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Mini-Kirche vom Alt-Baumeister

Karl-Heinz Franz hat das Gotteshaus von St. Martin im Maßstab 1:75 erstellt – mit Orgel, Bänken und Beleuchtung. Gemeinsam mit Kuni Nagel ist der 82-Jährige der letzte Erbauer des Gebäudes, das vor 60 Jahren eingeweiht wurde.
Extra fürs Kreisblatt hat Karl-Heinz Franz sein Modell vor die Martins-Kirche gebracht. Extra fürs Kreisblatt hat Karl-Heinz Franz sein Modell vor die Martins-Kirche gebracht.
Hornau. 

Der kleine Bub staunt nicht schlecht, als ihm Karl-Heinz Franz die Kirche zeigt. Allerdings nicht das riesige Gotteshaus aus Stein, sondern die Miniatur-Nachbildung der Martins-Kirche im Maßstab von 1:75. Als Franz das Dach seines Kunstwerks öffnet, geraten sogar die anwesenden Hornauer Ortshistoriker ins Schwärmen. Der Schwalbacher hat viele Details nachempfunden, wie die Kirchenbänke, das Kreuz oder die Orgel. Sogar eine Beleuchtung hat das sakrale Minigebäude noch bekommen.

Beim Brückenfest am Sonntag, 3. Juni (siehe "Info"), soll das Modell vorgestellt werden. Auf jeden Fall soll es laut Dieter Trippe, Vorsitzender der "Bürger für Hornau", künftig hinter Kunststoffglas ausgestellt werden. Trippe war es auch, der die Idee für die Mini-Kirche vorantrieb. Vor etwa drei Jahren traf er Franz bei einem Konzert des Mandolinenclubs. Der begeisterte Modellbauer, der früher in Kelkheim wohnte, wollte für die "Bürger für Hornau" erneut zum Bastler werden und setzte sich gleich an die Hobelbank seiner Kellerwerkstatt. "Drei Winter" habe er dafür gebraucht – nun ist das Modell rechtzeitig zum 60. Jahrestag der Kircheneinweihung fertig geworden.

Müllers Zimmermann

Doch Karl-Heinz Franz ist noch in anderer, besonderer Weise mit dem Gotteshaus in Hornau verbunden. Er ist einer letzten noch lebenden Baumeister. Der 82-Jährige war als Zimmermann bei der Firma Heinrich Müller in Kelkheim beschäftigt. Zwar hatte der Holzmann-Konzern die Bauleitung, doch der heimische Betrieb war für die Holzbauten der unteren Rundungen sowie die komplette Verschalung zuständig. Auch bereiteten die Zimmerleute die Haukrippen für die Maurer vor, die darin unter anderem den Mammolshainer Taunusgneis bearbeiteten. Der diente aber nur zur Verzierung, die Wände wurden aus Trümmersteinen des Zweiten Weltkrieges errichtet. Da haben sogar die Kinder geholfen, um den Speis abzuschlagen, erinnert sich Trippe.

Architekt am Staufen

Zu den Baumeistern der Kirche zählt übrigens noch Kuni Nagel, der ebenfalls zum Brückenfest erwartet wird. Der heute 92-Jährige hat damals als Maurer gearbeitet. Den Entwurf für das Gotteshaus hatte der Frankfurter Architekt Christoph Rummel angefertigt – "nach dem Stil der Paulskirche", wir Trippe stolz berichtet. Um zu sehen, wie die neue Martinskirche in die Landschaft passt, sei Rummel damals sogar auf den Staufen gelaufen. Das Gebäude, das von 1947 bis 1952 gebaut wurde, sollte die alte und zu kleine Martinskirche an der anderen Bachseite ersetzen.

Franz hatte für sein Modell zwar die Pläne zur Hand, fotografierte mit seiner Frau aber noch einmal die tatsächliche Situation. "Da habe ich gesehen, dass es oft nicht mit den Plänen übereinstimmt hat", erzählt der 82-Jährige, der den Mandolinenclub gründete und 36 Jahre lang führte. Mit Schreiner Trippe habe er auf so mancher Baustelle in der Stadt gemeinsam gearbeitet. Beide sind in Zeilsheim groß geworden und schlugen später den Weg zum Bautechniker ein. Studieren konnte Franz zunächst nicht, weil das Geld damals durch die Währungsreform nichts mehr wert und sein Vater plötzlich gestorben war. Also musste der junge Mann seinen Gesellen machen und Geld verdienen.

"Das war eine echte Knochenarbeit", sagt Trippe über den Bau der Kirche. Mit einigen Hindernissen: Weil das Kelkheimer Sägewerk Diehl keinen Strom hatte, mussten die Zimmerleute mit Rundhölzern arbeiten – auch das Gerüst war mit solchen Stangen zusammengebunden. Damals habe es die 48-Stunden-Woche gegeben, erinnert sich Franz. Später sei es über 45 auf 40 Stunden erträglicher geworden. Immerhin hatten die Fachleute noch die "Hanjer", die Handlanger. Dass die Einheimischen am Gebäude mitarbeiteten, bewertet Trippe heute sehr hoch. Zudem sei die Kirche architektonisch etwas "ganz Besonderes und steht zu Recht unter Denkmalschutz".wein

(Frank Weiner)
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