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Atrium wird Flüchtlingsunterkunft: „Menschen in Not helfen“

Alles Schimpfen auf die Bundespolitik nützt nichts: Schwalbach muss 231 Asylbewerber aufnehmen. Bei einem Infoabend überwiegt eine pragmatisch-sachliche Haltung in dieser Frage.
Das Atrium wurde 2014/15 umfangreich saniert. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Umwandlung in eine Asylbewerbeunterkunft. Ab 8. Februar sollen dort mehr als 100 Flüchtlinge unterkommen. Anwohner sollen am Freitag, 5. Februar, Gelegenheit haben, die Unterkunft zu besichtigen (ab 16 Uhr). Das Atrium wurde 2014/15 umfangreich saniert. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Umwandlung in eine Asylbewerbeunterkunft. Ab 8. Februar sollen dort mehr als 100 Flüchtlinge unterkommen. Anwohner sollen am Freitag, 5. Februar, Gelegenheit haben, die Unterkunft zu besichtigen (ab 16 Uhr).
Schwalbach. 

„Die Schwalbacher sind halt cool und entspannt“, sagte ein Bürger beim Rausgehen. In Schwalbach sind es die Menschen gewohnt, mit Menschen aus vielen Nationen auszukommen.

Mit Sicherheit liegt es an dieser realen Erfahrung, dass auch bei Groß-Veranstaltungen zum Thema Flüchtlinge – wie jetzt am Montag beim Informationsabend der Stadt zur aktuelle Einquartierung von Flüchtlingen im Atrium – keine unverhohlene Feindseligkeit und aufgeregte Angst-Szenarien von Bürgerseite beschworen wurden. Vielmehr herrschte eine sachliche, pragmatische und menschliche Haltung zur Flüchtlingsfrage bei den Schwalbachern vor. Dabei waren alle Bürger eingeladen, und jeder konnte seine kritische Meinung sagen. Rund 300 Schwalbacher kamen und diskutierten mit.

Zum Großteil Männer

„Die Flüchtlingsaufnahme ist unsere Aufgabe, für die wir Lösungen brauchen, mit denen sowohl die Schwalbacher als auch die Flüchtlinge gut leben können“, sagte Bürgermeisterin Christiane Augsburger (SPD). Alle politischen Parteien zögen dabei an einem Strang, sagte sie. Jugend- und Sozialamtsleiterin Brigitte Wegner präsentierte die Fakten anhand von aktuellsten Zahlen des Main-Taunus-Kreises und des Raum-Plans des Atriums. Die 15 000 Einwohner-Stadt Schwalbach muss demnach, einschließlich des ersten Quartals 2016, 231 Flüchtlinge aufnehmen. 82 sind bereits da, 149 muss die Stadt im Februar als Direktzuweisung unterbringen – noch bevor die Unterkünfte im Westring/Frankenstraße und Am Erlenborn komplett dastehen, die diese Menschen beherbergen sollen. Im Atrium werden rund 116 Flüchtlinge übergangsweise unterkommen, im Multifunktionsraum des Naturbades und im Raum 9 und 10 des Bürgerhauses sind weitere Ausweichquartiere vorgesehen, so Augsburger. Vorwiegend aus Syrien und Afghanistan kommen die Flüchtlinge, zum Großteil Männer, zwischen 25 und 45 Jahren, sagte Wegner zur Statistik. Praktisch gar keine Nachfragen gab es von direkten Anwohnern des Atriums.

Vereine dürfen bleiben

Die nächsten Hauptbetroffenen sind die Vereine, die das Atrium nutzen. Ihre Vereinsräume bleiben unangetastet, so Augsburger. Von den Vereinen kamen positive Signale. Eine junge Frau vom Tanzsportclub bot an: „Wir würden gerne ein Projekt mit Tanz und Musik für die Flüchtlinge machen“, sagte sie. Suhila Thabti-Megharia von der Flüchtlingshilfe Schwalbach saß mit auf dem Podium der Stadtverwaltung. „Die Bevölkerung hat Angst, dass sich ihre Stadt verändert. Die Flüchtlinge haben Angst, was auf sie zukommt. Sich kennenlernen ist das beste Mittel gegen Angst“, ist ihre Empfehlung. Die Flüchtlingshilfe mit Koordinator Klaus Stukenborg organisiert deshalb ein Begegnungscafé. Viele Schwalbacher Migranten helfen nun den neuen Flüchtlingen. In Unterschriftenlisten konnten sich weitere Helfer eintragen. Eine Frage kam auf, wie es um die Ansteckungsgefahr durch Krankheiten bestellt sei. Augsburger antwortete, dass alle Flüchtlinge medizinisch untersucht werden. Fachpersonal jeglicher Art werde derzeit bundesweit aufgestockt, ist der Wissensstand der Stadt. Auch bei der Bearbeitung der Asyl-Anträge solle es künftig schneller gehen. „Wir wissen ja gar nicht, wie viele Menschen bleiben dürfen oder wieder zurückkehren wollen, wenn ihre Heimat befriedet ist“, sagte Augsburger.

Vereinzelt gab es kritische und besorgte Stimmen angesichts des Flüchtlingsstroms. Ein Mann wollte wissen, ob die Stadt oder der Kreis Schuld sei, dass nun Notunterkünfte wie das Atrium gebraucht werden. „Es ist für uns alle eine Herausforderung, mit der keiner gerechnet hat“, antwortete Augsburger. Die extremste Position vertrat jedoch eine Frau, die keinen Zuspruch bekam: „Die Flüchtlingsfrage wird unsere Gesellschaft zerreißen und zwar durch die Mitte und nicht am rechten Rand. Ich fordere von den Amtsträgern eine Verweigerung der Flüchtlingsaufnahme.“ Der Tenor in Schwalbach war unter viel Zwischenapplaus genau gegenteilig: „Wir wollen Menschen in Not helfen. Wir wollen das gemeinsam schaffen. Wir können das.“

(ku)
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