaut über das, was sich da in Alt-Oberliederbach tut – in diesem Falle aber eher nicht tut. Während im Hochbau, dem linken Teil des Gebäudes, die Sanierungsarbeiten laufen, ruht beim Flachbau weiter still der See. Dort war das Feuer in einem Bewohner-Zimmer ausgebrochen, die Polizei schloss Fahrlässigkeit als Ursache nicht aus. Weitere Untersuchungen im Haus seien abgeschlossen, teilt MTK-Sprecher Johannes Latsch jetzt mit. „Aber nach wie vor ist eine Einigung mit der Versicherung über die Höhe der Schadenssumme nicht in Sicht.“ Das geht dem Kreis nun auch zu weit. Latsch kündigt an: „Daher bereiten wir derzeit juristische Schritte gegen die Versicherung vor.“ Die Flüchtlingsunterkunft wird zum „Pulverfass“.

Konkret geht es um die Höhe des Betrages für den Flachbau, der erstattet werden soll. Für diesen Teil haben Kreis und Gemeinde schon konkrete neue Pläne, deren Umsetzung dringend notwendig ist. Denn dort sollen Appartements entstehen, in die Flüchtlinge mit Bleiberecht einziehen können. Das würde die Lage auf dem Wohnungsmarkt in der Gemeinde entspannen. „Der Main-Taunus-Kreis will das Projekt so schnell wie möglich abschließen, aber wir erwarten mit Blick auf den Kreishaushalt von der Versicherung eine angemessene Kostenübernahme“, fasst Latsch das Dilemma zusammen.

„Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass es so kompliziert werden würde“, ärgert sich auch Bürgermeisterin Eva Söllner. Sie sei erstaunt über die aktuelle Entwicklung. Warum die Versicherung hier nicht greife, könne sie sich nicht erklären. Sie fordert aber schon „möglichst schnell eine Ertüchtigung des Gebäudes“. Die Gemeinde jedenfalls trage ihren Teil zügig bei, dass es zur geplanten Nutzung kommen kann. Sie wird den Bebauungsplan ändern lassen, in dem noch ein Schulungszentrum vermerkt ist. Da am Plan auch der Oberliederbacher Park dran hängt, hat die Kommune die Konzeption extern vergeben, nach den Ferien wird das Papier dann aber bald in die Gremien gehen. Söllner: „Wir sind nicht diejenigen, die es verzögern.“ Die Gemeinde würde die Appartements vom Kreis anmieten – und damit dringend benötigten Wohnraum schaffen.

Arbeiten im Hochbau

Weniger problematisch ist die Lage im Hochbau links daneben. Hier wurde laut Latsch eine „kostengünstige Lösung“ für die brandschutztechnische Erneuerung gefunden, die derzeit umgesetzt wird. Dort sollen dann wieder Flüchtlinge einziehen. Das große Gebäude, das der Kreis schon viele Jahre als Unterkunft für Spätaussiedler genutzt hatte und früher ein Jugendwohnheim der ehemaligen Hoechst AG war, ist vor allem für die Flüchtlingshelfer eine wichtige Anlaufstelle.

Deren Koordinatorin Iris Mohrbacher hatte zuletzt betont, die Gruppe wünsche sich einen Wiedereinzug so schnell wie möglich. Dort gibt es ein großes Spielzimmer, dort sind Veranstaltungen möglich, dort sind ein Spielplatz in direkter Nachbarschaft, die Fahrradwerkstatt und die Kleiderkammer. Im Domizil an der Höchster Straße ist dafür kein Platz.

Auch dort wiederum war der Kreis aktiv. Nach Beschwerden über den Zustand des Gebäudes, wurde laut Latsch ein Wasserschaden aus dem Vorjahr vom Vermieter beseitigt. „Ansonsten gab es Beschwerden wegen Müllablagerungen. Hier hatten wir bereits im vergangenen Herbst mit den Vermietern gesprochen und danach keine Beschwerden mehr gehört“, fasst der Sprecher zusammen. An der Höchster Straße, dem ehemaligen Gebäude der Firma ABC-Druck, sind im Vorderhaus 22 von 56 Plätzen belegt, im Hinterhaus 59 von 61.

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