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Lärmopfer kämpfen weiter

Von Rund 8000 Menschen demonstrierten gestern vor der Landebahn Nordwest gegen den Fluglärm. Das Bündnis der Bürgerinitiativen aus dem Rhein-Main-Gebiet hatte anlässlich des einjährigen Bestehens der Landebahn zur Großdemo aufgerufen.
Flörsheim. 

Nicht nur die Busse, die von der Stadthalle zur Nordwest-Landebahn fuhren, waren ausgebucht. Auch auf der Eddersheimer Staustufe bildeten sich Schlangen, weil viele Menschen das schöne Wetter nutzten, um mit dem Rad zur Demonstration zu fahren. Man begegnete einigen Radfahrern, die das blaue Shirt der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim trugen. Einige demonstrierten schon unterwegs mit Schildern an ihren Rädern. "Nordwestbahn stilllegen", forderte ein Flörsheimer mit einem Plakat auf seinem Gepäckträger.

Der gestrige Tag machte aber auch den Zwiespalt deutlich, in dem sich viele Menschen befinden. Das schöne Wetter, das die Fahrradtour zur Demo ermöglichte, ergab sich als Resultat der Ostwetterlage und war deshalb gepaart mit Anflügen über die Mainstädte. "Heute war es wieder besonders schlimm", erklärte Demonstrantin Rita Fielitz. Die Anwohnerin der Kolpingstraße im Flörsheimer Norden beschrieb die Situation seit Eröffnung der Landebahn als laut und störend. "Das ist Körperverletzung", so die Flörsheimerin, die nicht nur den Lärm der Turbinen zu spüren bekommt. "Der Dreck auf den Fenstern wird auch immer mehr", erzählte Rita Fielitz. Sie sei jeden Montag bei den Demos im Terminal dabei, erklärt die engagierte Frau. Wichtig war ihr allerdings zu betonen, dass sie keine Flughafengegnerin sei, sondern Gegnerin der neuen Nordwestbahn. "In diesem Maße wie jetzt geht das nicht weiter", meinte sie.

"Die Bahn muss weg", forderte die Menschenmenge in Sprechchören. Die Plakate der Demonstranten verrieten, wie weit gestreut die Empörung in der Region ist: Da gab es Banner von Lärmgeschädigten aus Groß-Gerau, Nauheim, Offenbach, Schwanheim und Mainz. Auf der Bühne sprach John Stewart vielen Landebahngegnern aus dem Herzen: "Noch nie hat der Protest nach der Inbetriebnahme einer Landebahn so lange angedauert", erklärte der Präsident der europäischen Vereinigung gegen die schädlichen Auswirkungen des Luftverkehrs. Stewart sprach von einer "historischen Leistung" der Bürgerinitiativen. Auf den Treffen von Vertretern der Luftverkehrswirtschaft in London oder Brüssel werde über die Proteste in Frankfurt gesprochen.

Heiko Holefleisch, Sprecher der Bürgerinitiative Mainspitze, hatte eine Antwort auf die Frage, was den Protest so lange am Leben hält: "Ganz einfach – Wir sind das Herz der Region", rief Holefleisch der Menge zu. Durch die Nordwestbahn seien 300 Quadratkilometer verlärmte Fläche hinzugekommen. "Niemand kann den Schaden durch die Schadstoffemissionen ermessen", betonte er weiter. Die Rede vom "Job-Wunder Fraport" bezeichnete Holefleisch als "Hirngespinst".

"Schock auf der Terrasse"

Vertreterinnen der Bürgerinitiative Flörsheim-Hochheim hatten ihren Ärger über den Fluglärm musikalisch aufgearbeitet: "In Zeiten wie diesen, wo bleibt da die Menschlichkeit?", sangen sie zur Melodie des Tote Hosen-Songs "Tage wie diese". "Man hat gelogen, und uns betrogen, die Politik stört das überhaupt nicht", hieß es in einer Strophe. Und weiter: "Die bezwingen uns nicht!"

Als "Schock auf der Terrasse", bezeichnete eine Flörsheimerin die Überflüge am 21. Oktober 2011. Ihr erster Gedanke sei gewesen: Wir verkaufen die Gartenmöbel, berichtete die Anwohnerin der Rheinallee, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Am 22. Oktober habe die ganze Familie "verkatert" am Frühstückstisch gesessen, nachdem alle um 5 Uhr vom Lärm aufgewacht seien. "Das beeinflusst den ganzen Alltag", erklärte die Demonstrantin.

Die Flörsheimerin Margit Eckert erklärt, warum sie weiterhin regelmäßig zu Demos kommt. "Das Nachtflugverbot wäre nicht gekommen, wenn der Protest nicht gewesen wäre", glaubt die Landebahngegnerin, die im Buchenweg wohnt. Morgens und abends sei der Lärm besonders störend, berichtete die Betroffene. "Man kann beim Fernsehen keine Tür mehr offen lassen." Die Hoffnung auf Besserung hat die Flörsheimerin aber noch nicht aufgegeben: "Meine große Hoffnung ist es, dass die neue Bahn irgendwann doch noch geschlossen wird", meint die couragierte Frau.

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