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Betroffene schildern: Nach dem Brand in Hattersheim stehen zwei Familien auf der Straße

Von Bei einem Großbrand sein Zuhause zu verlieren, das ist schrecklich. Zwei Familien hat dieses Schicksal in Hattersheim ereilt. Familie Blankenstein hingegen hatte noch Glück im Unglück.
Auch das Haus von Melanie und Oliver Blankenstein wurde beim Brand in Mitleidenschaft gezogen und ist unbewohnbar. Foto: Hans Nietner Auch das Haus von Melanie und Oliver Blankenstein wurde beim Brand in Mitleidenschaft gezogen und ist unbewohnbar.
Hattersheim. 

Von außen sieht es aus, als hätte der Großbrand vor der Hausnummer 39 „Im Lerchenfeld“ Halt gemacht. Und auch, wenn man das Gebäude betritt, sieht man auf den ersten Blick nichts, was beschädigt wirkt. Doch der Geruch von Ruß und verbranntem Holz, der über der Sackgasse hängt, hat sich wie bei den Nachbarn auch in den Räumen des Hauses von Familie Blankenstein festgesetzt.

„Wir hatten unheimliches Glück im Vergleich zu den anderen Familien“, berichtet Melanie Blankenstein. Am Montagabend war die 33-Jährige diejenige, die im Haus zuerst den Rauchgeruch wahrnahm. „Ich war unten im Keller an der Waschmaschine, als ich den Geruch bemerkte. Dann habe ich erstmal geschaut, ob es vielleicht bei uns aus dem Heizungskeller kommt.“ Doch es kam nicht aus ihrem Haus. Auf der Straße blinkte schon das Blaulicht und die Feuerwehr versuchte bereits, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. „Ich habe bei unseren Nachbarn geklingelt und gesagt, dass sie rauskommen sollen“, berichtet Oliver Blankenstein.

Das Flachdach des Hauses wurde von den Flammen verwüstet und ist zum Teil eingebrochen. Bild-Zoom Foto: Hans Nietner
Das Flachdach des Hauses wurde von den Flammen verwüstet und ist zum Teil eingebrochen.

Er und seine Frau sind erst vor zwei Jahren in das Haus gezogen. „Für uns war es schon ein Schock, aber für unsere Nachbarn noch viel mehr. Einige von ihnen leben bestimmt schon 50 Jahre hier und müssen nun alles wieder aufbauen.“ Besonders tragisch: Das Ehepaar im ersten Haus hatte gerade begonnen, das Bad zu sanieren. „Ich dachte am Anfang, dass es eventuell einen Kurzschluss gegeben haben könnte.“ Dem war nicht so: Das Feuer brach in einem Wohnmobil aus, das an der Hauswand zur Straßeneinbiegung stand. Die Kripo Hofheim geht von Brandstiftung aus. Wer das Feuer gelegt haben könnte, ist noch unklar.

Nachdem alle Nachbarn informiert worden waren, wollte Melanie Blankenstein gemeinsam mit dem Sohn Tim am Hauseingang warten, bis es vorbei ist. „Doch dann kam die Polizei und sagte, es müsse alles evakuiert werden“, berichtet der Familienvater. „Ich habe dann nur das wichtigste eingepackt: Windeln, Milch, Portemonnaies und das Stammbuch“, erzählt Melanie Blankenstein. Für sie und den sieben Monate alten Tim ging es dann zur Schwiegermutter. „Ich bin hier geblieben und habe beobachtet“, sagt Oliver Blankenstein. „Immer wieder haben die Einsatzkräfte versucht, durch das Dach zu kommen, um löschen zu können. Doch es schien sehr schwer zu sein. Wenn sie durchkamen, schlugen ihnen die Flammen entgegen. Das war sichtlich ein Kraftakt.“

120 Einsatzkräfte

Rund 120 Einsatzkräfte waren vor Ort, um gegen die Flammen zu kämpfen. „Das Dach war mit Bitumenbahnen gedeckt, so dass es sehr schwierig war, an den Brandherd heranzukommen. Mit der Motorsäge haben wir es immer wieder versucht, doch durch die Flammen wurden sie schnell heiß und die Sägeblätter setzten sich mit dem Material zu“, berichtet Stadtbrandinspektor David Tisold. Nur durch das Schlagen einer Schneise in das Dach sei es möglich gewesen zu verhindern, dass die Flammen auch auf das Haus der Familie Blankensteins übergriff.

Seit dem Brand sind drei Familien obdachlos. Die Blankensteins werden wohl die ersten sein, die ihr Zuhause wieder beziehen können. In einem Monat soll es so weit sein. „Unsere Nachbarn hat es viel schlimmer getroffen. Da muss wahrscheinlich alles raus und erneuert werden“, berichtet Melanie Blankenstein. In ihrem Haus wurde der Keller durch die Löscharbeiten überschwemmt. Der Raum wurde aber bereits wieder trockengelegt. „Unsere Möbel müssen noch gereinigt werden. Auch müssen wir den Ruß von den Wänden und den Böden bekommen. Er hängt überall.“

Mit einem Großaufgebot bekam die Feuerwehr den Brand der Reihenhäuser in der Nacht zum Dienstag in Griff. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Mit einem Großaufgebot bekam die Feuerwehr den Brand der Reihenhäuser in der Nacht zum Dienstag in Griff.

Bis sie wieder zurückkommen, sind sie bei Freunden untergekommen. Ihre Nachbarn werden länger warten müssen, bis sie zurückkönnen. „Es ist von einem halben Jahr die Rede gewesen. Eine Familie sucht sich wohl eine Ferienwohnung. Die anderen sind auch bei Freunden“, wissen die beiden.

Auch für die Kaninchen der Familie gibt es eine Zwischenlösung: „Erst als wir schon evakuiert waren, sind mir Luna und Jona wieder eingefallen, aber zum Glück ist ihnen nichts passiert“, sagt Melanie Blankenstein. Die beiden Tiere kommen bei einer Helferin des Deutschen Roten Kreuzes unter. „Wir sind so dankbar für die Hilfe, die wir bekommen“, berichtet das Paar.

Die Stadt berichtet, dass sich bereits etliche Leute gemeldet haben, um den Familien zu helfen. Auch ein Spendenkonto soll in der nächsten Woche eingerichtet werden. „Wir sammeln erst einmal die Angebote. Es ist besser, wenn wir erst abwarten, was wirklich gebraucht wird – Geld, Dienstleistungen oder Sachspenden. Dann können die Spender gezielt helfen“, erklärt Rathaussprecherin Monika Münch.

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