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Nied im Ersten Weltkrieg

Dem Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren widmet nun auch der Heimat- und Geschichtsverein Nied eine Ausstellung.
Die Macher: Helga Hofmann, Norbert Jungwirth, Dieter Kruska, Siegfried Fleischer, Wolfgang Lampe, Regina Schneider-Back und Heide Kastler. Die Macher: Helga Hofmann, Norbert Jungwirth, Dieter Kruska, Siegfried Fleischer, Wolfgang Lampe, Regina Schneider-Back und Heide Kastler.
Nied. 

3816 Männer und 3762 Frauen aus Nied meldeten sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Wehrdienst. Das hat der Heimat- und Geschichtsverein aus Nied für seine neue Ausstellung „Nied(er) im Ersten Weltkrieg“ nun herausgefunden. „Es herrschte eine richtige Kriegsbegeisterung im Stadtteil“, sagt Wolfgang Lampe. Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins hat gemeinsam mit aktiven Mitgliedern des Vereins die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg im Museum an der Beunestraße aufgebaut.

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus, der weltweit rund 17 Millionen Menschenleben forderte. 40 Staaten beteiligten sich am Kriegsgeschehen, rund 70 Millionen Menschen standen unter Waffen. Auch in Nied meldeten sich die Bürger freiwillig zum Wehrdienst, Kinder übten Kriegsspiele auf den Straßen, Artikel über das richtige Verhalten bei Fliegerangriffen erschienen in den Tageszeitungen. 340 Bürger aus Nied starben im Krieg und kehrten nicht mehr zurück.

 

Begeisterung gewichen

 

„Die Bevölkerung war bereit, alles zu geben“, sagt Siegfried Fleischer. Er wurde zwar erst 1940 in Nied geboren, doch sein Großvater und andere Familienmitglieder erzählten ihm vom Krieg. „Dass die Begeisterung irgendwann der Ernüchterung gewichen ist, stimmt nicht so ganz“, behauptet er. „Die Bürger haben damals alles für den Krieg getan, was möglich war.“ Fleischers Großvater hatte während des Kriegs eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm II. auf der Mainzer Landstraße. „Mein Großvater stand am Straßenrand, als der Wagen des Kaisers neben ihm anhielt“, erzählt Fleischer. Nach einem kurzen Gespräch habe der Kaiser dem Großvater Zigaretten geschenkt und sei weitergefahren.

Die Ausstellung mit dem Titel „Nied(er) im Ersten Weltkrieg“ stellt auf Zeittafeln die Situation in den Kriegsjahren zwischen 1914 und 1918 dar. Jedes Jahr hat eine eigene Tafel, auf der sowohl das Weltgeschehen als auch die Ereignisse in Nied dargestellt sind. „Wir haben den Spagat gewagt“, sagt Lampe. „Es gibt zurzeit so viele Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg, wir haben den Krieg auf Nied heruntergebrochen.“

Postkarten, Geldscheine, Patronenhülsen oder Porzellankrüge aus der Zeit zwischen 1914 und 1918 füllen die Vitrinen in den neugestalteten Räumen des Vereins. „Uns war es wichtig, dass wir die Ausstellung auf den Stadtteil beziehen“, sagt Lampe. Unterstützt wurde der Verein beim Aufbau der Ausstellung von zahlreichen Bürgern aus Nied. Die Ausstellungsstücke haben die Mitglieder des Vereins nach und nach zusammengetragen; Bürger aus Nied und den umliegenden Stadtteilen unterstützten sie bei ihrer Suche und steuerten viele Raritäten und besondere Fundstücke bei. Auch Norbert Traband, Schriftführer des Heimat- und Geschichtsvereins, hat einige wertvolle Gegenstände beigesteuert. „Ich habe schon immer viel gesammelt“, erzählt er. Sein Großvater Leonhard Traband nahm als Wehrmann bei der fünften Kompagnie des Infanterie-Regiments Nummer 365 am Ersten Weltkrieg teil. In eine der neuen Vitrinen hat Norbert Traband eine Urkunde gestellt. Es ist ein Abzeichen für Verwundete, das seinem Großvater am 25. Juni 1918 verliehen wurde. Darauf heißt es, dass das Abzeichen für eine einmalige Verwundung verliehen werde. Unterschrieben ist die Urkunde vom Major- und Regimentskommandeur.

 

Bis Ende des Jahres

 

Um die Ausstellungsstücke dem Publikum präsentieren zu können, hat der Verein in den vergangenen Monaten neue Stellwände und Klapptafeln aufgestellt. Nach einem Brand im Dachstuhl des Museums und einem Wasserschaden durch die Löscharbeiten war der Umbau dringend nötig. Auch einen neuen Fußboden und frisch gestrichene Wände präsentiert der Verein.

Die Ausstellung soll bis Ende des Jahres zu sehen sein, danach gehen die verschiedenen Ausstellungsstücke an die Familien aus Nied zurück. Lampe ist zufrieden mit dem Aufbau der Exponate. „Durch die Neugestaltung ist nun vieles möglich“, sagt er. „Wir machen immer wieder einen kleinen Schritt, langsam formt sich hier etwas.“

 

Die Ausstellung „Nied(er) im Ersten Weltkrieg“ ist immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Besucher können im Museum, Beunestraße 9 a, mit den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins ins Gespräch kommen und sich über die Arbeit der Gruppe informieren.

 

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