E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 16°C

Erster Weltkrieg: Mit 34 an die Westfront

Von
Diedenbergen. 
Feldflasche von Wilhelm Kleber aus dem Ersten Weltkrieg. Fotos: nie Bild-Zoom
Feldflasche von Wilhelm Kleber aus dem Ersten Weltkrieg. Fotos: nie

Wie groß die Begeisterung beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges war, ist bekannt. Bilder von optimistisch an die Front abziehenden Soldaten finden sich immer wieder. Dabei unterschlagen sie immer wieder eines: Berufssoldaten waren die wenigsten; die meisten, gerade diejenigen, die vom Land kamen, waren einfache Handwerker und Bauern, die durch den Kriegsausbruch jäh aus ihrem Alltagsleben gerissen wurden. Auf das, was kam, waren viele nicht im Geringsten vorbereitet – entsprechend groß war die Ernüchterung.

Ein Beispiel ist Wilhelm Kleber aus Diedenbergen. Er hatte einen respektablen Hof in der Pfarrgartenstraße und wohl die Landwirtschaft von einem Vater übernommen. Nebenher hat er eine Schmiede betrieben. Die Söhne haben Landwirtschaft und auch dieses Handwerk übernommen – eine übliche Familiengeschichte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts also. Der Krieg ist wohl eine Zäsur dieses Lebens gewesen.

 

1902 eingezogen

 

Dabei schien für Wilhelm Kleber das Thema Militär schon abgeschlossen. 1882 geboren, wurde er 1902 eingezogen, um den gewöhnlichen Wehrdienst abzuleisten. Wenige Tage nach Kriegseintritt, am 6. August 1914 nämlich, wurde er wieder eingezogen, diesmal war es ernst. Kleber musste nach Frankreich. Angesichts der mörderischen Schlachten, die sich dort abspielten, musste jeder froh sein, der einigermaßen unversehrt nach Hause kam.

Was er genau erlebte, ist nicht bekannt. „Er hat nicht viel vom Krieg erzählt“, sagt Hanno Kleber, der heute noch unweit des großväterlichen Hofes in der Pfarrgartenstraße wohnt. Eine Menge Fotos und Postkarten hat der Großvater hinterlassen, aber die sagen nicht viel aus. Über Militärisches durfte auf Postkarten von der Front ohnehin nicht berichtet werden. Die Fotos zeigen in der Regel die Soldaten in Uniform – damit die Familie zu Hause etwas zum Herzeigen hatte.

Die »Carte d'Identité« von Wilhem Kleber. Fotos: nie Bild-Zoom
Die »Carte d'Identité« von Wilhem Kleber. Fotos: nie

Klebers anderer Großvater, Christian Weber, war ebenfalls an der Front, im Hauptberuf hat er als Maurer bei der Baufirma Kunz in Höchst gearbeitet. Auch von ihm habe er nicht viel erfahren, berichtet Kleber. Immerhin – Großvater Wilhelm Kleber hat eine Feldflasche und einen Stock hinterlassen, Hanno Kleber bewahrt außerdem einen Reservistenkrug auf. Der stammt von einem Urgroßvater namens Isensee, der als Husar gedient hat.

Von Wilhelm Kleber hat Hanno Kleber noch ein Soldbuch. 15,90 Mark monatlich gab es als Kriegslöhnung, dazu Verköstigung im Felde. Seltener sind die Pässe, die nach dem Krieg die Besatzungsbehörden ausstellten. „Carte d’Identité“ heißt das Ausweispapier, was schon darauf hindeutet, dass Diedenbergen zur französisch besetzten Zone gehörte. Alle Personen ab 12 Jahren hätten einen solchen Ausweis bei sich zu führen, heißt es noch.

Man ahnt, dass es nach dem Krieg zwar keine unmittelbare Lebensgefahr mehr gab, aber die Zeit der Entbehrungen noch nicht abgeschlossen war. In Hofheim und Umgebung waren überdurchschnittlich viele Franzosen stationiert – das Gebiet wurde als linksrheinischer Brückenkopf gegenüber von Mainz von den Franzosen gehalten. Das Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung soll mehr als gespannt gewesen sein. Erst im Jahr 1929 ging die Besatzungszeit zu Ende.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen