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Kulturmacher zwischen den Stühlen

Von Die Kulturgemeinde protestiert gegen die Senkung der städtischen Zuschüsse. Im Ausschuss verteidigte der Magistrat seinen Vorschlag.
Kelkheim. 

Gewöhnlich ist es so, dass im Kulturausschuss bei den ersten Beratungen zum Haushalt nur Fragen gestellt werden, diskutiert wird dann in der nächsten Sitzungsrunde. UKW-Fraktionschef Albrecht Kündiger wollte aber die Weichen schon einmal in die richtige Richtung stellen. Man solle eine gemeinsame Position aller Parteien anstreben, so sein Appell.

Dabei kann diese aus seiner Sicht nicht lauten, den Zuschuss von 28 000 auf 18 000 Euro zu reduzieren, wie es der Magistrat vorgeschlagen hatte. Aber auch die Halbierung der Kürzung, wie es CDU und FDP in Aussicht gestellt hatten, ist für die UKW nicht ausreichend. "Der Magistrat macht den Verein kaputt, wenn er so weitermacht", schimpfte Kündiger.

In einem Schreiben an die CDU hat Peter Heß, der Vorsitzende der Kulturgemeinde, sich ganz ähnlich geäußert. Schon für 2012 habe es eine Kürzung von 8000 Euro gegeben. Jede weite Verringerung des Zuschusses werde dazu führen, dass das Angebot eingeschränkt werden müsse, so Heß. Gefährdet sind Veranstaltungsreihen wie Kabarett und Lesungen, Kindertheater und "Tage Alter Musik", aber auch das Neujahrskonzert und das Kursangebot. Heß: "Das kann, um der Kulturgemeinde das Überleben zu sichern, dazu führen, dass der Jazzclub von uns keine Unterstützung mehr erfährt." Zudem müsse im Frühsommer 2013 die Kleinkunst- und Kabarettreihe eingestellt werden.

CDU-Fraktionschef Alexander Furtwängler zeigte sich gegenüber dem Kreisblatt nicht unbeeindruckt. "Ich habe Respekt vor Leuten, die für ihre Sache kämpfen." Aber der Spielraum sei ausgeschöpft, ein weiteres Entgegenkommen unmöglich. Es gebe viele Kürzungen, und man müsse das Gefühl erwecken, dass es gerecht zugehe. "Wir wollen Hattersheimer Verhältnisse verhindern", so Furtwängler. Die Mainstadt muss bekanntlich die Hilfe des Landes Hessen beim Schuldenabbau in Anspruch nehmen und hat dafür ein millionenschweres Sparpaket beschlossen.

Für Horst Ackermann vom Jazzclub steht auch in der Möbelstadt eine Richtungsentscheidung an. "Kelkheim muss sich überlegen, ob es provinziell werden will", erklärt er. 3500 Euro bekommt der Jazzclub von der Kulturgemeinde. Fällt dieses Geld weg, gibt es im nächsten Jahr ein Defizit, zumal auch die Nebenkosten für die Räume im Vereinshaus erhöht wurden. "Wir müssten wesentlich weniger machen und mehr Gruppen aus der Gegend nehmen", schildert Ackermann die Konsequenzen. Niveau und Umfang des Programms des Jazzclubs (siehe Text rechts) ließen sich also nicht halten. Ihm geht es auch nicht nur um das Geld. In Sonntagsreden werde das ehrenamtliche Engagement gelobt, bei den Haushaltsberatungen aber nicht entsprechend gewürdigt.

Im Kulturausschuss kritisierte Anika Janas (SPD), dass die Kulturgemeinde nicht früher über die beabsichtigten Kürzungen informiert worden sei. "Der Verein muss ja planen und Verträge machen", so Janas. Es sei schwierig, mit so vielen Betroffenen vorab über Kürzungen zu sprechen, gab Erster Stadtrat Dirk Westedt (FDP) zu bedenken. Demnächst werde es aber ein Gespräch mit der Kulturgemeinde geben, kündigte er an. Der Ausschussvorsitzende Hans Valentin (SPD) hofft, es werde bei dem Termin zu einer Einigung kommen. Die UKW möchte rechtzeitig über die Ergebnisse informiert werden, um eventuell noch einen Antrag für die weiteren Haushaltsberatungen zu stellen.

Derweil gibt es auch Protest gegen die Verringerung der Kürzung, so wie sie von CDU und FDP vereinbart wurde. Der Vereinsring Hornau sieht darin eine Ungleichbehandlung. Auch die Vereine dort engagierten sich für das vielfältige Kulturleben und seien nicht glücklich über die gekürzten Zuschüsse. "Wenn es hier noch Spielraum gibt, sollte dieser nicht Einzelnen zugewiesen werden, sondern allen anteilsweise zu Gute kommen", heißt es in einem offenen Brief des Vereinsringsvorsitzenden Willi Jost an Bürgermeister Thomas Horn. Mit dem Jazzclub sei das Schreiben nicht abgestimmt, so Ackermann.

Die Kulturgemeinde habe nicht gegen die allgemeine Verringerung der Vereinszuschüsse protestiert, sondern gegen die Absicht der politischen Gremien, die Kürzung dort erheblich größer ausfallen zu lassen, schrieb Horn an den Vereinsring. Und selbst wenn das Minus jetzt auf Initiative von CDU und FDP auf 5000 Euro verringert werde, sei die Einbuße für die Kulturgemeinde immer noch größer als die 19,5 Prozent, die den anderen Vereinen gekürzt werden sollen.

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