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„Nichts als Augenwischerei“

Von Durch die von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gestern vorgestellten Lärmmodelle werden die Randstunden noch voller gepackt, fürchtet Hans-Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins „Für Flörsheim“.
Super-Flieger wie auch dieser A 380 landen regelmäßig auf Rhein-Main. In den Randstunden sollen einzelne Landebahnen nach dem Lärmpausenmodell des Verkehrsministers nicht angeflogen werden.	Foto: Archiv Super-Flieger wie auch dieser A 380 landen regelmäßig auf Rhein-Main. In den Randstunden sollen einzelne Landebahnen nach dem Lärmpausenmodell des Verkehrsministers nicht angeflogen werden. Foto: Archiv
Flörsheim. 

Vor allem die Flörsheimer, die im Norden der Stadt von der Nordwest-Landebahn betroffen sind, wünschen sich eine Eindämmung des Dröhnens am Himmel. Als Aussicht auf eine Verringerung der Lärmzeiten stellte gestern Hessens Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarik Al-Wazir (Bündnis90/Grüne) das Modell der Lärmpausen vor. Hoffnung und Begeisterung halten sich in der Mainstadt allerdings in Grenzen.

Mehr Nachtruhe?

Der Verkehrsminister der Grünen sprach von einem Modell, das eine Stunde mehr Nachtruhe garantiere als das bestehende Nachtflugverbot. „Sieben Stunden Lärmpause sind möglich“, sagt Al-Wazir. Aus 256 Varianten seien 5 Modelle ausgewählt worden, die für einen Probebetrieb im März 2015 in Frage kommen. Im Kern geht es darum, dass der Flugverkehr in den Nachtrandstunden zwischen 22 und 23 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr auf die drei Start- und Landebahnen verteilt wird. Durch den wechselnden Betrieb der Bahnen sollen die Menschen in einer Region entweder morgens oder abends entlastet werden. „Wir bündeln Verkehr auf den jeweils genutzten Bahnen“, erklärt Tarik Al-Wazir. Die verschiedenen Optionen sollen mit der Fluglärmkommission, dem Forum Flughafen und Region sowie den Interessenverbänden diskutiert werden. Eine Entlastung der Nordwestlandebahn in den Morgenstunden lässt sich allerdings in keinem der Modelle umsetzen. Aufgrund des Nachtflugverbotes seien morgens um 5 Uhr deutlich mehr Flugzeuge in der Luft, die landen müssen, erläutert Verkehrsminister Al-Wazir. In Flörsheim wird es bei Ostbetrieb also höchstens am Abend früher leise.

Jeder Versuch, die Belastung durch den Flughafen einzudämmen, sei begrüßenswert, urteilte gestern der Flörsheimer Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD). Der Verwaltungschef sieht allerdings ein Problem darin, dass es sich bei den Lärmpausen um eine Umverteilung des Lärms handelt. „Kann man einigen Menschen eine siebenstündige Pause gönnen, ohne andere dabei über Gebühr zu belasten?“, hinterfragt der Flörsheimer das Konzept. Dies sei die entscheidende Frage, die sich im Zusammenhang mit den Lärmpausen stelle. Antenbrink nennt das zweite der fünf vorgestellten Modelle als negatives Beispiel.

Umverteilung des Lärms

Diese Variante sieht vor, die Südbahn bei Ostbetrieb zu beruhigen, indem die Flugzeuge zwischen 5 und 6 Uhr auf der Centerbahn und der Nordwest-Landebahn aufsetzen. Flörsheim würde in diesem Fall morgens von zwei Seiten gleichzeitig beschallt. „Da schläft keiner mehr“, betont Michael Antenbrink. Der Rathauschef legt Wert darauf, dass es in den stark belasteten Gebieten keine zusätzliche Belastung in den Nachtrandstunden geben dürfe.

Der Flörsheimer Bürgermeister sitzt in der Fluglärmkommission und wird an den kommenden Gesprächen beteiligt sein. In Bezug auf die möglichen Verbesserungen ist er jedoch skeptisch: „Große Hoffnungen habe ich nicht“, erklärt Antenbrink. Auch Hans-Jakob Gall, Vorsitzender des Vereins „Für Flörsheim“ befürchtet, dass der Flugbetrieb am frühen Morgen in Flörsheim durch die Lärmpausen zunimmt.

Bündelung der Flüge

Die Nachtrandstunde am Morgen werde „noch voller gepackt“. Gall bewertet die Bemühung des Verkehrsministers als positiv, kritisiert jedoch, dass „die richtige Lösung“ damit nur weiter hinaus geschoben werde. „Die drücken sich damit um die Forderung eines Nachtflugverbotes von 22 bis 6 Uhr“, sagt der Flörsheimer. Positiv findet er, dass durch die Bündelung der Flüge im Lärmpausenmodell die Kapazität des Flughafens abnehme.

Carola Gottas von der BI Flörsheim-Hochheim gegen den Fluglärm findet noch kritischere Worte: Die Aktivistin spricht von „Augenwischerei“. Bei den Lärmpausen handele es sich nur um eine Verschiebung des Fluglärms, um die Bürger ruhig zu stellen und den Flughafen weiter auszubauen. „Die Lärmpausen bringen weder Lärm- noch Schadstoffreduzierung“, kritisiert die Flörsheimerin.

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