Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Prozess: Macheten-Angriff: Zeuge rettet Rentner das Leben

Dem beherzten Eingreifen seines Nachbarns verdankt ein 72-jähriger Rentner wohl sein Leben.
Die Polizisten kennzeichneten den Weg, den das Opfer eines Macheten-Angriffs in der Frankfurter Straße zurückgelegt hatte. Foto: hans Nietner Die Polizisten kennzeichneten den Weg, den das Opfer eines Macheten-Angriffs in der Frankfurter Straße zurückgelegt hatte.
Wiesbaden/Hochheim. 

Nur einer wagt sich auf die Straße und sieht nach, was da eigentlich los ist, nachdem er den Nachbarn erkannt hat, der schwerverletzt durch die Frankfurter Straße torkelt. Von den mehreren Augen- und Ohrenzeugen, die teilweise nicht viel oder einiges, aber niemals das ganze Ausmaß der Katastrophe begriffen oder gesehen haben, ist der Zeuge W. derjenige mit der größten Courage. Und er ist wahrscheinlich derjenige, der Bernd G. am 2. August 2016 mit seinem schnellen Eingreifen das Leben gerettet hat. Dabei dachte ausgerechnet dieser Anwohner der Frankfurter Straße zuerst, dass es sich wieder einmal um Halbstarke oder Betrunkene handelt, als er und seine Frau frühmorgens, gegen 5 Uhr, von Lärm auf der Straße geweckt werden. Normalerweise würden sie mit einem schnellen „Ratsch“ dann den Rollladen hochziehen. Damit wolle er eventuelle Ganoven vertreiben, die sich an den Autos zu schaffen machen wollten. Sein Fahrzeug habe er vor dem Haus geparkt. Das Geräusch erschrecke dann die Störenfriede auf der Straße derart, dass diese meistens schnell das Weite suchen würden.

Dieses Mal sei dies anders gewesen. „Mein Gefühl sagte mir: Da stimmt was nicht.“ Er habe zwar nichts Genaues erkennen können, weil die neue LED-Straßenlaterne vor dem Haus im Gegensatz zur abmontierten vorherigen Straßenbeleuchtung nur einen beschränkten Lichtkegel auf die Straße und den Gehweg werfe. Er habe aber gesehen, wie ein älterer Mann umgefallen, wieder aufgestanden und weiter getorkelt sei. Überall, wo der Mann gelegen habe, hätten sich dunkle Flecken gebildet. Den älteren Mann habe er dann als seinen Nachbarn aus einem der Nachbarhäuser identifizieren können. Völlig schockiert sei er gewesen, als er dann gemerkt habe, dass die dunklen Flecken aus Blut und Fleischstücken bestanden. Der Verletzte sei inzwischen außer Sichtweite weitergetorkelt. Deshalb sei er ins Haus zurückgelaufen um sich etwas „Richtiges“ anzuziehen und Verbandsmaterial zu holen. Er habe sich dennoch in einer Art „Schockstarre“ befunden und dementsprechend auch so gehandelt, erzählt der Zeuge weiter. Er habe, während er sich umzog, seine Frau informiert, dass der Nachbar wohl viel Blut verlieren würde und dass er nach dem Mann nun suchen werde. „Mir war klar, dass solch ein großer Blutverlust lebensgefährlich ist. Ich habe mein Fahrrad geholt und bin losgefahren, um den Nachbarn zu suchen“, erzählt W. weiter. Tatsächlich findet der Zeuge den von den Machetenhieben schwer verletzten Bernd G. viele Meter entfernt in der Nähe der KiK-Filiale an der Frankfurter Straße in einem Vorgarten. Der Verletzte sei gekrochen und habe vor Schmerzen gewimmert, erläuterte W. Vorher, wie er ihn zuerst bemerkt habe, sei Bernd G. hinterrücks hingefallen, habe sich wieder aufgerichtet und sei erneut nach hinten umgefallen. Der Zeuge kümmert sich um seinen Nachbarn, versucht ihm zu helfen und ruft die Polizei an. Er schildert den Beamten den Fall, die daraufhin sofort ein Sanitäts-Fahrzeug alarmieren.

Unverständlich ist es für den Zeugen W., dass bis zu seinem Eingreifen niemand in der Straße dem Opfer geholfen hat. „Ich sage dazu hier jetzt lieber nichts“, meint er. W. erzählt in plastischer Art und Weise noch, wie eine Frau aus dem Fenster gerufen habe, was denn die beiden Männer in ihrem Vorgarten machen würden. Sie sollten das Grundstück verlassen, sonst würde sie die Polizei rufen. Der Vorsitzende Richter lobt W. ausdrücklich für seinen Einsatz am 2. August, mit dem er dem Rentner wie oben beschrieben vielleicht sogar das Leben gerettet hat.

Übrigens: Bernd G. hat sich in der Zwischenzeit, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen worden war, bei W. für seine Hilfe bedankt.

Der Prozess wird heute vor dem Landgericht Wiesbaden fortgesetzt.

(meh)
Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse