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Mehr Flüge, mehr Lärm

Die Drähte liefen heiß: Bei unserer Telefonaktion kurz vor dem Jahrestag der Nordwest-Landebahn-Eröffnung meldeten sich in fünf Stunden zahlreiche Flörsheimer, aber auch Bürger aus Wicker, Eddersheim und Hochheim. Wegen der riesigen Resonanz haben wir uns für eine zweiteilige Berichterstattung entschieden. In unserer gestrigen Ausgabe hatten wir den ersten Teil über die Meinungen der Anrufer veröffentlicht, heute folgt der zweite Teil.
Auf die Belastungen durch Fluglärm machten Demonstranten mit diesem Riesenplakat auf den Mainwiesen aufmerksam. Foto: Nietner Auf die Belastungen durch Fluglärm machten Demonstranten mit diesem Riesenplakat auf den Mainwiesen aufmerksam. Foto: Nietner

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"Die Behauptung von Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch, es gebe einen dauerhaften Ausgleich zwischen Bewohnern und der Luftverkehrswirtschaft, halte ich für verkehrt. Es wird wohl eher noch lauter werden. Wir werden morgens um 5 Uhr vom Fluglärm geweckt, abends gehts dann bis 23 Uhr weiter. Aber auch danach gibt’s noch Flüge über unser Haus. Wir wohnen seit zwölf Jahren in Hochheim. Wir haben hier Freunde und Bekannte, engagieren uns im Vereinsleben. Das will man alles nicht einfach hinter sich lassen. Vielleicht käme ein Umzug ins neue Baugebiet Schänzchen 3 in Frage. Doch wir haben uns auch schon außerhalb von Hochheim umgeschaut. Aber eigentlich wollen wir hier gar nicht weg. Unsere Kinder gehen noch drei Jahre in Mainz zur Schule. Solange werden wir auf jeden Fall noch in Hochheim bleiben. Was danach ist, wissen wir noch nicht genau."

Flugzeiten in der Kritik

Anneliese Pingel, Raunheimer Straße, Eddersheim:

"Wir haben keine Ruhe mehr. Weder am Tag, noch in der Nacht. Wir haben Schallschutzfenster eingebaut und einen Umlüfter. Aber was nutzt uns das alles? Im Sommer können wir nicht mehr so wie früher unseren Garten benutzen. Und wir sind durch den Lärm um Punkt 5 Uhr morgens wach. Wir wohnen seit über 30 Jahren hier am Main, wir sind Rentner und wollen nicht mehr wegziehen. Doch was sollen wir machen? Die Frage ist auch, ob die Demonstrationen was bringen. Wir fühlen uns von den Politikern nicht ernst genommen. Es kann auch nicht mehr leiser werden, es kommen ja noch mehr Starts und Landungen auf dem Flughafen. Ich weiß nicht, wie das noch werden soll. Irgendwann muss mal Schluss damit sein."

Anruferin ohne Namensnennung, Südring, Hattersheim:

"Wir wohnen im 14. Stock eines Hochhauses im Südring. Seit einem Jahr hat der Fluglärm zugenommen. Wir sind frustriert über diesen Lärm, der täglich zu hören ist. Zudem werden die Nachtflugzeiten nicht eingehalten. Vor allem die vom Frankfurter Flughafen startenden Flugzeuge, die hier über Hattersheim fliegen, sind sehr laut. Die nächsten Wochen werden es zeigen, ob der Fluglärm tatsächlich abnehmen wird."

Wie Luftangriffe

Heike Borchers, Eschborn-Niederhöchstadt:

"Wir haben große gesundheitliche Probleme wegen des Fluglärms. Dies äußert sich in Bluthochdruck und Schlaflosigkeit. Es gibt Tage, da fliehen wir von zu Hause. Wir sind verzweifelt. Wir haben seit über einem Jahr keine Ruhe mehr, besonders durch die Gegenanflüge werden wir gestört. Wir wohnen seit 1981 in Niederhöchstadt, haben uns das Reihenhaus am Feldrand, in dem wir wohnen, nach genauer Überlegung ganz bewusst ausgesucht, um ruhig leben zu können. Mein Mann ist 76 Jahre alt, ich bin 67 Jahre. Ich empfinde es als Eingriff in die Persönlichkeitsentwicklung, wenn an schlechten Tagen der Lärm unzumutbar ist und bis zu 300 Überflüge stattfinden. Dazu kommen noch die Durchstarter, die es ja oft genug gibt. Von früh morgens bis tief in die Nacht müssen wir den Lärm aushalten. Eine alte Dame, die bei uns mal zu Besuch war, hat gedacht, es wären Luftangriffe, die da über uns passieren, und hat einen Schock erlitten. Dazu kommt noch, dass wir uns in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlen. Die Schreibtischtäter, die dafür verantwortlich sind, bewegen sich in einem rechtsfreien Raum. Und der Lärmaktionsplan ist das Papier nicht wert, auf dem er steht. Was sind das für Zustände? Hat sich darüber niemand mal Gedanken gemacht? Wir können das nicht verstehen. Wir verschicken Protestbriefe und sind Mitglied in einer Bürgerinitiative gegen Fluglärm in Bad Soden. "

Astrid Hartmann, Maler-Schütz-Straße, Flörsheim:

"Wir wohnen seit 25 Jahren in Flörsheim. Wir haben die Stadt und Leute hier liebgewonnen, es ist ein gemütlicher und schöner Ort. Wo gibt es noch so etwas, dass sie in einer Stadt so schnell und freundlich aufgenommen und gleich akzeptiert werden? Ich bin Frankfurterin und lebe sehr gerne hier. Genau so wie die Frankfurter feiern auch die Flörsheimer gerne. Hier ist es sehr schön. Wenn nicht der Fluglärm wäre. Unsere Nachbarn haben ganz bewusst ihr Haus verkauft und sind wegen des Fluglärms weggezogen. Das wollten sie nicht mehr auf sich nehmen. Ich weiß nicht, wie lange wir noch hier aushalten. Bei Ostwetterlage wird man hier aggressiv, weil die Überflüge sehr laut sind und man sich nicht mehr normal unterhalten kann. Den Fernseher muss man dann auch lauter einstellen, sonst hört man nichts mehr. Schlafen geht nur noch mit Oropax. Und wenn es drei Wochen lang Überflüge gibt, dann geht das an die Substanz. Denn dann gibt es von 5 bis 23 Uhr eine Dauerbeschallung. Wir haben in Flörsheim ein Haus gebaut und in den Jahren danach auch viel investiert. Ob wir das bei einem Verkauf wieder herausbekommen würden, ist fraglich."

Anruferin ohne Namensnennung, Bad-Soden Neuenhain:

"Es ist für die Fluglinien viel zu einfach, Ausnahmegenehmigungen für die Nachtflüge zu bekommen. Es wird sehr oft viel früher als 5 Uhr morgens geflogen. Das Nachtflugverbot muss aber durchgezogen werden. Um 23 Uhr muss bis um 5 Uhr konsequent Schluss sein mit dem Fliegen. Manchmal vibriert es bei uns, wenn die Maschinen bei uns fliegen. Mein 80 Jahre alter Vater schüttelt darüber nur den Kopf. Er kann nicht verstehen, wie man solch einen Lärm den Menschen zumuten kann. Wenn er jünger wäre, würde er sich bestimmt mit Gleichgesinnten gegen den Fluglärm engagieren. Das Schlimme ist, dass wir zwei bis drei Tage Ruhe haben. Dann geht es wieder von vorne los. Auf Dauer kann man das nicht ertragen."

Anruferin ohne Namensnennung, Alte Mainstraße, Okriftel:

"Als ich mit meinem Hund nach Eröffnung der Landebahn Nordwest im vorigen Jahr wie üblich am Main spazieren gegangen bin, kam ein Flugzeug in Richtung Nordwestbahn angeflogen. Mein Hund hat sich rumgedreht und wollte nicht mehr weiter Gassi gehen. Er hat schon bei den Bauarbeiten für die Nordwest-Bahn manchmal viel mehr gehört als wir und wollte dann auch nicht mehr spazieren gehen. Wir bekommen im alten Ortskern von Okriftel beides ab: Abflüge wie auch Landeanflüge. Das Bett von meinem Sohn hat schon mehrmals gewackelt, seitdem im vorigen Jahr die Landebahn eröffnet wurde. Manches Mal vibriert hier im Haus fast alles. An manchen Tage geht es aber, dann vibriert hier nichts. Besonders bei Ostwind ist der Lärm, den die Flugzeuge verursachen, sehr laut. Wir wohnen hier seit über 30 Jahren. Aber so etwas hat es noch nie gegeben. Es gibt nur eine Lösung, um das abzustellen: Die Landebahn muss stillgelegt werden."

Mehr Rollgeräusche

Margit Meryk, Karl-Staib-Straße, Okriftel:

"Wir wohnen seit 55 Jahren in Okriftel. Es ist seit Eröffnung der Nordwest-Landebahn sehr viel lauter geworden, nicht nur nachts, sondern vor allem auch tagsüber. Wir haben mehrere Lärmquellen, die zugenommen haben. Die Rollgeräusche der Flugzeuge kommen hier vor allem morgens als Quietschgeräusche an. Das hängt wahrscheinlich mit der Feuchtigkeit und den Reifen zusammen. Wir hören auch die Triebwerksgeräusche, wenn die Flieger dann noch mal Schub zum Überqueren der Brücke benötigen. Außerdem ist es bei Südwind auf der Startbahn West lauter geworden. Wir hören dann die Abflüge sehr deutlich. Wie der Flughafenausbau auch weiter weg von Frankfurt für mehr Lärm sorgt, haben wir zufällig bei einem Ausflug nach Gelnhausen gemerkt. Auch das gibt es jetzt Fluglärm, das hat es früher nicht gegeben."

Lange Antragsbearbeitung

Peter Würffel, Friedrich-Ebert-Straße, Flörsheim:

"Seit 31 Jahren wohne ich hier. Aber was seit dem vorigen Oktober hier hereingedüst ist, dass war nicht mehr auszuhalten. Lesen auf dem Balkon ist bei Ostwind nicht mehr möglich. Ich verstehe nicht, warum es Flörsheim, und nicht Zeppelinheim beim Ausbau getroffen hat. Aber was der Grund dafür war, werden wir nicht erfahren. Was mich aufregt, sind die langen Bearbeitungszeiten für die Anträge auf Schallschutz. Die Fraport AG benutzt quasi das Regierungspräsidium Darmstadt für die Verwaltungsarbeiten. Die Mitarbeiter beim Regierungspräsidium sind sehr freundlich und auch fachkundig. Ich war einer der ersten Antragssteller, die ihre Unterlagen in Darmstadt eingereicht haben. Doch bis heute ist darüber noch nicht entschieden worden."

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