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Kulane müssen weg

Von 2010 haben die Weilbacher Kiesgruben im Rahmen eines Artenschutzprojekts Kulane aufgenommen. Das Projekt wurde nun für gescheitert erklärt. Was aus den Wildeseln wird, ist offen.
Auch die Kulane Justin und Anders können nicht weiter auf dem Gelände des Regionalparks leben, egal ob die dauerhafte Kastration hilft oder nicht.  Archivfoto: Maik Reuß Foto: Maik Reuß (Maik Reuß) Auch die Kulane Justin und Anders können nicht weiter auf dem Gelände des Regionalparks leben, egal ob die dauerhafte Kastration hilft oder nicht. Archivfoto: Maik Reuß
Weilbach. 

„Zum wilden Esel“ heißt das Restaurant im Regionalpark-Besucherzentrum in den Weilbacher Kiesgruben. Diese Bezeichnung bekommt nun einen unangenehmen Beigeschmack. Der Titel bezieht sich auf die asiatischen Wildesel – sogenannte Kulane – die im Jahr 2010 von der Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach (GRKW) angesiedelt wurden. Die vom Aussterben bedrohten Vierbeiner erwiesen sich jedoch als zu wild und aggressiv.

Wie nun durch einen Antrag der SPD im Stadtparlament bekannt wurde, ist das Artenschutzprojekt gescheitert. Es wird über Kastration oder im Extremfall sogar die Tötung der Tiere nachgedacht.

Die Sozialdemokraten verwiesen auf entsprechende Absichten der GRKW-Geschäftsführung, die bei der kommenden Aufsichtsratssitzung diskutiert werden sollen. Auf Nachfrage gab GRKW-Geschäftsführer Dr. Mathias Bausback das interne Dokument frei. Darin heißt es, dass das grundlegende Ziel, einer Beweidung des Naturschutzgebietes, nicht erreicht werden konnte. Die Esel hätten von Beginn an nicht die gewünschte „Beweidungsleistung“ erbracht. Auch das sekundäre Ziel, die Kiesgruben als „Zwischenstation“ eines internationalen Zuchtprojekts zu nutzen, sei gescheitert. Der Versuch war im Jahr 2010 mit zwei Kulanen aus dem schwedischen Zoo Kolmarden gestartet. Vier weitere Jungesel aus den Tiergärten Berlin und Rostock ergänzten die Gruppe 2011.

Gegenseitig verletzt

Zunächst sollten die männlichen Esel nur als „Junggesellengruppe“ in Weilbach gehalten werden, heißt es in der GRKW-Stellungnahme. Nach der Geschlechtsreife wollte man die Tiere in Zoos oder die Freiheit entlassen. Die Kulane seien aber aus verschiedenen Gründen nicht abgenommen worden. Der Fund von Streptokokken am Kadaver eines toten Esels habe dieses Problem verstärkt.

Nun seien die Tiere so alt, dass sie nicht mehr gemeinschaftlich gehalten werden können. Die Herde musste getrennt werden, weil sich die Hengste bekämpften und gegenseitig schwere Verletzungen zufügten. Der Stress für die Tiere sei aber weiterhin sehr hoch, weil sich die Kulane auf dem Gelände wittern können. Eine vorübergehende „chemische Kastration“ habe die Situation nur bedingt verbessert.

Zum weiteren Vorgehen heißt es: „Sollten die Kulane zur Sicherheit der Bevölkerung und zur Ermöglichung des eigenen Tierwohls nicht besser unter Kontrolle zu bringen sein, wird die Einschläferung als letzter möglicher Schritt nicht ausgeschlossen.“ Zunächst schlägt die GRKW vor, das aggressive Verhalten zu dokumentieren und die Zäune regelmäßig kontrollieren zu lassen. Dann sollen die Kulane „permanent kastriert“ und auf Streptokokken untersucht werden.

Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels habe seine Unterstützung bei der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten zugesagt, falls eine Erkrankung ausgeschlossen ist. Im Falle eines positiven Streptokokkenbefundes müssten die Tiere behandelt oder eingeschläfert werden. Als weitere Option wird die Rückführung der Tiere nach Schweden genannt.

„Vor Jahren wurden durch die GRKW mit guter Absicht sechs Junghengste aufgenommen, die mit heutiger Expertise nicht hätten angenommen werden dürfen“, erklärt Mathias Bausback. Die Zusagen einer Rücknahme der Tiere seien von den Organisatoren des Zuchtprogrammes nicht eingehalten worden. Lediglich aufgrund dieser Nichteinhaltung seien die heutigen Probleme entstanden.

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